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25. 05. 2012
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Alte Posen in neuem Gewand


11.10.2010 08:45 von:

Schlagwörter: Köln,Wallraf-Richartz-Museum,Fotografie,Leben,Tod,Schwangerschaft,Jugend,Schönhe

(js) Was ist die bessere Kunst – Malerei oder Fotografie? Diese lang diskutierte Frage aus den Anfängen der Fotografie hat sich erledigt, das neue Medium hat sich längst als selbstständige Ausdrucksform etabliert. Doch wie haben sich die Fotokünstler von ihren malenden "Vorgängern" beeinflussen lassen, welche Inhalte, Kompositions- und Pathosformeln greifen sie auf? Dem geht eine Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum nach und kommt zu teilweise überraschenden Ergebnissen. Zu verdanken ist sie der Zusammenarbeit mit dem Foto-Sammler Lutz Teutloff, der rund zeitgenössische 70 Exponate zur Verfügung stellte. Konfrontiert werden sie mit 40 Werken, beginnend bei der Renaissance, aus den Beständen des Museums. Inhaltlich dreht sich die Schau um ein zentrales Thema in der Kunst – den Menschen. "Auf Leben und Tod" lautet denn auch ihr Titel.

In neun Kapiteln – von Schwangerschaft und Geburt über Jugend, Paare, Leid und Schmerz bis zu Tod – ergeben sich zwischen Alt und Neu spannende Dialoge. Dabei zeigt sich, wie dauerhaft christliche Bildmotive sich durch die Kunst bis heute gehalten haben. Wie weit es sich dabei jeweils um ein bewusstes Zitieren und Fortschreiben in die Gegenwart, eher um eine spielerische Auseinandersetzung oder vielleicht auch nur um zufällige Ähnlichkeiten handelt, muss manchmal offen bleiben. Etwa beim Bild der Mutter Christi mit entblößter Brust oder das des Erlösers, als den sich auch die Künstler gerne sehen. So zeigt sich Joseph Beuys als "Schmerzensmann" und Jack Pierson posiert als Märtyrer, wie wir es vom Heiligen Sebastian kennen – und ähnelt gleichzeitig einem zerschrammten Model für Unterhosen. Auch der Spiegel als Möglichkeit, die eigene Seele zu erkennen, oder das Fenster, das den Blick in die Weite ermöglicht, sind klassische, immer wiederkehrende Symbole.

Auch eher weltliche Motive ziehen sich wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte. Sei es die Darstellung von Macht oder Alter bei den Porträts, der – gespannten – Zweisamkeit zwischen Ehepartnern, das männliche Heldentum im Alten Testament oder im neuzeitlichen Boxring oder Liebe und Sex. Francois Bouchers bekannte erotische Aktstudie "Ruhendes Mädchen" inspirierte die Finnin Katharina Bosse zu einer Parodie im Pin-Up-Stil der 1950er Jahre, Nan Goldin griff das Motiv mit einem nackten Mann auf und erweiterte das bis dahin eher weiblich besetzte Thema "Schönheit" so zur männlichen Seite. Dazu passen die Selbstinszenierungen Jürgen Klaukes, der mit seiner Verkleidungen der Frage nach dem Geschlecht der Schönheit nachgeht.

Etwas aber darf die heutige Öffentlichkeit sehen, was noch bis vor wenigen Jahrzehnten verpönt war: die demonstrativ zur Schau gestellten Bäuche hochschwangerer Frauen. Dafür stehen hier die Fotografen Larry Towell und Alix Garcia. Ganz anders die vorsichtig angedeuteten Wölbungen unter den Walle-Gewändern der Jungfra Maria und der mit Johannes schwangeren Elisabeth auf einem Bild aus dem 15. Jahrhundert. Einer der seltenen spielerisch-heiteren Momente ist das Paar Bartholomäus Bruyn d.Ä. /Hendrik Kerstens: Der eine porträtierte um 1538 eine fromme Dame mit der damals üblichen weißen Haube, der andere setzte 2007 seiner Tochter eine weiße Plastikhaube auf den Kopf. Das ideale Bild für die Werbung zu dieser kunsthistorischen, aber alles andere als trocken-langweiligen Ausstellung.

"Auf Leben und Tod – Der Mensch in Malerei und Fotografie" – bis 9.1.2011, Wallraf-Richartz-Museum, Di-Fr 10-18 Uhr, jeden Donnerstag im Monat 10 – 22 Uhr, Sa, So und Feiertage 11-18 Uhr. Eintritt 9,50/7,50 Euro. Katalog (deutsch/englisch, leider ohne vollständiges Verzeichnis der ausgestellten Werke) 24 Euro

 





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