25. 05. 2012
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Als die Eifel noch wilde Natur war
(js) Die Hochzeit des "klassischen" englischen Rheintourismus war eigentlich schon vorüber, als sich der junge Edward Theodore Compton, gerade mal 18 Jahre alt, 1868 auf Entdeckungsreise machte. Und zwar von Darmstadt aus, wohin der gebürtige Engländer mit seinen Eltern gezogen war. In Koblenz bog er zur Mosel ab und machte dann einen Abstecher in die Eifel. Immer dabei sein Skizzenblock. Schon arg gefleddert, konnte das Wallraf-Richartz-Museum die "Reste" vor gut 30 Jahren kaufen. Nun zeigt es in einer Kammerausstellung die verbliebenen 22 Aquarelle.
Compton fing eine noch weitgehend unberührte Natur- und Kulturlandschaft ein. Er zeichnete – alles etwa im Format DIN A 5 – kaum vor, sondern arbeitete sofort mit kräftigen, gleichwohl fein abgestuften Farben, genau und exakt sein Blick. Dramatisch setzt er die Hell-Dunkel-Kontraste im engen Moseltal, gewaltig seine Wolkenbilder – ob rosa Schäfchenwolken, ein abziehendes Gewitter oder das Himmelsloch in den Regenwolken –, geheimnisvoll vom Nebel verhangen die Falkenlay bei Bad Bertrich. Wie Burgen ragen die "Dolomiten" bei Gerolstein auf, weit geht die Sicht über die Hochfläche der Eifel, in die sich die Flüsse tief hineingeschnitten haben. Dunkel guckt das Auge des Pulvermaars. Ab und zu ein einsamer Wanderer, ein Fischreiher – oder zwei turtelnde Schmetterlinge. Später wird sich Compton als Alpenmaler und Bergsteiger mit über 20 Erstbesteigungen einen Namen gemacht haben.
Comptons Eifelbilder sind alles andere als romantisch verklärend. Dieses Sentiment stellt sich beim Betrachter erst ein, wenn man die Motive mit der heutigen Situation vergleicht: Die Moselufer bald durchgehend ein Stellplatz für Caravans, die Eifelstädtchen mit Einfamilienhäuschen diarrhötisch ausufernd. Nur die Wolkengebirge – die lassen sich davon nicht beeindrucken.
"Erde, Luft und Wasser – Dokumente einer faszinierenden Reise. Edward T. Comptons Skizzenbuch einer Eifelwanderung" – bis 25.4., Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Obenmarspforten (am Kölner Rathaus), 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 11 19, Di, Mi, Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr, Eintritt: 5,80/3,30 Euro

























