25. 05. 2012
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Als Bewegung in die Kunst kam
(js) Als in den frühen 70er Jahren Film und Video als Kunst fürs Museum akzeptiert wurde, begann auch das Wallraf-Richartz-Museum (damals für aktuelle Kunst zuständig) damit, diesen Neuling zu sammeln. Das spätere Museum Ludwig setzte dies dann fort. Doch fehlte lange eine systematische Aufarbeitung und Registrierung. Die begann erst – verbunden mit zum Teil aufwändiger Restaurierung und Digitalisierung – vor einigen Jahren. Jetzt kann Kuratorin Barbara Engelbach mit der Ausstellung "Bilder in Bewegung – Künstler & Video/Film" der Öffentlichkeit eine breite Bestandsaufnahme vorlegen, die von einem ausführlichen Katalog unterstützt wird.
Im Untergeschoss des Hauses werden Arbeiten von rund 40 Künstlern (es ist eine Männerdomäne) präsentiert, fünf weitere sind in der Dauerausstellung platziert. Achtung: Ein kleiner Teil der Exponate wird ausgetauscht. An zwei Sichtplätzen hat der Besucher Zugriff auf 270 zusätzliche Videos. Das Spektrum ist weit gespannt, sogar einige 8-mm-Zelluloid-Filme sind noch dabei. Die haben sich im übrigen am besten erhalten. Von einigen Videos hatten sich die Magnetstreifen gelöst und konnten nur restauriert werden, weil die Künstler Duplikate hatten. Es Kurzfilme dabei, die nicht einmal eine Minute lang sind, wie die von Ute Hörner und Mathias Antlfinger, in denen skurrile Puppen über die bedingungen des Kunstsystems diskutieren (1997). Dann gibt es raumfüllende Installationen wie die des Holländers Aernout Mik über die merkwürdige Schlägerei in einem Restaurant. Hier entscheidet der Betrachter über die Wahl des Monitors, welchen Standpunkt dazu er einnimmt.
Ikonen der Videokunst-Geschichte sind zu sehen. Zuallererst Nam June Paik, dessen große Installation "Brandenburger Tor" mit Videos von Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und David Bowie auf über 200 Monitoren den Eintritt zur Ausstellung bildet. Bruce Nauman fehlt ebenso wenig wie Richard Serra, Peter Kriwet oder die "Kölner Schule" um Marcel Odenbach, Klaus vom Bruch und dem Ehepaar Birgit und Wilhelm Hein, die mit ihrem Studio XSCREEN eine Keimzelle der Videokunst waren und Köln zu einem Zentrum der jungen Kunst. Das Angebot bewegt sich zwischen den Polen Experiment und Dokumentation, gewohnte Sehweisen werden gleichermaßen in Frage gestellt wie politische Zusammenhänge. Manches davon ist selbst heute noch aufregend neu. Während in einem Teil der Ausstellung die Exponate wie auf einer Kirmes miteinander konkurrieren, kann sich der Besucher andere Arbeiten in aller Ruhe in kleinen dunklen plüschigen Kinoräumen ansehen.
Er sollte aber genügend Zeit mitbringen. Denn anders als bei einem Bild kann er die Zeit des Betrachtens hier nicht von sich aus bestimmen, will er den Künstlern gerecht werden. Die haben ein Recht darauf, dass ihre Videos und Filme von Anfang bis Ende gesehen werden – und das wären bei dieser Ausstellung zusammen weit über fünf Stunden, die Installationen nicht dazugerechnet. Die Zeit hat aber nicht jeder. Ein Dilemma, dass auch Harun Farocki bei seiner Solo-Ausstellung vor wenigen Monaten an gleicher Stelle Unbehagen bereitete.
"Bilder in Bewegung – Künstler & Video/Film" – bis 31.10., Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 9/6 Euro. Katalog: 29.20 Euro. Umfangreiches Begleitprogramm unter: www.museum-ludwig.de.
. Alle KölnerInnen haben jeweils am ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr freien Eintritt in die Ständige Sammlung. Im Sonderausstellungsbereich fällt weiterhin der reguläre Eintrittspreis an.
























