25. 05. 2012
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Ferien im dritten Reich - Ausstellung in vogelsang ip
(TB) Nein - eigentlich denkt man, wenn man an das dritte Reich denkt nicht unmittelbar an "Ferien" - eigentlich eher an das Gegenteil. Doch die Organisation der "Ferien", der "Freizeit" war einer der wichtigen Aspekte des NS-Regimes. Organisiert und überwacht wurden die Ferien von einem Mann, der aus Nümbrecht stammte: Robert Ley, "Big Brother" der Arbeit und Freizeit, Leiter der NS Arbeitsorganisation "Deutsche Arbeitsfront"(DAF). "Kraft durch Freude"(KDF), die Freizeitorganisation der Nazis, war eine Unterorganisation der "Deutschen Arbeitsfront", ihre Hauptaufgabe war die umfassende Organisation der Freizeit der Deutschen, insbesondere die Urlaubsgestaltung. Die "Deutsche Arbeitsfront" war eine Organisation die am 10.Mai 1933 unter der Schirmherrschaft des Föhrers gegründet wurde, nachdem die Nationalsozialisten am 1. und 2. Mai 1933 die Freien Gewerkschaften des deutschen Reiches zerschlagen und enteignet hatten. Die Ausrichtung der "DAF" war bestimmt von einer "Zuckerbrot und Peitsche" Politik, deshalb war "Kraft durch Freude" so wichtig. Während die Arbeiter zunehmend in eine, für faschistische Staaten typische, vollkommen entrechtete Situation gerieten, sollten sie mir Freizeitangeboten bei Laune gehalten werden. Allerdings war ein Hintergedanke auch die vollkommene Überwachung, eben auch während der Freizeit. Die Wirtschaft wurde zunehmend paramilitärisch organisiert.
Auch der Beitritt der Arbeitgeber zur "DAF" war wichtig, nachdem die "DAF" im November 1933 die letzten gewerkschaftlichen und klassenkämpferischen Ansätze aufgab, konnte auch der "Leiter" des "Reichsstandes der deutschen Industrie" Gustav Krupp von Bohlen und Halbach schließlich seine Zustimmung zum Beitritt der Unternehmer zur "DAF" geben. Damit war die gesamte Arbeits- und Freizeitwelt der Deutschen strikt durchorganisiert, im Sinne der faschistischen Diktatur.
Die ehem. sog. "Ordensburg" Vogelsang sollte nach gegwnwärtige Quellenlage zwar eine Ausbildungsstätte für den politischen Führungsnachwuchs der NSDAP sein, wurde aber aus den Geldern der enteigneten Gewerkschaften, also durch die "DAF" finanziert. Wie mir Zeitzeugen, u.a. aus Köln Porz, berichtet haben, war die ehem. "Ordensburg" Vogelsang aber auch immer "eine Reise wert", wurde als Vorzeigeobjekt der NS-Diktatur zum beliebten
Ausflusgsziel. Die Kaffefahrt zur schönen Aussicht, zum Uftstausee, zum "High-Tech Bau" Vogelsang mit seiner Herrschaftsarchitektur, die den "Volksgenossen" gleich anschaulich klarmachte was das "Führerprinzip" ist.
Heute ist die ehem. "Ordensburg" Vogelsang auf dem Weg zu einem Informations- und Kulturzentrum mit NS-Dokumentation. Im Rahmen dieser Entwicklung findet seit April im Besucherzentrum der größten NS Hinterlassenschaft in NRW eine Ausstellung mit dem Titel "Ferien im dritten Reich" statt. Eine Ausstellung, die neben vielen Dokumenten und Relikten auch alte Super8 Filme von Zeitzeugen zeigt. Beispielsweise sehen wir ein Skispringen in der Eifel, welches auf der "Adolf Hitler Schanze" stattfand. Auf den ersten Blick ein harmloses Wintervergnügen. Bezieht man allerdings die zahlreichen Dokumente in die Betrachtung mit ein, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken, denn es ist erschreckend mit welcher Selbstverständlichkeit die damaligen Deutschen ihrern Vergnügungen nachgingen, während längst bekannt war was das Hitler-Regime tatsächlich im Schlide führte. Ein Teil der Ausstellung wurde vom Dokumentationszentrum Prora auf Rügen beigesteuert - die Wanderausstellung "Freizeit im Faschismus" zeigt sehr anschaulich wie die Organisation der Arbeit und der Freizeit letztlich nur Augenwischerei war um den nächsten Krieg vorzubereiten. Die Dampfer der KDF wurden schon bald zu Truppentransportern und Lazarettschiffen, der Urlaub fiel aus, stattdessen wurden Granaten und Bomben gebaut. Aus der Reise an die Ostsee wurde das Unternehmen Barbarossa. Die Dokumente aus Prora entlarven den faschistischen Charakter, insbesondere der Arbeits- und Freizeitorganisation, des NS-Regimes besonders anschaulich.
In Kombination mit dem Ort der ehem. "Ordensburg" Vogelsang entfaltet die Ausstellung eine interessante Wirkung und ist absolut zu empfehlen. Es bleibt die Erkenntnis, dass nichts, aber auch garnichts des NS-Regimes, das war was es zu sein vorgab - Freizeit und Arbeit, das war Krieg. Gerade die Legende, dass die Nazis auch irgendwas positives getan hätten geht ja oft auf die "KDF" zurück, die Ausstellung entlarvt diese Lebenslüge der NS-Generation und zeigt, dass die Nazis eben nur Verderben und Verbrechen gebracht haben, dass alles der Logik eines Krieges folgte, sonst nichts.
Am besten besucht man die Ausstellung nachdem man an einem Gelände-Rundgang mit einem der Referenten teilgenommen hat.
Am 28.10.2010 ist die Ausstellung aus organisatorischen Gründen vorübergehend geschlossen.
| Anreise | Karte |
| Öffnungszeiten | Täglich 10-17 Uhr am 28.10.2010 vorübergehend geschlossen |
| Eintritt | FREI!! |
| Schlagwörter | Geschichte, NS-Regime, Faschismus, Urlaub, Freizeit, Tourismus |
| Website/Kontakt | Website |

























