25. 05. 2012
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Sozialer Wohnungsbau in Köln: Raus aus der Schmuddelecke
Doch genau das trifft nach Meinung der Stadt seit einiger Zeit nicht mehr zu.
Sozialdezernentin Marlis Bredehorst und der Leiter des Kölner
Wohnungsamtes Michael Schleicher stellten auf einer Pressekonferenz am
heutigen Donnerstag den neuen Ansatz städtischer Wohnungspolitik vor.
„Das Thema ist äußerst komplex und gleichzeitig das größte soziale
Problem in Köln“, begann Bredehorst ihre Ausführungen. In der Tat gab
es in den vergangenen eine größer werdende Lücke in der Versorgung der
Kölner Bevölkerung mit preisgünstigem Wohnraum. So fiel der Anteil der
öffentlich-geförderten Wohnungen im Kölner Stadtgebiet bezogen auf den
Gesamtwohnungsbestand im vergangenen Jahr auf einen Anteil von 9,2
Prozent. „Viel zu wenig“, wie Bredehorst und Schleicher finden. Dabei
haben sie durchaus Unterstützung aus der Kommunalpolitik. Mit dem
Ratsbeschluss vom 29. Januar dieses Jahres erhielt die Verwaltung im
Rahmen eines Handlungskonzeptes „Preiswerter Wohnungsbau“ konkrete
Vorgaben, wie sie zukünftig auf die Bereitstellung von mehr
preisgünstigem Wohnraum hinwirken können.
Schwierige Rahmenbedingungen
Dabei haben die Verantwortlichen gleich mit einer ganzen Reihe von
Stereotypen und Vorurteilen zu kämpfen. Nicht nur das schlechte Image
macht es den Verantwortlichen schwer, neuen preisgünstigen
(öffentlich-geförderten) Wohnraum bereit zu stellen. Auch die
Entwicklung der Zinsen in den vergangenen zehn Jahren war nicht dazu
angetan, den potenziellen Investoren entscheidende Argumente an die
Hand zu geben, warum sie sich ausgerechnet für 15 bis 20 Jahre auf eine
Mietpreisbindung (Voraussetzung für die Bereitstellung öffentlicher
Fördermittel und verbilligter Kredite) einlassen sollten. Zwar haben
sich die jüngsten Entwicklungen der Finanzmärkte in den vergangenen
Monaten wieder in Richtung höhere Zinsen entwickelt. Trotzdem bleibt
eine Zurückhaltung aufseiten der Investoren auch weiterhin spürbar.
Auch vonseiten der Nachbarn gebe es häufig Vorbehalte gegen
entsprechende Bauvorhaben, häufig wird sozialer Wohnungsbau mit einem
schwierigen sozialen Umfeld gleichgesetzt. Dabei sind wesentlich mehr
Menschen in Köln berechtigt, einen Wohnberechtigungsschein zu erhalten
als viele glauben. Die Einkommensgrenze für einen Ein-Personen-Haushalt
liegt beispielsweise bei 23.560 Euro / Jahr brutto, für einen
Drei-Personen-Haushalt erhöht sich diese Obergrenze gar auf über 35.000
Euro / Jahr. Schleicher schätzt, dass zwischen 35 und 40 Prozent der
Kölner Bevölkerung Anspruch auf das amtliche Dokument haben, darunter
fallen Berufsgruppen wie Krankenschwestern, Polizisten oder Busfahrer.
Selbst in der Stadtverwaltung gibt es genügend Beschäftigte, die
ebenfalls Anspruch auf einen WBS haben. Der Bedarf an günstigem
Wohnraum ist also hoch und glaubt man den Bevölkerungsprognosen der
Statistiker, dann wird dieser Bedarf in den kommenden Jahren sogar noch
deutlich zunehmen. Nicht zuletzt haben die Verantwortlichen zusätzlich
noch mit knapper werdenden Flächenreserven zu kämpfen. „Wenn die GAG
ihr Investitionsprogramm in den kommenden Jahren fertig gestellt hat,
wird es knapp werden“, so die Einschätzung Schleichers. Zusammen mit
anderen städtischen Ämtern wie dem für Stadtplanung wolle man sich aber
auch hier umschauen und entsprechende Grundstücke für preiswerten
Wohnraum umschauen, ohne jedoch auf die Fehler der 70er Jahre
zurückzufallen. Großflächen sozialen Wohnungsbau, versicherte
Bredehorst, wolle man aber nicht errichten.
