25. 05. 2012
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Berühren erlaubt!
(js) "Strumpfhosenkiller!", erinnerte sich eine Besucherin, als sie die Werkgruppe "Kantine" wieder sah. Die kratzkantigen Stühle und Tische aus Armier-Eisen und Sperrholz standen lange in der Cafeteria des Kölner Museums Ludwig. Jetzt sind die Arbeiten des Wiener Künstlers Franz West Bestandteil einer umfangreichen Retrospektive, die ihm Hausherr Kasper König aus langer Verbundenheit ausrichtet. Am Freitag Abend wurde die Ausstellung "Autotheater", die die Beziehung zwischen Kunst und Design auslotet, eröffnet.
Ein bisschen Vorsicht ist also geboten bei dieser Kunst, die ausdrücklich berührt und benutzt werden darf (sofern ein kleines schwarzes Händchen auf einem Schild darauf hinweist). West erfüllt sich damit selber einen alten Traum, als er Ausstellungen besuchte, die Kunst dort aber nicht berühren durfte. Die Begegnung mit seiner Kunst macht aber vor allem Spaß, den die Mitwirkung des Betrachters wird bei den meisten Objekten ausdrücklich erwünscht – der Ausstellungstitel "Autotheater" spielt darauf an. So kann man sich bei "Ergebnis" auf eine der beiden Sitzplattformen setzen, die das Ende einer Spirale markieren. Der Besetzer verändert so das Kunstwerk und wird selber Teil davon. Bei "Plural" – 2006 angekauft und zur Zeit in der ständigen Ausstellung des Museums gezeigt – kann sich der Besucher auf einen harten Eisensessel setzen und vier weiße Bilder betrachten. Oder er nimmt sich eines der "Pass-Stücke" – lange Eisenstangen mit unterschiedlich geformten, dicken Knubbeln aus weißem Epoxydharz versehen – und posiert damit vor einem Spiegel. Das Werk "o.T." fordert den Betrachter auf, sich hinter einem Paravent auszuziehen und sich "5 Minuten nach eigenem Ermessen zu verhalten." Vorher solle allerdings der Saalwächter informiert werden.
An Wests Anfänge, in denen er mit den Wiener Aktionisten zusammenkam, erinnern erotische Collagen. Es lassen zwar Verbindungen zur Minimal Art, zu Fluxus und Konzeptkunst finden, doch passt der Träger des Wolfgang-Hahn-Preises von 1988 mit seinen eigenwilligen Arbeiten in keine dieser Schubladen so richtig. Im Gegenteil – er wurde zum Vorbild jüngerer Künstler wie etwa Tobias Rehberger. Eine weitere Werkgruppe des 62-Jährigen beschäftigt sich mit dem klassischen Bildhauerproblem "Skulptur – Sockel". Hier stellt er knuffige, unförmige Skulpturen auf Tische oder Schränkchen. Wichtig ist ihm dabei auch das Material wie Schrott oder Pappmaché, das im alltäglichen Leben eher Abfall ist. Augenfälliges Beispiel hierfür ist seine rosa Aluminium-"Eule", die vor dem Museum aus dem Loch des Dionysos-Brunnens ragt.
"Franz West: Autotheater" – bis 14.3.2010., Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, Katalog in der Ausstellung: 29 Euro, Eintritt: 9/6 Euro. Alle KölnerInnen haben jeweils am ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr freien Eintritt in die Ständige Sammlung. Im Sonderausstellungsbereich fällt weiterhin der reguläre Eintrittspreis an.

























