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25. 05. 2012
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Einziger "Vis á Vis" weltweit steht jetzt im Stadtmuseum


08.08.2011 15:42 von:

Schlagwörter: Köln,Stadtmuseum,Oldtimer,Autostadt,Vis a Vis,Priamus,Sülz,Ford,Citroen,2011,Old

(ehu) Museumschef Mario Kramp und sein Vize Michael Euler-Schmidt legten persönlich mit Hand an. Dann stand das neue, fast eine Tonne schwere Prunkstück auf dem Podest: ein Auto der Marke "Vis-à-Vis", 1901 in Köln-Sülz gebaut. Erinnerung an die große Zeit, als in Köln rund 25 Autohersteller nicht nur ihren Sitz hatten, sondern auch produzierten – lange vor Citroen und dann bis heute Ford. Ein Original, von dem es weltweit wohl nur noch dieses eine Exemplar gibt. "Ich freue mich wahnsinnig, eine Lücke in unserem Haus schließen zu können", sagte Kramp.

Das Auto erinnert er an eine offene Kutsche, aber das war damals genauso normal wie die Sitzanordnung, bei der sich Fahrer und Mitfahrer gegenüber saßen – das gab dem Wagen auch seinen Namen "Vis-à-Vis". Gelenkt wird mit einem Lenkstock, von dem aus auch mit einem Hebel das Zweiganggetriebe geschaltet wird. Mit einer Außenhandbremse werden die Hinterräder gebremst.

Der Viertakt-Einzylindermotor mit Wasserkühlung hatte eine Leistung von 6 bis 8 PS

Tank und Zündung – selbstverständlich mit Muskelkraft per Anlasserkurbel – liegen unter dem Rücksitz. Unter dem Vordersitz befindet sich der Viertakt-Einzylindermotor mit Wasserkühlung und einer Leistung von sechs bis acht PS. Die Kühlspirale ist vorne nicht zu übersehen. Drei Scheinwerfer gibt es: in der Mitte ein Karbid-Scheinwerfer, rechts und links Kerzenlampen. Das Rücklicht wird mit Öl beleuchtet. Die Karosserie ist aus rotgestrichenem Holz.

"Es sollte kein großes Problem sein, den Wagen wieder fahrbereit sie machen", ist Marcel Seidel überzeugt. Er weist auf den guten Originalzustand hin: lediglich die Laternenhalter, kleine Teile des Motors, die vorderen Felgen und die Reifen wurden erneuert. In Seidels Museum für Automobil- und Renngeschichte in Ladenburg am Neckar stand der Wagen noch vor wenigen Tagen. Seidel senior hatte ihn vor zwei Jahren einer Familie in Isny im Allgäu abgekauft, in deren Besitz sich der "Vis-à-Vis" von Anfang an befand.

EIn Gutachter sagte "Empfehlenswert" – und die Stadt kaufte den Oldtimer

Vor wenigen Wochen wurde der Wagen dann im Internet angeboten. Schätzpreis: 60.000 bis 80.000 Euro. Der tatsächliche Kaufpreis dürfte sich in der Mitte bewegen. Als Kramp durch Zufall davon erfuhr, meldete er sich sofort im Kulturdezernat. Man fuhr mit einem Gutachter gen Süden und entschied sich nach dessen Urteil "empfehlenswert" zum Kauf. Anfang dieses Monats wechselte der Wagen mit Geldern des Kulturdezernats zum zweiten Mal in seinem Leben den Besitzer.

Gebaut wurde der Wagen von der "Kölner Motorenwagen-Fabrik GmbH" in Sülz, gegründet 1897. Gebaut wurden zunächst in Lizenz Dreiradwagen der französischen Firma "De Dion-Bouton", damals eine der erfolgreichsten Marken. Der "Vis-à-Vis" war eine der ersten Eigenproduktionen und zugleich eines der ersten Autos, die in Serie hergestellt wurden. Wie viele Exemplare "vom Band" liefen, ist unbekannt. Gleiches gilt für den damaligen Preis. Marcel Seidel schätzt ihn – je nach Ausstattung – auf zwei- bis viertausend Goldmark. Ein Arbeiter verdiente in dieser Zeit im Schnitt etwa 800 Mark im Jahr.

In Düsseldorf ging die Geschichte der Kölner "Priamus"-Autos zu Ende

1903 wurde die GmbH in "Motorfahrzeugfabrik Köln, Uren, Kotthaus & Co" umbenannt. Die Wagen trugen nun den Namen "Priamus", die Motorleistung stieg bis auf 20 PS, auch Luxusmodelle wurden angeboten. 1908 brach die Autokonjunktur ein, die Firma meldete Konkurs an, erlebte 1910 in Zollstock eine Wiederauferstehung als "Priamus-Automobilwerke GmbH". Das Ende kam 1923 mit der Übernahme durch die Düsseldorfer "Möllenkamp-Werke AG", die nur drei Jahre später selbst Konkurs anmeldete.







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