25. 05. 2012
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Der Esstisch - das Zentrum der Familie
(ehu) Eigentlich wollten die Südafrikaner Stan Engelbrecht und Tatjana Buisson nur wissen, was typisch deutsch ist. Sie klingelten an deutschen Reihenhäusern. 50 Familien und ließen die Beiden hinein. Daraus entstand ein Buch mit seinen Fotos und ihren Texten. Und daraus im Museum für Angewandte Kunst die Ausstellung "Reihenhausmannkost": Ein Überblick über die überraschend bunte Vielfalt von "typisch deutsch".
Was alle eint: Zentrum des Familienlebens ist der Esstisch. Er ist der Platz für Schulaufgaben, für Bürokram. Hier werden Tageszeitung und Post gelesen, hier wird gespielt, trifft man sich mit Freunden und Verwandten. Hier wird das Essen vorbereitet - und natürlich gegessen. Wobei sich - und das ist sicher nicht nur typisch deutsch - die komplette Familie meistens nur am Wochenende dort zusammenfindet. Dann aber wird richtig üppig gespeist.
Das Sofa ist für die Lösung von Familienkonflikten wenig geeignet
Und natürlich finden dort die wichtigen Familiengespräche statt. Der Frankfurter Soziologieprofessor Tilmann Allert konstatiert denn auch: "Das Gespräch am Esstisch ist die zivilisierende Kraft der modernen Gesellschaft". Zudem generationsübergreifend und darum wichtig zur Überlieferung von Werten. Auf dem Sofa dagegen können Konflikte nicht ausgetragen werden - schon deshalb nicht, weil man sich nicht gegenüber sitzt.
Die Kölner Familie Wieser ist eine von denen, die Engelbrecht und Buisson in ihr Haus ließen. Sie hatte dann auch nichts dagegen, dass eine Woche lang eine Kamera über ihrem Esstisch hing, die alles, was sich dort abspielte, im Zeitraffer festhielt. Außer Sohn Dennis. Doch die Androhung, dass er dann eben auch nichts mehr zu essen bekäme, brachte den 17-Jährigen zurück. Die zivilisierende Kraft des Esstisches. Die zeigt sich nicht nur in den "Stammsitzen" für jedes Familienmitglied.
Im Zeitraffer miterleben, was sich in einer Woche am zentralen Esstisch abspielt
Der Film vom Tisch der Wiesers ist jetzt mit sechs anderen im Museum zu sehen. Über Kopfhörer erfährt der Besucher mehr von der fünfköpfigen Familie, deren Tochter Ronja (12) das Plakat zur Ausstellung ziert. In Vitrinen sind die Objekte zu sehen, die für die einzelnen Familien besonders wichtig für ihren Tisch sind.
Da ist der Serviettenhalter, den die Kinder der Mutter zum Geburtstag geschenkt haben. Zwei Steine - Erinnerung an einen Urlaub in Dänemark, der Kerzenhalter, ein Geschenk der Schwiegermutter. Das Memoryspiel, spontan statt Süßigkeiten für den Sohn gekauft. Fotos von den Kindern. Auf einem Tisch gehört ein Keramik-Totenkof zur festen Dekoration. Bei den Wiesers ist es eine Tücherbox für "Schmierhannes" Luis. Aber als Vierjähriger hat man ja noch Zeit, zivilisiert zu werden.
Die Tische sind bunt gedeckt, spiegeln die Herkunft ihrer Besitzer wieder. Wie auch die Rezepte der jeweiligen Lieblingsgerichte, die im Buch abgedruckt sind. Sie sind in der Regel einfach und bodenständig. Und beim Essen sind die "Deutschen" überraschend international. Typisch deutsch eben.
"Reihenhausmannkost - der Esstisch und das Familienleben" - bis 11.12., Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr, Kombiticket mit Dauerausstellung: 7,50/4,50 Euro. Buch: 39,90 Euro

























