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25. 05. 2012
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Der Tanz und die Schönheit des Körpers


01.10.2010 06:34 von:

Schlagwörter: Köln,Tanz,Tanzmuseum,Tanzarchiv,Duncan,Nijinsky,Rodin,Körper

(js) Als „vollkommene Verkörperung des Schönheitsideals der alten Griechen“ begeistert sich der Bildhauer Auguste Rodin am Balletttänzer Vaslav Nijinsky. Er war begeistert von dessen „physischer Vollkommenheit“ und seiner zierlichen Muskulosität. Um den Blick auf den Körper des Tänzers seit dem Mittelalter und vom klassischen Ballett bis zur Tanzavantgarde der Moderne geht es in der neuen Ausstellung im Tanzmuseum der Stadtsparkassen-Stiftung Kultur. Mit einer originellen Architektur in Form von „Trichtern“ wird der Blick des Betrachters zunächst auf die zentralen Ausstellungsstücke der vier zentralen Themengebiete gelenkt. Um diese gruppieren sich die übrigen Exponate aus dem Archivbestand, ergänzt durch literarische Texte, etwa Märchen.

Rodins Begeisterung für den Tänzer wird durch Schwarzweiß-Fotos unterstützt. Sie zeigen nackte Körper, bei denen durch ein gekonntes Licht-Schatten-Spiel die Muskeln herausmodelliert werden. Die glatte Ästhetik steht im Mittelpunkt. Als Gegensatz dazu Fotos eines modernen Tanztheaters: Die Erschöpfung der Protagonisten ist zu sehen, man scheint den Schweiß zu riechen, ihre Kleidung erinnert eher an Arbeiter denn an leichtfüßige Ballerinen. Die sieht man dann in der zweiten Abteilung „Schönheit und Ideal“. Hier sind quasi die Folgen der Rodinschen Begeisterung zu sehen, wonach jeder Mensch diesem Schönheitsideal nacheifern muss. Zu sehen sind nicht nur „klassische“ Skulpturen zu sehen, sondern auch Anleitungen zur täglichen Morgengymnastik aus dem Radio und Bücher zur Lebenshilfe . Mag der Titel „Die Schönheit deines Körpers“ noch harmlos sein, so deutet ein Bändlein zur Säuglingsgymnastik aus den 1920er Jahren auf die Schattenseiten des Leitbilds vom „gesunden Körper“ – seine Rolle in die Eugenik.

Doch nicht immer begeisterte der Tanz: Im 16. Jahrhundert wetterte die Kirche gegen den „Tanzteuffel“, ratlos stand man dem „Veitstanz“ gegenüber, wie damals die Huntington-Krankheit genannt wurde. Für viele befremdlich heute sind auch Raver-Partys oder – stellvertretend für viele andere – Videos wie zum Queen-Hit „I want to be free“, in dem Freddie Mercury in einem Nijinsky-Kostüm auftritt. „Der fremde Körper“ lautet der Titel dieses Bereichs. Doch nichts bleibt, wie es ist, auch der Tanz ist vergänglich, wie schließlich bei „Verlust und Echo“ zu sehen ist. Der Blick durch den Trichter geht hier ins Nichts – und symbolisiert so die freie Phantasie über den menschlichen Körper. Die Fotos zeigen die Vergänglichkeit der körperlichen Schönheit oder, wie sich die Bewegungen des Tanzes in Wirbel und Unschärfe auflösen. Zentral ein weißes Bühnenkostüm von Isadora Duncan, jener Tänzerin, die 1927 sterben musste, weil sich ihr Schal in den Speichen ihres Autos verfing.

Im letzten, ganz in Weiß gehaltenen Raum schließlich wird ein selbstkritischer Blick auf die Szene geworfen, die den Körper als Maschine betrachtet, die dem menschlichen Willen unterworfen zu funktionieren hat. Wie Roboter tanzen Dutzende gleichgeschalteter Gliederpuppen durch den Raum, an den Wänden hängen die klassischen Ballettposen, durch die sich jeder täglich beim Üben quälen muss. Aus zwei Ballettschuhen tropft rote Farbe: Symbol für das Blut des Fleisches, mit dem die Tänzerinnen die Schuhspitzen auspolsterten, um sich die Qualen zu erleichtern – oder gar deren eigenes Blut?

„Körperlichkeit im Tanz“ – bis 21.8.2011, Deutsches Tanzarchiv, Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel: 226 57 57, täglich außer Mittwoch 14-19 Uhr, Eintritt 4,50/2 Euro







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