25. 05. 2012
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Richtfest für 1. Bauabschnitt in Köln-Niehl
Die 35 Eigentumswohnungen, deren Rohbau bereits fertig gestellt war
sowie knapp 30 Einfamilien-Reihenhäuser sind bereits vor Baubeginn
verkauft worden. „So etwas habe ich bislang nur im absoluten
Niedrigpreis-Segment erlebt“, räumt GAG-Finanzvorstand Uwe Eichner
gegenüber Köln Nachrichten ein. Selbst für den zweiten Bauabschnitt,
für den die Erdaushubarbeiten bereits abgeschlossen sind und dessen
Hochbauarbeiten in Kürze beginnen sollen habe man bereits Wohneinheiten
verkauf, die dort geplanten Einfamilien-Reihenhäuser sind bereits fast
komplett vermarktet, wie der für das Bauträgergeschäft zuständige
GAG-Vorstand erklärte. Sein Vorstandskollege Günter Ott sprach in
seiner Begrüßungsrede von einer „Stadtrendite“. Die ergibt sich seiner
Auffassung nach aus der richtigen „Mischung“ einer Wohnsiedlung und
einen Wohnviertels. So entstehen auf dem ehemaligen Produktionsgelände
zwischen Friedrich-Karl-Straße und Amsterdamer Straße neben insgesamt
89 Eigentumswohnungen und rund 50 Reihenhäuser vor allem 265
Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau. Das eigentlich innovative aber
steckt unter der Erde.
Soziale Mischung entschiedend für funktionierendes Stadtviertel
In enger Zusammenarbeit mit dem Wärmepumpenhersteller Waterkotte aus
Herne, der nordrhein-westfälischen Energieagentur und dem
Landeswirtschaftsministerium entsteht derzeit im Kölner Norden die
„wahrscheinlich größte Geothermiesiedlung in Europa“ (O-Ton Dr.
Frank-Michael Baumann, Energieagentur NRW). Angesichts steigender
Energiepreise wird die so genannte „zweite Miete“, sprich die
Nebenkosten, zu einem immer wichtiger werdenden Faktor bei der Auswahl
des geeigneten Wohnraums, auch und vor allem für die Nutzer, wie Ott in
seiner Rede betonte. Ein Langzeitvergleich der Preisentwicklung gibt
ihm Recht. Stiegen in den vergangenen fünf Jahren die
durchschnittlichen Wohnungsmieten um gerade einmal acht Prozent, so
legten die Heiz- und Stromkosten um stolze 73 Prozent zu. Im Rahmen
ihres Sozialraummanagements achten die Initiatoren aber auch bei der
Vergabe der Sozialwohnungen auf die richtige Mischung, wie Ott betonte.
„Es ist nicht entscheidend wie viel jemand verdient oder ob er einen
Wohnberechtigungsschein besitzt. Viel wichtiger ist, ob er soziale
Kompetenz besitzt“, umschreibt Ott die Anforderungen an eine
funktionierende Nachbarschaft. Auch beim Bau selbst will Ott und sein
Unternehmen Qualität bieten. So sind die Wohngebäude auf eine
Lebensdauer von 50 Jahren errichtet (Abschreibungszeitraum). „Das
stellen wir uns unter Stadtrendite vor“, erklärte der GAG-Vorstand
weiter.
