25. 05. 2012
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Eisenbahn durch einen Wald aus Stahl
(js) Kaum zu glauben, welchen Lärm so ein kleines Gefährt machen kann. Ohrenbetäubend quietscht sich das Gefährt über den Gleiskreis. Gerade mal so groß wie zwei Zigarrenkisten ist es, ein elektrisch betriebener Waggon, beladen mit Aluminiumrollen. Vorne dreht sich eine Minikamera, filmt die Fahrt durch einen Wald skurriler Stahl Metallbäume. Das Bild wird in einen anderen Raum übertragen, vermischt sich dort mit einem Film über Architektur und Natur in Köln. Gleichzeitig werden beim Durchfahren von Lichtschranken Töne an einer elektrischen "E-Gitarre" erzeugt.
"Industry – Ecology – art in Cologne" nennt sich diese Installation. Sie ist die "Abschlussarbeit" von Takashi Mitsui, dem diesjährigen Gewinner des Dormagen-Guffanti-Stipendiums. Ein wesentlicher Teil davon ist, dass der Preisträger seine Kunst mit den Bewohnern des Sozial-Komplexes am Laachemer Weg entwickeln muss. Hier leben unter anderem 50 schwerst- und mehrfach behinderte Erwachsene, dazu Aids-Hilfe und Emmaus-Gemeinde. In diesem Fall waren es die insgesamt 50 Bäumchen aus Draht, feiner Stahlwolle, Edelstahl-Topfreinigern und aus Blech ausgeschnittenen Blätter, die von ihnen in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler beigetragen wurden. "Lokomotive", Gleis und die gesamte Elektronik hat Mitsui von Grund auf gebaut und installiert. Entstanden ist am Ende – ebenso intelligent wie spaßmachend – eine Auseinandersetzung über die vielfältigen und komplizierten Beziehungen zwischen Natur, Technik und Stadt, zwischen Stillstand und Bewegung, Simulation und Wirklichkeit.
Und natürlich Kunst. Dabei ist der gebürtige Tokioter Takashi Mitsui für Köln durchaus eine Entdeckung, obwohl er schon lange in dieser Stadt lebt. Der 45-Jährige arbeitete bislang vor allem im Ausland. Er nutzt gerne vorgefundene Materialien, schafft Situationen, in denen er mit eingefahrenen Wahrnehmungs- und Lebensgewohnheiten spielt. Im Kalker Wasserturm spielte er 2002 in einem aufwändigen Ausstellungsprojekt mit der ehemaligen Funktion des Gebäudes. Ein Besuch des Geländes ist nicht nur wegen der Ausstellung zu empfehlen, sondern auch wegen des Cafés (betrieben von der Emmaus-Gemeinde) mit leckerem Kuchen und günstigen Preisen und der gepflegten "ökologischen Nische". Hierfür gibt es sogar Führungen durch den Heimbewohner Daniel Klüser (Tel. 0221 / 974544-213 oder 0175 / 10 42 672)
Takashi Mitsui: "Industry – Ecology – art in Cologne" – bis 21. November, Dormagen-Guffanti-Stiftung, Laachemer Weg 22, 50737 Köln-Longerich, Atelier neben dem Werkstatt-Café, Do-Sa 14-18 Uhr, So 13-17 Uhr, und nach Vereinbarung: 0176 / 77 07 89 51

