Mehr Service und neue Wohnformen
Und so ist es folgerichtig, dass der ehemalige Leiter der städtischen
Wohnungsversorgungsbetriebe der Stadt Köln nun als Leiter des Amtes für
Wohnungswesen auch der eigenen Behörde einen Paradigmenwechsel
verordnete. Seit einem Jahr im Amt zog Schleicher zugleich eine erste
vorläufige Zwischenbilanz. Wichtigste Erkenntnis ist dabei, dass sich
sein Amt weg von der klassischen Behörde hin zu einem modernen
Servicebetrieb entwickeln muss. Und so gibt es inzwischen eine
hauseigene Beratungsstelle für potentielle Investoren. Erste Erfolge
kann der neue Amtsleiter bereits vorweisen. So ist ein Mehrfamilienhaus
in der Max-Fremery-Straße im Kölner Stadtteil Bickendorf bereits
abgerissen und durch einen hochwertigen Neubau ersetzt worden. „Auch
das Umfeld muss erkennen können, dass sozialer Wohnungsbau in heutiger
Zeit nicht mehr als solcher erkennbar ist“, erklärte Bredehorst. Neben
der Verbesserung der eigenen Servicequalität muss die Stadt aber auch
den gewachsenen Ansprüchen gerecht werden. Dies betrifft vor allem neue
Wohnformen, aber auch Aspekte von Barrierefreiheit und
Behindertengerechtigkeit. Schließlich müsse man sich als Stadt auch um
eine Verbesserung der Versorgung mit Ein- und Zweifamilienhäusern auf
WBS-Basis nachdenken.
Eine wichtige Rolle für die Versorgung der Bevölkerung mit günstigem
Wohnraum spielen auch die vielen Kölner Genossenschaften. Zwar gibt es
dazu keine amtlichen Zahlen, aber auch in diese Richtung will
Amtsleiter Schleicher weiter arbeiten. Schließlich haben viele der
gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften in den vergangenen Jahren keine
neuen Wohnungen mehr auf den staatlichen Förderwegen errichtet. Und
auch in dieser Richtung sieht Schleicher Handlungsbedarf.
Die Stadt wird in diesem Jahr voraussichtlich erstmals die Vorgaben des
Wohnungsbauprogramms 2015 erreichen. Danach sollen im Kölner
Stadtgebiet pro Jahr mindestens 1000 öffentlich-geförderte Wohnungen
entstehen. Nach derzeitigem Sachstand wird die Stadt dieses Zeit mit
voraussichtlich 1015 Wohnungen knapp übertreffen. Zwischen 2000 und
2007 wurden im Kölner Stadtgebiet 5879 Wohnungen öffentlich gefördert,
8000 wären nach Vorgabe des Wohnungsbedarfsplans notwendig gewesen.
Auch in den Segmenten freifinanzierter Mietwohnungsbau (10.986
Fertigstellungen im Zeitraum) und Ein- und Zweifamilienhausbau (5480
Fertigstellungen) liegt die Domstadt deutlich hinter den selbst
ermittelten Zielvorgaben. Entsprechend der Bedarfsrechnung benötigt die
Domstadt zwischen 2000 und 2014 insgesamt 57.000 neue Wohnungen, davon
15.000 sozial geförderte. Aufgrund der dynamischen
Bevölkerungsentwicklungen gehen die Verantwortlichen in Köln bis zum
Jahr 2025 von einem erhöhten Bedarf aus.

























