25. 05. 2012
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Ein Museum voller Ungeheuer
(js) Nikolaus Heidelbach ist ein vergnügter Mensch. Kaum zu glauben, welche Ungeheuer seine Phantasie täglich gebiert. Ungeheuer, mit denen er sich ins Herz der Kinder gemalt und gezeichnet hat. Seine Kinderbücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt, erreichen hohe Auflagen und er selber wurde mehrfach preisgekrönt. Gleiches gilt für seinen Kollegen Norman Junge, ebenfalls in Köln lebend und arbeitend. Das Museum für Angewandte Kunst zeigt jetzt mit rund 700 Bildern einen umfassenden Überblick über das Werk der beiden Künstler, ergänzt von Junges Skulpturen.
Kinder brauchen Märchen, das ist spätestens seit Bruno Bettelheim Allgemeingut. Auch deren "böse" Seiten seien für die Entwicklung des moralischen Bewusstseins wichtig, so der Psychoanalytiker. Junge und Heidelbach befriedigen die Neugier der Kinder auf untergründige Gefahren. Da lauern riesige Froschmonster im Badezimmer oder ein Schleimbrocken verfolgt den, der ihn ausgeschnupft hat. Und oft – dies besonders bei Heidelbach – ist nicht zu entscheiden, wer das wahre Ungeheuer ist: das pelzige Ungetüm oder das Kind, das es sich mit Messer und Axt vor dem Fernseher gemütlich macht. Immer aber gilt: Mag zunächst auch Angst erzeugt werden, sie wird immer mit einem Hauch anarchischer Komik aufgelöst. Nicht zu vergessen die Detailfülle, bei der es bei jedem Betrachten Neues zu entdecken gibt.
Junges Spezialität ist die Arbeit mit dem Raum, er zeigt rasante Bildfolgen, abstrakte Erfindungen und kühne Perspektiven – wenn er etwa einem dicken Nilpferd beim Lesen über die Schulter schaut. Bei Heidelbach ist es ein subtiles Farbgefühl, er ist verliebt in Materialien und seine Aquarelle erinnern an die Meisterschaft der alten Niederländer, die sehr wohl zwischen Samt und Seide zu unterscheiden wussten. Außerdem liest er genau – und so ist sein Hexenhäuschen zu "Hänsel und Gretel" nicht wie üblich aus Lebkuchen, sondern auch Brot und Kuchen, wie es eben bei Grimm steht.
Zeigt ein Bilderbuch dem Betrachter immer nur zwei Seiten, lässt sich in der Ausstellung – immer anhand der Originale – die Entwicklung und Rhythmik einer Geschichte in einer Bilderfolge "auf einen Blick" von Anfang bis Ende verfolgen. Sei es bei Heidelbachs "Heinzelmännchen von Köln", "Königin Gisela" und "Pinocchio" oder bei Junges "Ottos Mops", "Fünfter sein" (beide nach Ernst Jandl) oder "Das große Lalula" (Christian Morgenstern). Ihre Illustrationen sind dabei mehr als nur die Umsetzung von Wörtern in Bildern, sondern eigenständige Kunstwerke. Und da sind beide Meister ihres Handwerks.
Einen großen Ausstellungsraum nehmen Junges Skulpturen ein: Skurrile Bewegungsapparate, deren augenscheinliche Funktion ad absurdum geführt wird. Etwa bei dem Klavier mit einer Taste, dem Winkapparat oder dem durch die Gegend torkelnden Betonkreisel. Es ist nicht ganz ungefährlich, die Dinge in Bewegung zu setzen. deshalb dürfen sie – leider – nicht berührt werden und viel zu selten sind die Termine, an denen der Künstler persönlich sie demonstriert.
Museumsleiterin Petra Hesse, erst seit wenigen Wochen im Amt, will mit dieser Ausstellung besonders bei Kindern und Jugendlichen als neuer Besuchergruppe punkten. Thematisch ist das stimmig, auch die Hängung auf Augenhöhe von Kindern passt. Allerdings ist das dann – den exzellenten Exponaten zum Trotz – auf Dauer doch etwas langweilig. Hier täte ein permanentes "Interaktions-Angebot" not.
"Nikolaus Heidelbach und Norman Junge: Ungeheuer" – bis 4.7., Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr (mit Führung um 18 Uhr), Eintritt in die Sonderausstellung "Ungeheuer": 3/1,50 Euro, Kombiticket mit Dauerausstellung: 6,50/3,50 Euro. Katalog: 19,90 Euro. Rahmenprogramm: www.museenkoeln.de

























