25. 05. 2012
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Ausstellung baut Brücke in die Vergangenheit
(js) Sie bauten in und für Köln Eisenbahnbrücken über den Rhein, richtungsweisende Wohnsiedlungen, Kaufhäuser im Stil der Zeit, Villen für Wohlhabende und natürlich Synagogen. Jüdische Architekten setzen in den letzten zwei Jahrhunderten manchen Glanzpunkt in der Stadt. Doch selbst in Fachkreisen ist das Gesamtwerk vieler dieser Baumeister, ganz zu schweigen von deren Lebenslauf, eine große Unbekannte. Ein opulentes Buch und eine darauf beruhende Ausstellung im EL-DE-Haus – beide mit dem Titel " Köln und seine jüdischen Architekten" holen sie jetzt in die Erinnerung zurück.
Urheber beider Ereignisse ist der Architekturhistoriker Wolfram Hagspiel. Vor rund 15 Jahren erforschte er für das Kölner Denkmalamt die Geschichte Marienburgs. Dabei stieß er auf große Lücken in den Archiven, wenn es um jüdische Architekten ging. Das ließ ihn nicht mehr los und er erweiterte seine Nachforschungen bald auf ganz Köln. Als Hauptursache für die Wissenslücken nennt er die Zerstörung eines Großteils der Bauwerke im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs, dem auch die städtischen Unterlagen zum Opfer fielen. Schließlich tilgte die Verfolgung und Ermordung der Baumeister durch die Nationalsozialisten die Erinnerung an eine Zeit, in der Köln ein reiches und selbstbewusstes jüdisches Leben hatte. Die Shoah, so Hagspiel, ist dann auch der Hauptgrund, sich ausdrücklich mit jüdischen Architekten zu beschäftigen.
Sein Buch umfasst die Porträts von 50 Männern, die ihr ganzes Leben oder teilweise in Köln tätig waren. Alphabetisch reicht das von Oskar Abisch (er baute zum Beispiel um 1928 die Paketverteilerhalle der Kölner Hauptpost an der Straße An den Dominikanern) bis Artur Wachsberger (von ihm ist das Haus Große Budengasse 11). Zeitlich spannt sich der Bogen von Jakob August Kaufmann, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Paris beim gebürtigen Kölner Jakob Ignatz Hittorff lernte, bis zum 1925 in Köln geborenen Bauingenieur Ernst Rudolf Kahn, der unter anderem für Helmut Goldschmidt als Statiker arbeitete.
Goldschmidt, er starb 2005 in Köln, war nach 1945 mit Häusern im Stil der neuen Sachlichkeit wesentlich am Wiederaufbau der Stadt beteiligt, zudem leitete er den Wiederaufbau der Synagoge an der Roonstraße. Außerdem war er Lehrer und Partner von Oswald Mathias Ungers, "eine Tatsache, die heute oft unterschlagen wird", empört sich Hagspiel. Für sein Buch durchforstete er historische Lokalzeitungen und Fachmagazine. Manchmal war es nur der Name mit Berufsbezeichnung in einem Adressbuch, der ihn auf die Spur brachte. Seinem Spürsinn ist die Rekonstruktion mancher Nachlässe zu verdanken.
Vier Stadtpläne mit Fotos der Bauten auf dem Boden des Ausstellungsraums im NS-Dokumentationszentrum geben die vier Epochen wieder, zu denen exemplarisch jeweils einige Architekten vorgestellt werden – mit ihren Lebensläufen, Baubeispielen und, so weit vorhanden, mit historischen Fotos und Urkunden. Für das Kaiserreich ist es Philipp Fritz, wohl 1943 deportiert und ermordet. Im Prunk- und Protzstil der damaligen Jahrhundertwende baute er 1901 die Tietz-Passage zwischen Hohe Straße und An St. Agatha und war auch für den Umbau der Wolkenburg zuständig. In dieselbe Epoche gehört auch Fritz Beermann, Erbauer der Südbrücke und beteiligt am Bau der Hohenzollernbrücke.
Für die Weimarer Republik stehen besonders Richard Falck und Manfred Faber. Falck, Hausarchitekt für Tietz, gilt als Stilbildner für das moderne Warenhaus. Er konnte emigrieren und starb 1947 in New York. Zusammen mit Faber entwarf er in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zahlreiche Siedlungen für die GAG Köln, die deshalb die Ausstellung finanziell unterstützt. Unter den Nazis konnten jüdische Architekten dann lediglich noch einige dann lediglich Privatbauten umgesetzt werden. Für die Zeit nach 1945, der vierten Zeit-Abteilung, wird dann ausführlich Goldschmidt vorgestellt.
"Köln und seine jüdischen Architekten" – bis 5. September, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12-63 32, Di, Mi, Fr 10-16 Uhr, Do 10-18 Uhr, Sa und So 11-16 Uhr. Eintritt: 3,60/1,50 Euro, an jedem 1. Donnerstag im Monat (außer feiertags) erhalten alle Kölnerinnen und Kölner freien Eintritt. Als Eintrittskarte gilt der Personalausweis. Das umfangreiche Begleitprogramm zur Sonderausstellung: www.nsdok.de.
Wolfram Hagspiel: "Köln und seine jüdischen Architekten" – Bachem Verlag, Köln 2010, 460 Seiten, über 1.200 Abbildungen, 69,95 Euro

























