25. 05. 2012
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Blick in eine lange verschlossene Welt
(js) In ihrer Heimat Bhutan werden die wertvollen Kloster- und Tempelschätze der Öffentlichkeit nur bei ganz besonderen Zeremonien gezeigt. Dass sie nun bei ihrer Welttournee, die jetzt in Köln Station macht, jeder ansehen darf, ist für Penden Wangchuk vom dortigen Kulturministerium eine Selbstverständlichkeit: "Unsere Schätze gehören der ganzen Welt." So selbstverständlich wäre das vor einigen Jahren sicher nicht gewesen, denn der kleine Staat im Himalaya öffnet sich erst seit kurzem der Außenwelt. Damit aber die kostbaren Objekte – alle noch in Gebrauch – während der Reise nichts von ihrem religiösen Nimbus verlieren, werden sie laufend von Mönchen betreut und zweimal täglich vom bösen Karma gereinigt, dass die Besucher möglicherweise ausstrahlen. Dem Gottesdienst dient auch ein Mandala, dass buchstäblich Korn für Korn aus gefärbtem Sand gestreut wird.
Zu sehen sind großformatige Rollbilder (Thangkas) auf kostbaren Stoffen wie Brokat oder Seide, sie zeigen Religionslehrer und Mönche oder Mandalas, die Wegweiser zu Weisheit und Erkenntnis. Ebenso gibt es Ritualobjekte wie Dolche zur Bannung negativer Kräfte, Handtrommeln oder mit Türkisen und Korallen geschmückte Langtrompeten zu bestaunen. Schließlich filigran gestaltete Skulpturen, meist edel vergoldet, von Göttern, Göttinnen und natürlich der meditierende Buddha. Im Mittelpunkt steht dabei Guru Rinpoche, der um 800 den Buddhismus nach Bhutan gebracht haben soll. Insgesamt 117 Objekte aus 35 Klöstern umfasst die Ausstellung. Das älteste entstand etwa im 7. Jahrhundert und zeigt eine Göttin aus vorbuddhistischer Zeit, die später dazu verpflichtet wurde, die buddhistische Lehre zu schützen. Die jüngsten Stücke stammen aus dem 20. Jahrhundert.
Bevor sie außer Landes gingen, wurden sie in mehrjähriger Arbeit restauriert, und zwar von Experten der Universität von Honolulu, wo eine große buddhistische Gemeinde lebt. Diese bildeten und bilden dabei noch bhutanische Mönche in moderner Restaurierungstechnik aus. Außerdem drehten sie Filme von zeremoniellen Tänzen, die so zum ersten Mal dokumentiert werden und ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Gleichsam als "Gegengabe" kam so die Ausstellung zustande, die nach Stationen in den USA und Paris noch in Zürich und zum Schluss in Bhutan gezeigt wird.
Der westliche Besucher taucht in eine geheimnisvolle, ihm unbekannte Welt ein. Auch wenn er wenig Ahnung von den religiösen Inhalten haben dürfte, so werden ihn die filigranen Arbeiten, die kostbaren Materialien und die handwerkliche Meisterschaft, bei der Individualität zugunsten des ikonografischen Kanons zurücktritt, in ihren Bann ziehen. Bei der Präsentation wird in Köln auf eine "authentische" Umgebung Wert gelegt. So sind die Wände mit rostbrauner Farbe aus Eisenoxid gestrichen, wie sie auch in Bhutan üblich ist. Vielleicht strahlt dabei auch etwas von dem Staatsverständnis auf ihn ab, das als einziges weltweit das "Bruttosozialglück" in den Verfassungsrang erhoben hat.
"Bhutan – Heilige Kunst aus dem Himalaya" – bis 24.5., Museum für Ostasiatische Kunst, Universitätsstr. 100 Köln , Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Do im Monat 11-22 Uhr, Eintritt 6,50/3,50 Euro, Katalog 16 Euro.

























