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25. 05. 2012
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Die Schönheit alter Industriearchitektur


25.03.2010 17:40 von:

Schlagwörter: Köln,Becher,SK Kultur,Industriearchitektur,Zeche Hannover,Foto,Malakow,Fördertur

(js) Schier endlose Fotoserien von Förder- und Wassertürmen, von Gasometern und Fachwerkhäusern zur "Typologie" dieser Bauwerke sind ihr Markenzeichen. Dass sich im Archiv der Dokumentarfotografen Bernd und Hilla Becher – er starb 2007 – trotzdem immer wieder Neues findet, zeigt die aktuelle Ausstellung "Zeche Hannover" im Mediapark. Rund 600 Aufnahmen machten die beiden in den frühen 70er Jahren von dem großen Montankomplex in Wattenscheid (heute ein Stadtteil von Bochum), 200 davon sind jetzt – in dieser Komplexität erstmalig – ausgestellt.

Die "Zeche Hannover" in Wattenscheid wurde um 1850 gegründet, 1973 wurde das Steinkohlenbergwerk stillgelegt. Sie zog sich mit zwei Schachtanlagen über mehrere Hektar. Die Abbrucharbeiten zogen sich bis 1980 hin, zu sehen sind die Sprengungen ausschnittsweise bei Youtube. Geblieben sind eine Maschinenhaus, ein Grubenlüftergebäude und ein im Malakow-Stil verkleideter Förderturm. Vorbild hierfür war die Architektur des russischen Forts Malakow, das im Krimkrieg 1855 von den Franzosen erobert wurde. Das wir heute wissen, wie die Zeche einmal aussah, ist den umfassenden Dokumentationen der Bechers zu verdanken. Mit ihrer Arbeit weckten sie auch die Sensibilität für die Schönheit dieser "anonymen Industrie-Skulpturen" und trugen so auch zum späteren Erhalt anderer so Bauten bei.

In Bildgruppen zusammengefasst, wird die Arbeitsweise der Fotografen deutlich. Mal nähern sie sich dem Objekt in unterschiedlicher Entfernung, mal umkreisen sie es und nehmen es aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf. Zu sehen sind Gleisanlagen, die drei Fördertürme, Maschinenhallen, Kraftwerk, Koksofenbatterien, Kühlhäuser, Gasbehälterkammer, Ammoniak-Produktionsanlagen, Kamine, Laufbänder und Rohrleitungen, die umliegenden Siedlungshäuser. Neben dem dokumentarischen Inhalt fasziniert die formale Ästhetik: hier die kantigen Hausklötze oder ein ungewöhnliches, kuppelförmiges Benzollager, dort das verwirrende Spiel der Rohre oder die filigranen Stahlgitter. Jede Gruppe hat ihren eigenen Rhythmus, kein Mensch stört, keine Wolken die schwarz-weißen Aufnahmen. Erst dieser sachliche Blick der Fotografen öffnet dem betrachter das Auge für die Schönheit und die Vielfalt der Industriearchitektur einer vergangenen Epoche.

Ein Konvolut von weiteren 100 Fotos zeigt ebenfalls eher Unbekanntes der beiden Bechers. Zum Beispiel den Förderturm der Zeche Iserlohn: Von ihm waren sie 1968 so begeistert, dass sie nicht nur Details der Gitterkonstruktion fotografierten, sondern auch – für sie sehr ungewöhnlich – den Blick von unten nach oben wagten. Möglich wurde diese vierte Becher-Schau durch die seit 1996 währende Zusammenarbeit der SK Stiftung Kultur mit dem Fotografenpaar.

"Zeche Hannover – Photographien aus dem Ruhrgebiet von Bernd und Hilla Becher" – bis 18.7., Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel. 0221 / 226 24 33, www.sk-kultur.de, Öffnungszeiten: täglich außer Mittwoch 14-19 Uhr, Eintritt: 4,50/2 Euro  







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