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25. 05. 2012
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Das Gesicht des Gettos


12.07.2011 21:07 von:

Schlagwörter: Köln,NS-Dokumentationszentrum,Getto,Litzmannstadt,Juden,Deportation,Lodz,Nazi,Le

(ehu) Auch für 2000 Kölner Juden war das Getto Litzmannstadt eine Station auf dem Weg in den Tod. Entweder starben sie nach ihrer Deportation schon hier, oder sie wurden im nahen Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Wie die Menschen dort lebten, ist auf 12.000 Kontaktabzügen festgehalten. Sie entstanden teils offiziell, teils heimlich. Ein dokumentarischer Schatz, der erst in den letzten Jahren öffentlich gemacht wurde. Eine kleine Auswahl zeigt jetzt – mit erklärenden Schrifttafeln – das NS-Dokumentationszentrum.

Das Getto in Litzmannstadt war nach Warschau das zweitgrößte, das die Nazi 1940 im besetzten Polen einrichteten. Die Stadt hieß zuvor und heißt heute wieder Lodz (genau die Stadt, die 1974 Vicky Leandros mit ihrem Hit "Theo, wir fahr‘n nach Lodz" besang), sie wurde nach dem preußischen General Karl Litzmann aus dem Ersten Weltkrieg, damals Sieger gegen die Russen in einer Schlacht nahe Lodz, und frühen NSDAP-Mitglied umbenannt. Von den 672.000 Einwohnern waren 230.000 Juden. 160.000 von ihnen wurden auf einem Gebiet von knapp vier Kilometern zusammengepfercht. Später kamen noch 20.000 "Westjuden" aus dem Reich und 5000 Roma und Sinti aus dem österreichischen Burgenland dazu.

Neckermann und Felina ließen im Getto Bekleidung für Sortiment nähen

Das Getto war mit Mauern und Zäunen umgeben, zwei Straßen zerteilten es. Sie mussten mit Brücken überquert werden. Fotos davon prägten lange das Bild dieses Gefängnisses. Die jetzt gezeigten Fotos zeigen ein anderes Bild, sie zeigen die Menschen und den Alltag. Zum Teil entstanden sie im Auftrag der jüdischen "Selbstverwaltung", zum Teil heimlich. Bekannt sind vor allem die Namen von zwei Fotografen: Mendel Grosman (er wurde 1945 ermordet) und Henryk Ross, der 1991 in Israel starb.

Die offiziellen Fotos sollten den Nazis beweisen, dass das Getto lebensfähig war, das heißt arbeitsfähig. Arbeitsfähig für die Wehrmacht, für die in den Getto-Werkstätten Rangabzeichen gestickt wurden. Oder für Firmen wie Neckermann oder Felina aus Mannheim, die dort Bekleidung nähen ließen. Nur wer arbeitete, erhielt die tägliche Essenration von 600 Kalorien.

Obwohl den Kindern der Tod drohte, wurden sie liebevoll umhegt

Fotos zeigen die Arbeit in diesen Werkstätten, in denen auch Kinder arbeiteten – und Blechspielzeug für arische Kinder produzierten. Doch das Getto war auch eine sehr soziale Gesellschaft. Liebevoll wurden die zahlreichen Waisen gepflegt, Schulen wurden eingerichtet. 1942 wurden 16.000 Kinder, Alte und Kranke – weil "arbeitsunfähig" – nach Kulmhof gebracht. Erschütternd sind die Fotos aus dem Waisenhaus oder von spielenden Kindern. Es gab Hochzeiten, Beerdigungen, eine Feuerwehr – auch mit Kindern.

Das alles hielten die Fotografen fest. Auch die schlussendlichen Deportationen nach Kulmhof, als das Getto 1944 aufgelöst wurde. Bekannt aus Gettos sind Propagandafotos, von Nazis gemacht, von Soldaten, die hier ihr antisemitisches Denken befriedigen konnten. Im EL-DE-Haus werden Fotos gezeigt, die von den Opfern gemacht wurden. Sie zeigen Menschen voller Todesangst und gleichzeitigem Überlebenswillen. Sie zeigen Menschen, Individuen und keine Fratzen, sondern lächelnde, manchmal sogar stolze Gesichter, die in eine vertraute Kamera gucken.

Ein Foto verhalf einem Überlebenden zur Getto-Rente – nach seinem Tod

Von den wenigsten weiß man, wer darauf abgebildet ist. Ein Foto aber hat eine Geschichte: In einem der Kinder, die Blechspielzeug fertigen, erkannte sich nach dem Krieg Mietek Glazer wieder. Er klagte auf eine "Getto-Rente" für die vier Jahre Zwangsarbeit. 1988 starb er, erst 2010 wurde seiner Witwe die Rente zugesprochen.

Mit dieser Ausstellung, in Berlin von der Stiftung "Topografie des Terrors" zusammengestellt, erinnert das Dokumentationszentrum an die Deportationen, die vor 70 Jahren begonnen haben. Zur Deportation der Kölner Juden im Oktober 1941 wird es noch eine eigene Ausstellung geben.

"Das Gesicht des Gettos – Bilder jüdischer Photographen aus dem Getto Litzmannstadt 1940-1944" – bis 4.9., NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, Tel. 02 21 / 22 12-63 32, E-Mail: nsdok@stadt-koeln.de, Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 10- 16 Uhr, Do 10-18 Uhr, Sa, So 11-16 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr. Eintritt: 4,20/1,80 Euro.







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