25. 05. 2012
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Bücher zum Lesen, Gucken und Fühlen
(js) Es gibt es noch, das schöne Buch. Kein schnell und billig hergestellter, oberflächlicher Bestseller, sondern in kleiner Auflage in sorgfältiger Handarbeit und enger Zusammenarbeit zwischen Autor, Künstler und Handwerker hergestellt. Wobei zwei dieser Funktionen oder oft gar alle drei in einer Person vereint sind. Etwa in John Gerard, der 56-Jährige ist der derzeit wohl beste und experimentierfreudigste Papiermacher und Handschöpfer mit Atelier in Rheinbach. In der "Galerie der editionale" stellte er jetzt neue Arbeiten vor.
Es sind Bücher, die den Sinnen schmeicheln, dem intellektuellen, dem optischen und dem Taktiken. Beispiel: "Last Judgements", eine Art Lebensbeichte über Todsünden und Tugenden, kurz über Familienkriege, von Fritz Best, Professor an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Ein einfallsreiche Mischung aus Text, Radierungen, Holzschnitten und "Zeichnungen" in der Art von Wasserzeichen. Dafür entwickelte Gerard ein Spezialpapier aus "taugeröstetem Hechelflachs", wie er dem staunenden Publikum bei der Vorstellung erzählte.
Oder "House auf Cards", eine alleinige Produktion von Gerard. Das Leporello in Form eines Hauses ist ein Denkmal für das eingestürzte Kölner Stadtarchiv. Bedruckt ist es mit Auszügen aus der lazteinischen Bibel – allerdings fehlt der Buchstabe "K". K wie Köln und die beiden Toten, die die Katastrophe forderte, Kelvin hießen sie und Khalil. Das "K" taucht dann aber als Verbindungsstück zwischen den Leporelloseiten auf, die nicht zusammengeklebt, sondern nur zusammengehakt sind.
Billig kann das nicht sein, ihren Preis sind die Arbeiten aber allemal wert. Das "House auf Cards" etwa kostet – ebenso wie "Last Judgments" – 450 Euro bei einer Auflage von 20 Exemplaren. Das respektvolle Gedenkleporello für die in Brauweiler von den Nazis ermordete ukrainische Zwangsarbeiterin Nina Sabina erfordert 300 Euro. Für eine Koproduktion mit dem Bergisch-Gladbacher Papier-"Bildhauer" Wolfgang Heuwinkel - auch hier "erfand" Gerard neue Papiersorten – braucht es gar 1200 Euro. Aber kleine Heftchen mit Texten von Moorige, Goethe, Rilke, Hesse oder EIchendorff sind auch schon für 25 Euro zu haben.
Galerie der Editionale, Siebachstraße 40, 50733 Köln-Nippes, Di, Mi, Do 17-19 Uhr, Sa 12-16 Uhr, jeden 1. Mittwoch im Monat 14-19 Uhr, Tel. 0173 / 272 15 80

























