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25. 05. 2012
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Bilder vom Dom mit dem halben Turm


10.12.2010 18:20 von:

Schlagwörter: Köln,Dom,Stadtmuseum,Friedrich Wilhelm,Kathedrale,Heine,Napoleon,Pranger,Schinke

(js) Zwei Türme hat der Dom von Köln. Das weiß sogar die Gebärdensprache, in der der Dom symbolisch für Köln steht, wie Dombaumeisterin Barbara gerne zeigt. Doch länger ist die Zeit, als der Dom nur einen halben Turm hatte. Doch auch damals schon war er ein Symbol der Stadt. Vor allem der Baukran, der darauf stand. Das Kölnische Stadtmuseum beherbergt wohl die weltweit meisten Grafiken aus der Zeit des halbfertigen "Doms vor dem Dom". Ein Schatz, der lange eher unbeachtet in der Grafischen Sammlung schlummerte. Jetzt wird er erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Drei Jahre lang hat der Kunsthistoriker Hans-Jürgen Greggersen die Grafiken und Zeichnungen wissenschaftlich erforscht, viele neu datiert. In der Ausstellung "Der kolossale Geselle" wird jetzt die Baugeschichte des Doms dokumentiert. Von der Grundsteinlegung 1248 über die Einstellung der Bauarbeiten aus Geldmangel 1528 bis zur "zweiten" Grundsteinlegung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV, mit der die Fertigstellung der gotischen Kathedrale eingeleitet wurde. Es ist die Zeit des turmlosen Doms, bei dem zudem noch das Hauptschiff fehlte.

Heines falsche Hoffnung

Wie ein gestrandeter Wal überragte der Chor 300 Jahre lang seine Umgebung. Daneben der Turm mit dem Baukran. Das Paar beherrschte die Stadtsilhouette, noch nicht bedrängt von Kranhäusern und Möchtegern-Hochhäusern. Es muss ein faszinierendes, pittoresker Anblick gewesen sein, wie die zahlreichen Bilder noch heute ahnen lassen. Und ein Symbol für den Niedergang der Stadt, die vor dem Baustopp eine der reichsten nördlich der Alpen war. Die damals viel gelesene Schriftstellerin Johanna Schopenhauer, Mutter des Philosophen, wollte ihn um 1800 gleich abreißen lassen. "Der kolossale Geselle" nannte ihn Heine, und das war nicht unbedingt begeistert gemeint. Denn in seiner "Winterreise" schrieb er: "Er wird nicht vollendet, der Kölner Dom." Er irrte auch als er meinte, dass gerade die Nichtvollendung den Dom zu einem Denkmal von "Deutschlands Kraft" mache. Gerade durch seine Vollendung 1880 wurde er zu einem nationalen Symbol.

  Doch zurück zur turmlosen Zeit und der Ausstellung. Von den ersten Planungen hat ein Grundriss des Südturms die Zeiten überlebt, das Pergament stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Sieben Meter lang sind die Entwürfe, mit denen Sulpiz Boisseree um 1800 die Vollendung vorantrieb, zu sehen sind auch Zeichnungen des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel und des Dombaumeisters Ernst F. Zwirner, der darin den fertigen Bau vorwegnahm. Und wohl auch die Künstler inspirierte, die schon 1842 wussten, wie der fertige Dom aussehen wird.

Aus der Zeit dazwischen viele Grafiken, die zeigen, wie der Dom zunächst vor allem als Pilgerort zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige wahrgenommen wurde, später dann als architektonischer Solitär. Innenansichten sind dabei eine rare Ausnahme. Von den prominenten Künstlern der ausgestellten Zeit fehlt lediglich der Prager Vaclav Holar, wie Michael Euler-Schmidt vom Stadtmuseum bedauert. Faszinierend der freie Domhof zu Napoleons Zeiten, "möbliert" lediglich mit einem transportablen Pranger und – ganz modern – einer großen Laterne. Ungewohnte Sicht brachte den Zeitgenossen die "Freilegung" der Ostseite des Doms, wofür 1817 sogar die Stiftskirche St. Maria ad Gradus abgerissen wurde. So entstand der freie Blick herauf vom Rhein, wie wir ihn heute kennen.

Der Dom als Stickbild

Voller Freude über die Fülle dieser Ausstellung, mit der selbst der Dom nicht konkurrieren kann, stellte Dombaumeisterin Schock-Werner exquisite Objekte als Leihgabe zur Verfügung. So durften erstmals eine Madonnen- und eine Petrus-Statue die Hubertuskapelle verlassen. Seltene Kostbarkeiten sind auch die Gitter, die einst um den Königen-Schrein standen. Eher kurios sind die Stickbilder, die nach dem populären Gemälde "Die Kirchgängerin" (1834) von Louis A. Blanc entstanden: Es zeigt eine lesende Frau vor dem unfertigen Dom. Entzückend dagegen die zierliche Pfeife, die Tasse und Vase mit Dom-Motiven aus dem Biedermeier.

Zur Ausstellung hat der Greven-Verlag einen sorgfältig edierten Katalog herausgegeben. Broschiert kostet er im Museum 28 Euro, im Buchhandel gibt es ihn in Leinen gebunden für 39,90 Euro. Schließlich wurde noch eine Sonderausgabe mit Leinenkassette und Nachdruck einer mittelalterlichen Grafik in einer Auflage von 20 Exemplaren zum angemessenen Preis von 250 Euro veröffentlicht.

"Der kolossale Geselle – Ansichten des Kölner Doms vor 1842" – bis 5.3.2011, Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3, 50667 Köln, Di 10-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr. Eintritt 3,50/1,50 Euro. Das umfangreiche Begleitprogramm unter www. museenkoeln.de







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