25. 05. 2012
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Bilder von Kriegshelden und fraulichen Beschäftigungen
(js) Chinesische Literatenmaler – toll und wertvoll! Aber ihre vulgären, professionellen Zeitgenossen, die fast ausschließlich nach Auftrag arbeiteten – die waren in der Fachwelt lange nicht besonders geschätzt. Auch die Besitze solcher Arbeiten schienen sich ihrer bisweilen zu schämen und fälschten das Herstellungsdatum, um wenigstens durch ein höheres Alter den Wert etwas zu steigern. Erst seit sich China seiner Traditionen besinnt, erfreuen sich die Arbeiten der Profis größerer Anerkennung. Und das Kölner Museum für Ostasiatische Kunst kann stolz seine Sammlung mit rund 40 solcher Rollenbilder präsentieren. "Der perfekte Pinsel – Chinesische Malerei 1300-1900" heißt die Ausstellung, die am Freitag eröffnet und ab Samstag für alle zugänglich ist.
Was für einen bislang unentdeckten Schatz das Museum beherbergt, brachten erst eine zweijährige Forschungsarbeit und aufwändige Restaurierungsarbeiten ans Tageslicht. Die jetzt zum Teil erstmals ausgestellten Arbeiten – der Grundstock der Sammlung wurde vom Museumsgründer-Ehepaar Frieda und Adolf Fischer vor über 100 Jahren gelegt – befanden sich in einem teilweise bedenklichen Zustand. Die Bilder sind alle auf Seide gemalt, ein Stoff, der besonders bei Rollenbildern leicht brüchig wird. Außerdem dunkelt er mit der Zeit stark, zudem nimmt er nicht so leicht Farbe auf, wie es Papier tut. Dies ermöglicht zwar feinere Zeichentechnik, doch erfordert es höchstes handwerkliches Können, denn die Farbe bröckelt auch leichter ab. Nach bürokratisch recht komplizierten Bedingungen konnten die Werke dann von Experten im Museum von Shanghai restauriert werden. Die erforderlichen 180.000 Euro teilten sich Stadt, Land und der Freundeskreis des Kölner Museums. Der ursprünglich hellere Grundton Farbton konnte zwar nicht überall wiederhergestellt werden, doch wo dies gelang, strahlt die alte Farbenpracht. Dies gilt besonders für ein Vogelbild und eines mit Lotusblüten aus dem 13. Jahrhundert.
Höheren Rang in der Kunstwelt genossen bislang die Literatenmaler. Diese waren in der Regel gebildete Beamte, die als Amateure konfuzianische Tugenden malten und ihre Bilder oft mit kunstvollen Kalligraphien schmückten. Zwar bezogen sich auch die Berufsmaler auf die Ideale von Eintracht und Gehorsam, doch war ihr Sujet durchaus weltlich. Sie malten Ahnenbilder, denen eine große Ähnlichkeit mit den dargestellten Verstorbenen zugerechnet wird. Sie porträtierten gelehrte, Gruppen und besonders gerne Kriegshelden – das Kölner Exemplar eines Generals entstand um 1776 offensichtlich mit Hilfe von Jesuiten. Sie fertigten bis zu fünf Meter hohe Landschaftsbilder voller kleiner narrativer Detail wie das eines "Klammweges", das wohl für einen reichen Salzhändler bestimmt war. Der hing es nur zu bestimmten Gelegenheiten zu Repräsentationszwecken auf.
Solche Aufträge für große Formate waren wohl nicht selten, es sind Klagen über das schwere Arbeiten auf einem Gerüst bekannt, womit die Künstler mehr Geld forderten. Sonst ist über die Arbeitsbedingungen relativ wenig bekannt. Es gab wohl – wie im Europa des Mittelalters – Werkstätten, bei denen die Meister die wichtigsten Partien malten, oft von ihren Frauen unterstützt. Auch einige Lehr- und Musterbücher sind bekannt, aus denen Motive variiert wurden. Bis zur Eroberung Chinas durch die Mongolen gab es eine kaiserliche Kunstakademie für die Ausbildung. Später wurde das Können – der Ausstellungstitel "Der perfekte Pinsel" weist darauf hin – in den Werkstätten tradiert.
Neben den Porträts war Architektur, etwa prachtvolle Paläste in harmonischen Landschaften, ein Thema. Es entstanden stimmungsvolle Bilder, oft in geheimnisvolles Licht getaucht. In eher kleinen Formaten widmeten sich die Künstler Theaterstücken oder den häuslichen Beschäftigungen der Frauen. Diese Serien konnten gebildeten Frauen auch als Vorlage über die aktuelle Mode dienen. Solche Bilder sind sehr selten und seit Neuestem auf dem Kunstmarkt sehr begehrt.
"Der perfekte Pinsel – Chinesische Malerei 1300-1900" - bis 20.2.2011, Museum für Ostasiatische Kunst, Aachener Straße, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt: 7,00/3,70 Euro, Katalog, 25,90 Euro

























