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25. 05. 2012
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Der Traum von Exotik und Ferne


11.06.2010 21:22 von:

Schlagwörter: Köln,Museum Ludwig,Foto,Japan,China,Lebeck,Samurai,Geisha,Menke

(js) Samurai mit gezückten Schwertern, Bogenkämpfer, feine Damen, die sich in einer Sänfte tragen lassen, Offiziere, die sich auf Selbsttötung durch Harakiri vorbereiten, Geishas, die auf ihren Einsatz warten: So stellten sich die Europäer in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts den japanischen Alltag vor. Und japanische Fotografen waren nur allzu bereit, diese Bilder von Exotik zu erfüllen. Das Museum Ludwig zeigt jetzt 100 historische Aufnahmen aus Japan und China, die nicht nur ein schillerndes Bild der damaligen Zeit liefern, sondern auch von Fremdwahrnehmung und Selbstdarstellung.

Die reichen europäischen Touristen, die es damals schon gab, erfüllten sich mit dem Kauf solcher Fotos das Bild, das sie sich von Japan gemacht haben. Romantisch, verklärt, traditionell – so mussten die Fotos sein. Das Teehausmädchen, die Kurtisane, die Frau mit Sonnenschirm, die Frau mit Kind im Tragetuch, der Metzger, die Sumo-Ringer, der Besenverkäufer – in den Fotoateliers konnten sie aus hunderten von Motiven auswählen, sich damit ihre ganz individuellen Alben zur Erinnerung an teure Reisen zusammenstellen. Kostbare Lackkästen mit feinen Perlmuttschnitzereien zu deren Aufbewahrung gab es gleich dazu. Doch die japanische Realität sah schon lange anders aus. Nach der gewaltsamen Öffnung für westliche Kaufleute war das Inselreich auf dem Weg zur Industrialisierung – und das in einem atemberaubenden Tempo.

So fand auch die Fotografie eine schnelle Verbreitung, angeleitet von den europäischen Pionieren Felice Beato und John Thomson (er arbeitete in China), machten sich bald auch einheimische Fotografen wie Hikoma Ueno oder Kimbei Kusakabe einen Namen. Die Künstler, die bis dahin von traditionellen Holzschnitten lebten, verdienten jetzt ihr Geld mit dem sorgfältigen Kolorieren der Fotos. So dürfte das Bild eines unbekannten Fotografen, entstanden um 1880, das einzige dieser Ausstellung sein, das das "wahre" japanische Realität dieser Zeit darstellt: Es zeigt ein junges Paar in westlicher Kleidung.

Die Fotos, aus konservatorischen Gründen im Dämmerlicht gezeigt, stammen aus der Sammlung des "Stern"-Fotografen Robert Lebeck. Das Museum hatte sie 1994 gekauft, gemessen an heutigen Preisen noch für "Peanuts", so Bodo von Dewitz, Leiter der Fotografischen Sammlung des Museums. Zu den rund 11.000 Objekten gehört auch das – ebenfalls in dieser Ausstellung gezeigte – Reisealbum aus den 1860er Jahren des erfolgreichen Bremer Kaufmanns Julius Menke. In diesem Bilderatlas, gut DIN A 2 groß, sammelte er Fotos, die teilweise wohl auch in seinem Auftrag entstanden, zu seinen Erlebnissen und Erfahrungen in China, vor allem Porträts von Geschäftspartnern.

"Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China – Meisterwerke aus der Fotografischen Sammlung" – bis 9.1.2011, Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 9/6 Euro







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