25. 05. 2012
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Der Mann, der die moderne Kunstgeschichte begründete
(ehu) Dass Michelangelo ein Genie war, ist unbestritten. Doch zu seinem Ruhm dürfte nicht unerheblich sein Kollege und zeitgenosse Giorgio Vasari beigetragen. Den kürte er schon zu dessen Lebzeiten zum „göttlichen Künstler“. 1550 erschienen, gelten Vasaris „Lebensgeschichten der besten Maler, Bildhauer und Architekten“ mit ihren Wertungen Anekdoten als Geburtsstunde der modernen Kunstgeschichte (und auch des Genie-Kults): Darin porträtiert er auf 1.300 Seiten 133 Künstler mit 2.100 Kunstwerken. Zu seinem 500. Geburtstag ehrt ihn das Wallraf-Richartz-Museum mit einer kleinen Kammerausstellung.
43 Exponate aus eigenen Beständen sowie einige Leihgaben zeigen „Italienische Meisterzeichnungen“ aus der Zeit der Renaissance. Leonardo da Vinci und Raffael sind die bekanntesten Namen, Michelangelo ist hier lediglich als Vorbild für einige wenige prominente Künstler dieser Epoche vertreten. Doch sind diese nicht schlechter, nur weil sie sich an dem großen Vorbild orientieren. Die Zeichnung stand im Mittelpunkt, wenn Vasaari seine Kollegen bewertete Vasari – dessen eigene künstlerische Arbeiten heute im Schatten seiner „Vite“ stehen – bewertete einen Künstler vor allem nach dessen Zeichenkunst, der Zeichnung, dem „Dissegno“. Das war für ihn mehr als der Vorgang, mit Tusche, Graphit, Rötel, Kreide oder Bleistift einen Strich aufs Papier zu bringen. Sie war zunächst Grundlage allen künstlerischen Schaffens, eine Fähigkeit, die gründlich anhand von Vorbildern zu üben war. Über ihre Qualität entschied dann die gesamte „einheitliche“ Komposition. Nicht zuletzt war die Zeichnung auch die Vorstufe für das anschließende Gemälde. Im Wagenbach-Verlag erscheinen Vasaris Künstlerporträts seit dem Jahr 2004 Die Ausstellung bietet Gelegenheit, die Ideen Vasaris zu verfolgen – ein kleiner Katalog hilft dabei. Hilfreich kann auch eine Lesung am Donnerstag (27. Oktober) sein: Der Kunsthistoriker und Verleger Klaus Wagenbach liest dann im Stifter-Saal des Museums aus den „Vite“ Vasaris. Sie erscheinen in deutscher Übersetzung seit 2004 im Wagenbach-Verlag, 2014 soll das auf 45 Bände angelegte Projekt vollendet sein.
„Vasari 500 – Italienische Meisterzeichnung von Leonardo, Raffael & Co.“ – bis 20.11., Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten, Di, Mi, Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr (an Feiertagen bis 18 Uhr), Sa und So 11 bis 18 Uhr. Eintritt 9,50/7,50 Euro, Katalog 10 Euro
„KunstBewusst: Giorgio Vasari: Die schönsten Geschichten der Renaissance“ – 26.7., 19 Uhr, Vortrag Vortrag und Lesung mit Klaus Wagenbach, Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten, Eintritt 2,50 Euro

























