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25. 05. 2012
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Ein Avantgardist unter der Lupe


05.02.2010 09:07 von:

Schlagwörter: Köln,Museum Ludwig,Malewitsch,Suprematismus,Restaurierung,Avantgarde,abstrakt,Ku

(js) Allein 180 handwerkliche Arbeitsstunden mit Pinsel und Skalpell stecken in der Restaurierung von Kasimir Malewitschs Bild "Suprematistische Komposition" (1915). Nicht gerechnet die Zeit für kunsttechnologische Untersuchungen mit Röntgenschirm und Mikroskop, mit Infrarotlicht und verschiedenen Beleuchtungswinkeln. Mit einer ausführlichen Dokumentation der Restaurierungsarbeiten ist der "frische" Malewitsch jetzt Teil einer Ausstellung im Museum Ludwig, die sich intensiv mit Rezeption und (Selbst-)Inszenierung des russischen Avantgardekünstlers beschäftigt. Neben "Suprematismus" ist das ebenfalls gründlich untersuchte Gemälde "Dynamischer Suprematismus (Supremus nr. 38)" (1916) der zweite Schwerpunkt dieser Schau.

Über 800 Werke russischer Avantgardisten umfasst die Sammlung des Museums. 600 davon kommen von der Stiftung Ludwig, fast alle langjährige Dauerleihgaben, gut 10 Prozent davon sind daraus in den Besitz des Museums übergegangen. Vor einem Jahr begann die wissenschaftliche Bearbeitung des Bestandes, eine "vertrauensbildende Maßnahme", so Hausherr und Museumsdirektor Prof. Kasper König, der sich weitere Schenkungen erhofft. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sollen in sechs Einzelausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden, diese ist nun die erste. Sie zeigt vier Gemälde, eine der wenigen Architektur-Skulpturen und 50 Zeichnungen aus seiner frühen und späten Schaffensperiode. Hier vermuten Experten, dass Malewitsch zum Teil bewusst falsch datierte. Überraschend eine impressionistische Landschaft aus dem Spätwerk. Außerdem zu sehen einige Arbeiten von Künstlern aus seinem Umfeld. Deren Bilder werden ohne Rahmen und in der engen "Petersburger Hängung" vorgestellt – so, wie es damals üblich war.

Malewitsch (1878-1935) – sein bekanntestes Bild ist das "Schwarze Quadrat" – gilt als Erfinder der gegenstandslosen Abstraktion, das heißt der bildnerischen Umsetzung von Gegenstandslosigkeit. Über Expressionismus und Kubismus entwickelte er den Suprematismus als höchste Stufe der vom Gegenständlichen befreiten Malerei, die sich bei ihm in geometrischen Formen und wenige reinen Farben ausdrückte. Seine Theorien formulierte er in zahlreichen Manifesten.

Bei der "Suprematistischen Komposition" wurden vor allem Kittungen und Retuschen am Bildrand entfernt und Fehlstellen in der Grundierung ergänzt. Außerdem wurde ein glänzender Überzug entfernt, das Bild zeigt somit wieder die ursprünglichen matten Farben mit dem für Malewitsch typischen Krakelee. Dokumentationsfotos machen die überaus reiche Pinselstruktur deutlich. Nicht rückgängig gemacht werden kann eine Restaurierung von "Supremus" aus dem Jahr 1975. Dabei wurde die Leinwand rückwärtig durch ein zweites Gewebe verstärkt, wodurch die Signatur des Malers verschwand. Außerdem wurden bei dem Pressvorgang Pinselstriche und andere typische Unebenheiten glatt gepresst, das Bild hat seitdem eine glatte Oberfläche. Zudem wurde damals ein Schutzfirnis aufgetragen, der die Farbqualität verändert. Diese Untersuchungsergebnisse sind auf Schautafeln ausführlich dokumentiert, dazu auch Röntgenaufnahmen, die zeigen, wie der Künstler das Bild vorzeichnete und während dessen Entstehung Formen und Farben veränderte – ein spannender Einblick in die Werkstatt.

"Kasimir Malewitsch und der Suprematismus in der Sammlung Ludwig" – bis 22.8., Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 9/6 Euro. Alle KölnerInnen haben jeweils am ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr freien Eintritt in die Ständige Sammlung. Im Sonderausstellungsbereich fällt weiterhin der reguläre Eintrittspreis an.







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