25. 05. 2012
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Ganz ohne Esoterik: Malerei aus Australien
(js) Kräftige Erdfarben, rhythmische Linienkombinationen, frühlingshaftes Tüpfelgewimmel, gepünktelte Striche – da hat sich Kasper König wieder einen dicken, anspruchsvollen Brocken ausgedacht: Ab Samstag zeigt er zeitgenössische Kunst der australischen Aborigines. Ganz ohne begleitendes esoterisches oder ethnologisches Eiapopeia, ganz allein nur als moderne Malerei im Großformat. So gelingt ihm ein großer Wurf: neun Künstlerinnen und Künstler von "down under", die sich locker mit dem messen können, was im Kunstgeschäft etwa unter dem Label Op-Art, Zero, geometrische Abstraktion schon lange zum anerkannten Standard gehört.
Die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler Paddy Bedford, Emily Kame Kngwarreye, Queenie McKenzie, Dorothy Napangardi, Rover Thomas, Ronnie Tjampitjinpa, Turkey Tolson Tjupurrula sowie den Brüdern Clifford Possum und Tim Leura Tjapaltjarri stammen aus vier Regionen. Ihre 50 Bilder sollen einen Einblick in diese überaus vielfältige Kunstszene geben. Lange wurden die Arbeiten dieser Künstler vor allem unter völkerkundlichen Gesichtspunkten ge- und behandelt. Es ist nur ein knappes Vierteljahrhundert her, dass einer Galerie mit Aborigines-Kunst die Teilnahme an der Kölner Kunstmesse verweigert wurde. Lediglich Folklore, hieß es, bestenfalls rituelle Kunst (was im Prinzip ja auch für unsere mittelalterliche Kunst gilt). Erst in den letzten Jahrzehnten wurde sie auch als "richtige" Kunst anerkannt und ist fester Bestandteil auch des Kunsthandels geworden.
König und sein Team wissen aber auch, dass es gerade hier neben dem reinen Kunstaspekt auch einen wichtigen politischen und inhaltlichen Hintergrund gibt, der - auch wenn in der Ausstellung jegliche Hinweise darauf fehlen - nicht unterschlagen werden darf. Allein die Existenz dieser Kunst ist ein politisches Symbol. Mit ihr knüpfen die Aborigines wieder an ihre Traditionen anknüpfen. Dies war ihnen lange verboten, Noch in den 1950er Jahren wurden ihnen die Kinder weggenommen und "weiß" erzogen, auch vor der Vernichtung der Ureinwohner schreckten die Neusiedler - ähnlich wie in Nordamerika - nicht zurück. Malerei im Sand oder auf dem Körper spielt eine wichtige Rollen bei traditionellen Ritualen, etwa der Initiation. Dabei "darf" nicht jeder malen, sondern er wird dazu meist erst im Alter "beauftragt". Wenn jetzt Bilder zeitgemäß mit Acrylfarben auf Leinwand oder Sperrholz entstehen, werden damit die einst vergänglichen Bilder weitergegeben. Der Ausstellungstitel "Remembering Forward" greift diese Funktion auf.
Die Bilder sind eng mit Orten und Mythen verbunden. Die Landschaft wird dabei oft aus der Vogelperspektive gesehen. Auch einige der Kölner Bilder zeigen solche Motive: Wegegeflechte, überlagert von Pfeilen und Fußabdrücken. Hier werden Geschichten erzählt, die sich dem westlichen Betrachter nicht erschließen (was dem ästhetischen Genuss keinen Abbruch tut). Das einzige figurative Bild der Ausstellung schildert ein Lynchmord, den weiße Siedler 1915 an den Aborigines begingen.
Ein informativer Katalog gibt die nötigen Hintergrundinformation. Besonders lesenswert ein Artikel über die Problematik, diese Kunst zu vermarkten: Sie ist eine "Erfindung der Weißen", so die provokative These. Ein reiches Rahmenprogramm soll weiteres Wissen vermitteln. Für internetfähige Handys gibt es wieder ein App. Ergänzend gibt es zwei kleine Ausstellungen mit den klassischen Rindenmalereien der Aborigines.
"Remembering Forward - Malerei der australischen Aborigines seit 1960", bis 20.3.2011, Museum Ludwig, Di-So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt 10/7 Euro, Katalog 39,90 Euro



























