25. 05. 2012
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Bilder, handlich zusammengefaltet
(ehu) Ein Bild von mehreren Metern Länge zu malen – das ist für einen Künstler Versuchung und Herausforderung zugleich. Der Grafiker hat sich ihr gestellt. Seine Lösung: Das Leporello, ein Buch, das sich wie eine Ziehharmonika aufklappen lässt und so lange Bilder auf ein handliches Format zusammenfaltet. Sein Rekord: 4,80 Meter, auf knapp eine Handspanne verkürzt. Doch Delfosse ist kein Rekordjäger, sondern ein ernsthafter und geduldiger, ein penibler und phantasiereicher Künstler. Eine Auswahl seiner Arbeiten zeigt jetzt die Kunst-und Museumsbibliothek im Treppenhaus der Cinemathek.
Auf die Idee zu diesen Künstlerbüchern brachten Delfosse, er war Grafik-Dozent an der alten Kölner Fachhochschule, die Faltkarten, mit denen Museen und Galerien zu ihren Ausstellungen einluden. Er bemalte sie mit schwarzer Ölfarbe, ritzte dann – Strichlein an Strichlein – in klassischer Sgraffito-Technik geometrische Formen ein. Diese bildeten zusammen oszillierende Muster voller Leben, insbesondere, als er die einzelnen Karten zu einem Leporello zusammenklebte. Wer genau hinsieht, erkennt die in den "weißen" Linien die darunterliegende ursprüngliche Farbe. Das Gegenstück zu dieser Weiß-auf-Schwarz-Technik sind Arbeiten mit schwarzer Tusche auf weißem Papier.
Auch seine Aquarell-Grafiken, jeweils in einem Farbton, lassen die Augen des Betrachters flimmern
Bald entdeckte der Grafiker die Farbe, speziell die Aquarellfarbe. Mit einem speziellen Pinsel, dem "Schlepper", setzt er – jeweils in einem Farbton – entweder parallele Striche in abwechselnden Richtungen neben- und übereinander. Auch hier entstehen wieder dynamische Strukturen, rhythmische Verdichtungen und Auflockerungen, die das Auge flimmern lassen.
Gleiches gilt für seine Punkttechnik, bei der er geduldig und über Tage hinweg kleine Aquarelltupfer dicht bei dicht nebeneinander setzt. Die Muster erinnern teilweise an kunstvolle Gehwegpflasterung. Weil die "Pinselfüllung" anfangs kräftige Töne liefert , dann immer blassere, entsteht auch hier eine Hell-Dunkel-Bewegung, die dem langen, schmalen Bild zudem eine große Tiefe verleiht.
Position des Wortes bestimmt die Komposition des Bildes
Auch eigenwillige Collagen verbindet er zu Leporellos. "Multiple Persönlichkeit" etwa besteht aus Buchseiten, bei denen er Personalpronomen wie "ich", "du" oder "wir" ausgeschnitten, nach hinten geklappt und die Lücken mit bemaltem Papier hinterklebt. "Die Platzierung dieser Wörter im Text bestimmt die Komposition des Bildes", erklärt er. Was ihn bei seinen Faltbüchern zusätzlich noch fasziniert, ist die Möglichkeit, die Bilder so zusammenzuklappen, dass neue Nachbarschaften und so neue Bildverbindungen entstehen können.
"Hans Delfosse – Leporellos" – bis 23.5., Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Treppenhaus des Museums Ludwig). Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Mo 14-21 Uhr, Di-Do 10-21 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 h

