Die geothermischen Anlagen werden dabei unterirdisch angelegt. Die
notwendigen „Saug- und Schluckbrunnen“ werden bis zu einer Tiefe von 25
Metern vorgetrieben. In der zentralen Wärmetauschereinheit wird
schließlich mit modernster Wärmepumpentechnologie die
Temperaturdifferenz zwischen Oberfläche und Tiefe zu Energie
umgewandelt. Während in Köln-Niehl der Boden in der Tiefe 14 Grad
Celsius warm war, lag die Oberflächentemperatur am heutigen Freitag bei
7 Grad Celsius. Die Idee kam Unternehmensgründer Klemens Waterkotte
dabei während seiner Tätigkeit als Kältebauingenieur während des
U-Bahn-Baus in München. Als er die Primärstützen bis zu 35 Meter tief
im Sandboden unter der bayerischen Landeshauptstadt einsetzte, stellten
die Ingenieure fest, dass aus dem Boden unablässig Wärme strömte. Je
nach Standort muss man dazu auch keine Kilometer tiefen Löcher in den
Boden bohren, es reichen schon wenige Meter. Über Wärmetauscher und
Pufferspeicher lässt sich so völlig unabhängig von Lieferengpässen bei
fossilen Energieträgern Wärme gewinnen. Lediglich die Wärmepumpe selbst
benötigt für ihren Einsatz Strom. Waterkotte zählt heute mit seiner
Herner Firma zu den größten Herstellern dieser Technologie in
Deutschland und Europa.
Land NRW unterstützt Technologie
Auch das Land Nordrhein-Westfalen hat inzwischen die Chancen und
Potenziale der Technologie erkannt. So zählt das Wärmepumpenprogramm zu
den Schwerpunkten bei der Energieberatung bei Wohn- und
Hauseigentümern. Während die Technik der Wärmepumpe im Eigenheimbau
bereits weit verbreitet ist, gibt es die Geothermie-Siedlung noch nicht
so häufig. Dies wolle man aber ändern, wie der Geschäftsführer der
Energieagentur NRW Baumann erläuterte. Derzeit werden in Deutschland
rund 43.000 Wohngebäude mit Wärmepumpen beheizt, alleine im vergangenen
Jahr kamen 8000 neue hinzu, erklärte Baumann. „Das muss mehr werden“,
forderte der Chef der Energieagentur. Auch Werner Lechner, Fachreferent
im Landeswirtschaftsministerium und dort zuständig für
Geothermie-Siedlungen, sieht die Technik der Wärmepumpen auf dem
Vormarsch. Angesprochen auf die möglichen Vorbehalte seitens der
(weitgehend monopolitischen) Gasversorger betonte der Ministerialbeamte
die einhellige Unterstützung. „Im vergangenen Jahr wurde ein Beschluss
des Parlaments zur Förderung dieser Technik einstimmig verabschiedet.
Die großen Versorger unterstützen inzwischen die Wärmepumpentechnik“,
so Lechner gegenüber Köln Nachrichten. Ein zweiter Punkt ist sicher
auch die technologische Kompetenz, die nach Lechners Ansicht gerade in
NRW ein hohes Niveau erreicht hat. „Viele der führenden
Wärmepumpenhersteller sitzen und produzieren in NRW“, weiß der Fachmann
aus dem Wirtschaftsministerium. Subventionen, so versicherte Lechner,
erhält die Industrie aber nicht.
Der Kölner Wohnungskonzern plant unterdessen bereits die nächste
Geothermie-Großsiedlung. Ab Herbst dieses Jahres wird im Kölner Westen
am Dansweiler Weg in Köln-Braunsfeld eine neue Siedlung entstehen.
Ähnlich wie bei den umliegenden Bestandsgebäuden in Niehl, die bereits
lange Zeit zuvor in besitz der GAG waren und nun im Zuge der
Neubauarbeiten ebenfalls abgerissen und neu errichtet werden, planen
die Initiatoren auch hier den mieterfreundlichen Wohnungswechsel. Im
Gegensatz zu den meisten anderen Wohnbauprojekten wird in Braunsfeld
zunächst der Neubau entstehen, bevor die ersten Gebäude entmietet und
abgerissen werden. So soll gewährleistet werden, dass die Mieter nur
einmal umziehen müssen und – viel wichtiger für die meisten – nicht aus
ihrem Stadtteil wegziehen müssen. Die Siedlung in Braunsfeld wäre dann
nach Angaben des GAG-Vorstandes die zweitgrößte Geothermiesiedlung in
Deutschland.

























