25. 05. 2012
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Eine Meisterin der alten Drucktechniken
(ehu) Es hat einige Zeit gedauert, bis Vija Celmins ihren Platz in der Kunst gefunden hatte. Mit Beharrlichkeit, Beschränkung auf wenige Themen, allerhöchstem technischen Können und konsequenter Auseinandersetzung über das Wesen der Kunst und der Bilder hat sie ihn sich schließlich erobert. Zumindest in den USA, in Deutschland ist sie – vielleicht gerade wegen ihrer Einzigartigkeit – eher unbekannt. Das sollte ihre Ausstellung "Wüste, Meer und Sterne" im Museum Ludwig ändern.
In den 1960er Jahren lebte Celmins – 1938 in Riga geboren – an der kalifornischen Küste. Sie begann die Wellen des Meeres zu fotografieren, den Wüstenboden, den Sternenhimmel. In den letzten Jahren kamen Spinnennetze dazu. Die Fotos dienten ihre als Vorlage für ihre Zeichnungen und Drucke. Hier liegt ihre technische Meisterschaft, sie beherrscht nahezu alle denkbaren Techniken, darunter traditionelle, die nur noch wenige kennen, geschweige denn können: Mezzotinto, Kaltnadelradierung, Zuckeraussprengverfahren, Fotogravur, Aquatinta, Pinselätzung. Natürlich auch den Holzschnitt. Sie zeichnet mit Bleistift und Kohle. Seltener sind Ölgemälde.
Holzschnitte, die wie ein Foto aussehen und auch noch "lebendiger" wirken
Dabei arbeitet sie so perfekt, dass ihre Bilder den fotografischen Vorlagen zum Verwechseln ähnlich sehen. Erst beim genauen nahen Hinsehen (Lupe mitnehmen!) erkennt man etwa die vielen kleinen Striche des Holzschnitts. Es kommt ihr nicht auf "Fotorealismus" an. Ihre Bilder sieht sie als Abdruck der Natur, mit ihnen schafft sie eine größtmögliche Distanz zum Motiv, dem sie so das Leben zurückgeben will, das ihm durch das Foto genommen wurde. Auf keinen Fall aber will sie Geschichten erzählen.
Gleichzeitig untersucht sie, welche Möglichkeiten in welcher Technik stecken – und wie sich das auf das Motiv auswirkt. So zeichnet sie einmal das Foto einer wellenbewegten Meeresoberfläche gleich siebenmal mit einem Bleistift ab, jeweils mit einem anderen Härtegrad. Die Unterschiede sind bisweilen kaum wahrnehmbar, bisweilen gravierend. Daraus ergibt sich dann auch die Frage nach der "Wirklichkeitstreue" nicht nur der Zeichnung, sondern auch des Fotos. Dass ihre Zeichnungen oft lebendiger wirken als ein Foto, ist kaum überraschend.
"Vija Celmins: Wüste, Meer und Sterne" – bis 17. Juli, Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt 10/7 Euro, Katalog 34 Euro

























