25. 05. 2012
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Auf den Spuren verborgener Strukturen
(js) Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet die Aufnahmen eines Vulkanausbruchs zum "Titelbild" der Ausstellung von Jochen Lempert wurden. Im Vergleich zur aktuellen Aschenwolke des isländischen Eyjafjalla ist die des Stromboli im Mittelmeer nur knapp 300 Meter hoch, doch für den Kölner Fotografen ein typisches Beispiel für seine Arbeit. Darin setzt er sich mit den Zufälligkeiten in der Natur und möglichen Strukturen, die dahinter liegen, auseinander. Das Museum Ludwig zeigt jetzt rund 40 Werkgruppen aus den letzten 15 Jahren. Parallel dazu eine Arbeit des New Yorkers Wade Guyton.
Auf den ersten Blick sehen Lemperts Schwarzweiß-Fotos wie Zufallsprodukte eines Amateurs aus, blass, bisweilen unscharf, unprätentiös hängen sie – in unterschiedlichen Größen – ohne Rahmen an der Wand. Erst in der Gruppe wird die Absicht deutlich (und daraus erschließen sich dann auch die Einzelbilder). Lempert ist ein Sammler und Archivar, immer auf der Suche nach verbindenden, ordnenden Strukturen, oft entstanden aus der Wechselwirkung von Natur und Mensch, manchmal auch nur ge- oder erdachten Mustern. Da formieren sich vier Schwäne zu einem Viereck, ein Menschenfuß sieht aus wie ein Vogelkopf, Gischtwellen reihen sich zu einer Rhythmus.
Welche Ordnung steckt hinter den Dutzenden Möwen über dem Meer oder dem strengen Schwarm von Zugvögeln? Und nach welchen Regeln hat sich das Glühwürmchen auf dem Fotogramm bewegt? Manche Fotos – wie das von den Wellenkreisen eines startenden Wasservogels – sind von zarter Poesie. Eine besondere Vorliebe hat der studierte Biologe für Kormorane, "archaische Vögel", die unsere moderne Welt erobert haben und auf seinen Fotos oft nur als kleine Punkte zu finden sind. In Vitrinen präsentiert er seine assoziativ zusammengestellten "Fundstücke" wie in einem alten wissenschaftlichen Schaukabinett.
Mit seiner Monumentalität beeindruckt die Arbeit von Wade Guyton. Er hat acht jeweils fast 8 x 2 Meter breite Leinenbahnen – der Länge nach gefaltet – von einem Tintenstrahldrucker bedrucken lassen. Nebeneinander hängen sie jetzt im großen Oberlichtsaal. Grundmotiv ist ein schwarzes, am Computer erzeugtes, Rechteck, die schwarze Farbe setzt sich dabei, sieht man genau hin, aus vielen Farben zusammen. Durch "Störungen" beim komplizierten Druckvorgang entsteht ein unregelmäßiges Raster, das an einen Filmstreifen erinnert. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn der betrachter sich vor der großen Stirnwand bewegt oder die gegenüberliegende Treppe herunter geht. Mit dieser Arbeit greift Guyton die Auseinandersetzung mit dem Raum auf, die er bis 2004 noch mit den Mitteln eines Bildhauers betrieben hat.
Jochen Lempert: bis 13.6., Wade Guyton: bis 22.8. – Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 9/6 Euro.

























