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25. 05. 2012
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Betonklötze und Massensiedlungen


11.10.2011 16:03 von:

Schlagwörter: Köln,Rathaus,Architektur,1960er,Mitscherlich,Chorweiler,Böhm,GAG,autogerecht,201

(ehu) Betonklötze, Schuhkartons, Massensiedlungen, autogerechte Stadt – die deutsche Architektur der 1960er Jahre hat keinen guten Ruf. Mit seinem kritischen Buch „Die Unwirtlichkeit der Städte“ hat der Soziologe Alexander Mitscherlich dieses Bild verfestigt. Die Ausstellung „Architektur im Aufbruch“ im Rathaus versucht, dieses Bild etwas zurechtzurücken.

Es waren Jahrzehnte des Aufbruchs. Nach 1945 galt es zunächst, die größte Wohnungsnot zu beseitigen. Dann konnten die Architekten ihre Visionen verwirklichen. Wie nie zuvor wurde die Wissenschaft hinzugezogen, man folgte Prognosen, die stetiges Wachstum versprachen, und suchte nach Wegen des ökonomischen Bauens. Neue ästhetische Lösungen wurden entwickelt.

Die Ausstellung verwandelt den Spanischen Bau in ein Architekturbüro

In fünf Kapiteln geht die Wanderausstellung dem nach: „Struktur und Plastizität“ heißen sie, „Das 3-Scheiben-Haus“ (das es nicht nur vom WDR in Köln gab), „Neue Formen des Zusammenlebens“, „Architektur als Wissenschaft“, „Die neue Stadt“, „Funktionalistische Architektur“ heißen sie. Dafür hat sich die Piazetta im Spanischen Rathaus-Bau in ein kleines Architekturbüro verwandelt. Auf den fünf großen Themen-Tischen liegen – unter Glas – Fotos und Pläne, darauf, von Schreibtischlampen beleuchtet, Modelle. In sechs Schränken lassen sich die Schubladen öffnen, dort finden sich vertiefende Beispiele, Erklärungen, Ton- und Filmdokumente.

Vorgestellt werden klassische Trabantenstädte wie Chorweiler und das Märkische Viertel in Berlin, Kirchenbauten aus Beton (Christ-Auferstehungskirche von Gottfried Böhm in Köln-Melaten) und die Jakobuskirche in Düsseldorf, von Eckhard Schulze-Fielitz mit einer fragilen, transparenten Stahlkonstruktion. Die Uniklinik in Aachen und die Ruhr-Universität Bochum.

Schon vor 50 Jahren dachten die Architekten die Wohnprobleme von heute an

Da sind die Terrassenhäuser und der nüchterne Hochkant-Kasten „Langer Eugen“ in Bonn. Schließlich die „Metastadt“ von Richard J. Dietrich: ein Wohnungsburg aus aufeinander getürmten Würfelcontainern, veränderbar und wechselnden individuellen Bedürfnissen anpassbar. Damals nicht verwirklicht – angesichts sinkender Einwohnerzahlen in vielen Städten wieder ein höchst aktuelles Modell.

Konzipiert wurde die Ausstellung vom Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI) in gelsenkirchen. In Köln ist auch die GAG dabei, größte Wohnungsbaugesellschaft der Stadt. Im angesprochenen Zeitraum baute sie Siedlungen in Ostheim, Vingst, Stammheim und Bocklemünd. Heute steht sie vor der Frage „Sanierung oder Abriss?“. Dabei fühlt sie sich gut aufgestellt, weil sie damals nicht „im Zeitgeist“ gebaut habe, sondern eher traditionell, so GAG-Vorstandmitglied Kathrin Möller. Deshalb passten die Wohnungen auch noch in das heutige Zeit- und Wohngefühl. Entsprechende Sanierungen und Anpassungen vorausgesetzt. Dazu wurde ein umfassendes Programm aufgelegt, das derzeit abgearbeitet wird.  

„Architektur im Aufbruch – Planen und Bauen in den 1960ern“ – bis 3.11., Rathaus, Piazetta im Spanischen Bau, Mo, Di, Mi, Fr 8-18 Uhr, Do 8-20 Uhr, Sa und So 14-18 Uhr







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