Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Freiheitskämpfer oder Helfer des Kolonialismus


29.04.2011 07:13 von:

Schlagwörter: Köln,Rautenstrauch-Joest-Museum,Lawrence,Arabien,Jordanien,Kolonialismus,Becker,

(ehu) War er der Freiheitskämpfer, der den Arabern im Ersten Weltkrieg half, sich von den Türken zu befreien? Dafür halten ihn die Kinogänger, die ihn im Filmklassiker "Lawrence von Arabien" gesehen haben. Oder war er ein Vertreter des Kolonialismus, der den Einfluss der Briten und Franzosen im Nahen Osten sicherte und mitverantwortlich für die Grenzen ist, die noch heute für politische Unruhen sorgen? So sehen ihnen heute viele Bewohner von Syrien, Jordanien, Palästina oder dem Irak. Die spannende Ausstellung "Genese eines Mythos" versucht, dem Geheimnis des Thomas Edward Lawrence auf die Spur zu kommen.

Er eroberte Akaba, sprengte gut hundertmal die von Deutschen gebaute Hedschas-Bahn in die Luft, lebte – auch wenn es "der Tod schon im Leben" war – wie ein Beduine. So jedenfalls schrieb er über sich in seiner 1927 erschienenen Autobiografie "Die sieben Säulen der Weisheit". Doch da war er schon ein Star, dank einer Multimedia-Show über ihn, die der US-Journalist Lowell Thomas bereits 1919 auf Tournee schickte und für die dieser sogar einige Kriegsszenen hat wiederholen lassen. Endgültig zum Held wurde Lawrence 1962 durch den Kino–Erfolg "Lawrence von Arabien" mit Peter O´Toole in der Titelrolle. Schließlich verfestigten zahlreiche Bücher und Comics das Bild des idealistischen Romantikers.

Auch der Film kann sich Lawrences charismatischer Persönlichkeit nicht entziehen

Mag darin vieles auch historisch nicht korrekt sein, wie Ausstellungskurator Detlef Hoffmann bemängelt. Und er meint damit nicht nur, dass der Schauspieler körperlich erheblich größer als das Original war. Zutreffend wiedergegeben allerdings sei dort Lawrence "schillernde und charismatische Persönlichkeit" sowie seine Faszination für Arabien.

Die vielen Aspekte der "schillernden" Persönlichkeit finden sich in der Ausstellung wieder. Da zeigen historische Fotos und Ansichtskarten, wie die Sehnsucht des jungen Lawrence zu den Geheimnissen des Nahen Ostens geweckt worden sein könnte. Als Archäologe konnte er sie an ort und Stelle befriedigen. Auch seine Faszination für die Fotografie ist ein Thema, er selber war ein fanatischer Fotograf, der das Bild – auch das gemalte – für aussagekräftiger hielt als selbst seine eigenen Texte.

Ein Mann mit vielen Interessen: Technik, Literatur, Geschichte, Politik

Wir lernen den Technik-Freak kennen, der als Student mit dem Fahrrad durch Frankreich reiste, der für die Navy Schnellboote konstruierte und der die Schnelligkeit liebte. 1935 raste er sich - gerade einmal 47 Jahre alt – mit einem Motorrad zu Tode. Aber auch der Intellektuelle wird erkennbar, der Übersetzer, der Literaturliebhaber, bekannt mit Philosophen, Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit. Dann der Politiker, der sich schon 1910 Gedanken über eine politische Aufteilung des Nahen Ostens machte und später zum Berater von Winston Churchill wurde.

Doch selbst die 500 Exponate schaffen es am Ende nicht, ein klares Bild des Menschen Lawrence zu zeichnen. Der Faszination für diese Persönlichkeit tut dies keinen Abbruch. Zudem erfährt der Besucher einiges über politische Hintergründe, die den aktuellen Konflikten in Nahost zugrunde liegen.

Historische und aktuelle Fotos ziehen sich als roter Faden durch die Ausstellung

Lawrence Liebe zur Fotografie greift die Ausstellung mit den Fotos Boris Beckers auf. Der Kölner Fotograf war 2010 auf den Spuren des britischen Offiziers durch Jordanien reiste. Beeindruckend sind vor allem seine grandiosen Landschaftsbilder aus dem Wadi Rum, dem Tal, in dem Lawrence seinerzeit stationiert war. Damals noch eine öde Heimat für Beduinen, ist es heute ein beliebtes Reiseziel für Touristen. Ihnen werden dort auch zahlreiche Lawrence-Souvenirs angeboten. Ökonomie besiegt politische Antipathie.

Verblüffend auch die Relikte der Hedschas-Bahn, die Becker aufspürte. Ergänzt wird die Kölner Ausstellung, die zuvor schon in Oldenburg zu sehen war, durch ein großes schwarzes Beduinenzelt, ausgestattet mit den Dingen des täglichen Bedarfs. Es vermittelt eine Ahnung von den Lebensbedingungen, die noch heute dort herrschen.

"Lawrence von Arabien: Genese eines Mythos" – bis 11.9., Rautenstrauch-Joest-Museum, Kulturzentrum am Neumarkt, Cäcilienstr. 29-33, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Eintritt 17/10 Euro, Katalog zur Ausstellung: 29,90 Euro, Katalog zu Boris Becker: 19,90 Euro, umfangreiches Rahmenprogramm: www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum/







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse