25. 05. 2012
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Der Mann, der Che Guevara "machte"
(js) Die qualmende Zigarre im rechten Mundwinkel, den Kopf arrogant nach oben gerichtet, die Augen blicken spöttisch: Dieses Foto prägte das internationale Bild von Che Guevara. Auf den Auslöser drückte 1963 der Schweizer René Burri. Zwei Stunden hatte er Zeit, den kubanischen Revolutionär – damals Wirtschaftsminister und Chef der Nationalbank – zu porträtieren, fast 300 Aufnahmen entstanden. Dieses wählte jedoch wählte Burri aus, es schien ihm das zu Guevaras schillerndem Charakter passendste zu sein. Und es ist sicher eine seine berühmtesten Arbeiten. Folgerichtig ist es auch im Kölner Museum für Angewandte Kunst zu sehen. In der Ausstellung ist aber nicht nur der bekannte Fotoreporter, sondern vor allem der eigenwillige Künstler zu entdecken.
Die atemberaubende Ausstellung "René Burri – Das Werk" macht mit rund 250 Werken nach einer Welttournee als erste Retrospektive des Fotografen in Deutschland Station. Das ist mehr bemerkenswert, denn Deutschland war schon früh ein zentrales Thema Burris, der 1933 in Zürich geboren wurde. In den frühen 1950er Jahren reiste er durch die Bundesrepublik und die DDR, seine Fotos erschienen 1962 mit dem Titel "Die Deutschen" als Buch. Es sind eindringliche Schwarzweiß-Aufnahmen, die vom Glück der kleinen Leute erzählen, von Zerstörung und Wiederaufbau. Oder von den beklemmenden Nachwirkungen der Vergangenheit, etwa auf dem Foto eines Offiziers der jungen Bundeswehr, der in seinem Ledermantel an einen Gestapo-Mann erinnert.
Sein Geld verdiente Burri als Fotoreporter. Von der Agentur "magnum" wurde ab er 1956 in die Krisengebiete der Zeit geschickt, an den Suezkanal, nach Vietnam, nach Pakistan, zum Tian‘anmen-Platz in Peking. Er setzte nicht auf Schock-Fotos, sondern auf subtile Aufklärung, zeigte eher die Zerstörung als Folge eines Krieges als Schlachtszenen. Oder er setzte mit makabrem Blick Panzer wie ein Ballett in Szene. Aber auch den Alltag fotografierte er, etwa Tunfisch-Fischer in Italien, Skoda-Arbeiter in der Tschechoslowakei, chinesische Reisbauern. Ihn interessieren Ort mit geschichte und Kultur, Gesellschaften, die zu Neuem aufbrechen – ohne dabei etwa in Kuba oder China in blinden Revolutionsglauben zu verfallen. Die großen Illustrierten der Welt gehörten zu seinen Abnehmern. Eine Vitrine mit Presseausweisen und Visas gibt einen Eindruck von Burris Reisen.
Neben seinen Auftragsarbeiten verfolgte er immer seine ganz persönliche Sicht auf die Dinge, "Autorenfotograf" würde man ihn heute nennen, reif fürs Museum ist seine Fotokunst schon lange. Gelernt hat er an der Kunstgewerbe-Schule in Zürich. Sein Lehrer war Hans Finsler, ein Anhänger der neuen Sachlichkeit, der Burri nachhaltig prägte. So zeichnen sich vor allem dessen "freie" Arbeiten durch ihre grafische Gestaltung aus, durch Kompositionen und das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten aus. Charakteristisch für Burris Arbeiten ist auch das Fotografieren in erzählenden Sequenzen, sicher auch ein Ergebnis von Burris früher Liebe zum Film (er drehte u.a. auch Werbe- und Dokumentarfilme). Aus Liebe zur Kunst und der daraus resultierenden Freundschaft mit vielen Künstlern entstanden auch zahlreiche Künstlerporträts, die er immer wieder auch bei der Arbeit zeigte. In Köln zu sehen sind Bilder von Picasso im charakteristischen quergestreiften T-Shirt, von Le Corbusier, Alberto Giacometti, Jean Tinguely und Yves Klein.
Mit dieser Ausstellung beginnt am Samstag die "Internationale Photoszene Köln". In diesem Rahmen geben bis zum 26. September über 70 Kölner Galerien, Kunstorte und Museen (mit unterschiedlichen Eröffnungsdaten) einen Überblick über aktuelle Trends in der Photographie und zeigen historische Schätze.
"René Burri – das Werk" – 4. bis 26.9., Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, Eintritt in die Sonderausstellung: 6,50/3,50 Euro.
"Internationale Photoszene Köln": www.photoszene.de

























