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25. 05. 2012
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Das wilde Leben der Künstler


24.09.2010 06:35 von:

Schlagwörter: Köln,Museum Ludwig,Boheme,Künstler,Inszenierung,Maler,Foto,Picasso,Cocteau,Modig

(js) So waren sie, die Künstler. Sie soffen und hurten herum. Sie waren arm und lebten gegen alle bürgerlichen Konventionen. Und wenn sie zwischen den Orgien und Festen Zeit fanden, schufen sie geniale Kunst – Bilder, Skulpturen, Opern, Gedichte und Romane. Das ist das Bild, das die Welt bis heute vom wilden Künstlerleben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat. Die Ausstellung "La Bohème" im Museum Ludwig zeigt, wie dieses Klischee entstand in einer Zeit, als die Künstler die junge Fotografie als Mittel zur (Selbst-)Inszenierung entdeckten. Rund 400 Fotos – vor allem aus eigenen Beständen, aber auch viele Leihgaben – geben einen Einblick, der oft genug Schmunzeln lässt.

Der Bogen der Kölner Ausstellung spannt sich von frühen Daguerreotypien bis zu den legendären Künstlerfesten in Köln, München und im legendären Düsseldorfer "Malkasten" der 1920er Jahre. Drogenkonsum im Freundeskreis von Ernst Ludwig Kirchner eingeschlossen. Wir sehen den Künstler in der großen klassischen Denkerpose, den gedankenschweren Kopf auf die Hand gestützt. Wir sehen ihn als inszenierten Außenseiter, der sich allein schon durch seine extravagante Garderobe von der übrigen Gesellschaft absondert.

Die Freundschaft untereinander wird gefeiert – immerhin waren in dieser Zeit gemeinsame Künstlergruppen von Malern, Dichtern, Schauspielern und Musiker an der Tagesordnung. Durchaus mit einem Hang zur Selbstironie zeigt man sich mit dem Kater am Tag danach. Wir erhalten Einblick in die Malerateliers inklusive der nackten Modelle. Mit viel Einsatz verkleidete man sich für die Maskenfeste, da hatte dann auch der phantasievoll maskierte unbekannte Künstler die Chance, zum Fotomodell zu werden. Sogar die strengen Bauhaus-Vertreter schlugen bisweilen über die Stränge. Und Jean Cocteau steuert inszenierte Schnappschüsse der Dandys Picasso und Modigliani bei.

Populär als Bezeichnung einer Kulturepoche wurde die "Bohème" durch das Theaterstück "Scènes de la vie de Bohème" und die 1851, nur wenig später erschienene gleichnamige Erzählung von Henri Burger. Vollends durchgesetzt hatte er sich mit der gleichnamigen Puccini-Oper, die 1896 Premiere hatte. Spätestens seitdem steht "Bohème" als Symbol für den freien Künstler, der nach der französischen Revolution keinem höfischen Auftraggeber mehr folgen musste, sondern allein seinen Ideen lebte (und stattdessen vom Markt und Publikumsgeschmack abhängig ist). Er führte ein romantisch verklärtes "Zigeuner"-Leben, denn vom französischen Wort für Zigeuner, die angeblich aus Böhmen eingewandert waren, leitet sich Bohème ab.

Die Kölner Ausstellung endet mit den 30er Jahren, weil – so Kurator Bodo von Dewitz – mit Kriegsende der Bruch kam. Nicht mehr Künstlergruppen, sondern das Individuum stand fortan im Mittelpunkt. Interessant wäre eine Ausstellung dazu, welche Spätfolgen der "Bohème" heute noch zu beobachten wären – im Bild des Künstlers, das sich sein Publikum von ihm macht, und in Selbstverständnis und Selbstinszenierung des "Kulturschaffenden".

"La Bohème – die Inszenierung des Künstlers in Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts" – bis 9.1.2010, Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 61 65, Di-So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt: 10/7 Euro. Katalog: 49 Euro.







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