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25. 05. 2012
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Die Würde des Menschen ist antastbar


17.12.2011 13:20 von:

Schlagwörter: Köln,Museum Ludwig,Vor dem Gesetz,Kafka,Menschenwürde,Skulptur,Plastik,König,Hum

(ehu) Armselig ist der Mensch, verletzlich, und mit der merkwürdigen Gabe ausgestattet, seinen Artgenossen – und sich selber – immer wieder neue Wunden zuzufügen. Wie sich die Kunst diesem Thema stellt, zeigt auf eindrucksvolle Weise die Ausstellung „Vor dem Gesetz“ im Museum Ludwig am Beispiel von 28 Künstlerinnen und Künstlern. Sie ist eine Wanderung durch existenzielle Fragen, die sich um die Würde des Menschen und um menschenwürdiges Leben drehen.

Es ist die letzte „programmatische“ Ausstellung von Kasper König, der im nächsten Jahr aus seinem Amt als Direktor des Museums scheidet. Und eine mit hohem Anspruch, geht es doch um nichts Geringeres als die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens, um Menschenwürde und die Bedingungen, die sie erst möglich machen. Als Beispiele für die Stellungnahme der Künstler haben er und Kurator Thomas D. Trummer sich für überwiegend figurative Skulpturen und Rauminstallationen aus den letzten 60 Jahren entschieden.

Die Nachkriegskunst war noch vom Schrecken des gerade beendeten Weltkriegs geprägt

Dabei stellen sie Plastiken der Nachkriegszeit Arbeiten aus den jüngsten Jahrzehnten gegenüber – aber nicht in direkter Konfrontation. Vielmehr ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – jedem Objekt ein eigener Raum vorbehalten. Das erlaubt ein intensiven Betrachten. Die frühen Skulpturen – zeigen oft den verletzten, verstümmelten Menschen. Sie erinnern an die Schrecken des gerade überstandenen Krieges. Sie strahlen die Ratlosigkeit aus, wie es dazu kommen konnte, und gleichzeitig die Hoffnung, dass die Ideale des Humanismus noch verwirklicht werden können.

Überwiegend Skepsis dagegen prägt die jüngeren Arbeiten aus. Oft nehmen sie direkt Stellung zu aktuellen Ereignissen. In einem eindrucksvollen Zeichentrickfilm erzählt William Kentridge von der Flucht eines Mannes vor der Verfolgung im Apartheits-Südafrika. Monica Bonvicini nimmt das lächerliche männliche Überlegenheitsgefühl aufs Korn.

Wie die Reichen ihren Reichtum gegen die Armen verteidigen – und auf deren Kosten leben

Andreas Siekmann bezieht in einer aufwändigen, über zwei Säle verteilten Installation Stellung zum hochgerüsteten Abwehrkampf der reichen Welt gegen den Ansturm der Armen und politisch Verfolgten: sei es der Grenzzaun, den die USA gegen Mexiko errichtet haben oder die EU-Flotte im Mittelmeer gegen afrikanische Bootsflüchtlinge. Menschen, die gleichzeitig als billige Schwarzarbeiter gebraucht werden, um etwa in Spanien unter oft gesundheitsgefährdenden Bedingungen beim Anbau preiswerter Massentomaten zu helfen. Siekmann ergänzt die klassischen Staatsgewalten Legislative, Judikative und Exekutive durch die „Exklusive“.

Einen Blick zurück wirft Jimmie Durham mit „Building an Nation“: Selber Indianer, zeigt er worauf Selbstverständnis und Reichtum der heutigen USA beruhen: Auf dem Überlegenheitsgefühl der Weißen und der Beinah-Ausrottung der Indianer, deren Kultur sich bis heute nicht wieder entfalten konnte. Vor diesem Hintergrund bekommt der Begriff „Nation Building“, mit dem auf den Lippen etwa in Afghanistan oder Irak einmarschiert wurde, einen bitteren Beigeschmack.

Die Kunst spiegelt die Realität wider – und für die sind nicht die Künstler verantwortlich

Es ist eben ein Problem, die in zahlreichen Gesetzen postulierte Gleichheit und Unversehrtheit der Menschen durchzusetzen. Und so ist auch der Titel der Ausstellung zu verstehen, der auf die gleichnamige Geschichte Kafkas verweist: Dort versucht ein Mensch sein Leben lang vergeblich, in das Gesetz hineinzukommen. Etwas, was ihm nicht gelang, gelingt zumindest den Besuchern dieser Ausstellung: das Gesetz als Raum zu erfahren. Wie es letztlich mit den Menschen umgeht und der Mensch mit dem Gesetz, das ist hier zu sehen. Dass das Ergebnis unbefriedigend ist, liegt nicht an den Künstlern. Die zeigen nur, was ist.

„Vor dem Gesetz“ – bis 22.4.2012,Museum Ludwig Di- So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt 10/7 Euro, Katalog 24,90 Euro







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