25. 05. 2012
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Geschichte, die in der Erde versteckt war
(js) Friedlich graste die Elefantenherde in dem schmalen Bachtal. Dann wurden die Tiere von einer Flutwelle überrascht. Ein Entkommen war nicht möglich, das Wasser riss sie mit. An einer Enge blieben die mächtigen Körper hängen, wurden von Bäumen und Sand begraben. So deuten Archäologen die Katastrophe, die sich vor zwei Millionen Jahren in der Nähe von Dortmund abspielte. Entdeckt wurde der "Elefantenfriedhof" vor zwei Jahren in einem Steinbruch. Ein Teil davon wird jetzt im Kölner Römisch-Germanischen Museum erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ab morgen ist das versteinerte Gewirr von Knochen, Stoß- und Mahlzähnen im Rahmen der Ausstellung "Fundgeschichten. Archäologie in Nordrhein-Westfalen" zu sehen. Die Verantwortlichen erwarten rund 100.000 Besucher, ehe die Ausstellung dann im nächsten Jahr nach Herne wandert.
Es ist die fünfte Ausstellung dieser Art, eine "Leistungsschau" über die jeweils fünf zurückliegenden Jahre archäologischer Arbeit. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), verantwortlich für Bodendenkmäler, und das Archäologische Landesamt Köln zeigen, was in dieser Zeit geborgen werden konnte. "Es sind ausschließlich Rettungsgrabungen", so Prof. Hansgerd Hellenkemper, Hausherr des gastgebenden Museums, "Lustgrabungen gibt es schon lange nicht mehr." Geborgen werden die wertvollen Stücke, die von der Erdgeschichte und dem Leben unserer Vorfahren erzählen, wenn irgendwo Straßen, Häuser oder U-Bahnen gebaut werden. 30 bis 35 solcher Grabungsprojekte gibt es jährlich beim LWL, beim LVR sind es über 1000, vor allem im Gebiet des Braunkohle-Tagebaus westlich von Köln, schon in der Jungsteinzeit ein dicht besiedelter Raum. Vom Land wird diese Arbeit mit rund 20 Millionen Euro pro Jahr unterstützt.
Zu den ältesten Fundstücken gehört ein Schwimmsaurier aus der Zeit, als Nordrhein-Westfalen noch Meeresgrund war – vor über 190 Millionen Jahren. An diesem versteinerten Skelett wird auch die diffizile Arbeit der Archäologen deutlich, die nicht nur Hacke und Schaufel brauchen. Mit feinen Schleifmaschinen müssen die Knochen freigelegt werden, erst ein Teil in des Sauriers wurde so präpariert. Voller Respekt sieht man auch, wie aus spärlichen Resten – gefunden in einem römischen Grab bei Rommerskirchen – ein Stirnband aus Gold und Perlen rekonstruiert wurde. Zu den kleinen Sensationen gehören die Reste einer karolingischen Wassermühle, bisher kannte man derlei nur aus schriftlichen Quellen. Der Nussvorrat eines Hamsters verrät, was für Bäume vor 17 Millionen Jahren da wuchsen, wo heute Braunkohle abgebaut wird.
Wahre Fundgruben sind Kloaken. In Höxter lagen darin nicht nur die üblichen Abfälle und Scherben, sondern sogar mittelalterlicher Goldschmuck, ein wertvoller Fayence-Krug und ein seltener Dreibein-Bronzetopf. Auch in Gräbern finden die Archäologen wichtige Hinweise auf das Leben in der Vergangenheit. Fränkische Krieger wurden mit ihren Schwertern begraben – und aus dem Wrack eines 1945 bei Hagen abgestürzten britischen Jagdbombers wurden persönliche Besitztümer der Besatzung geborgen: Kruzifix, Taschenmesser, Sauerstoffmaske, eine Pistole. Auch der Motorblock einer im Zweiten Weltkrieg abgestürzten ME 109, über vier Meter tief im Boden begraben, ist heute ein archäologisches Fundstück: "Zeugnis einer abgeschlossenen Geschichtsepoche", erklärt Hellenkemper. Wie steinerne Kanonenkugeln aus dem Mittelalter, jungsteinzeitliche Pfeilspitzen oder römische Schwerter. Und vielleicht, so überlegt Hellenkemper, sollte man die Hügel an der Inneren Kanalstraße unter Denkmalschutz stellen – sie wurden aus Trümmern des zerbombten Köln angehäuft.
"Fundgeschichten. Archäologie in Nordrhein-Westfalen" – bis 14.11., Römisch-Germanisches Museum Köln, Roncalliplatz 4, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 44 38. Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10 - 22 Uhr, Eintritt: sechs/zwei Euro. Katalog: 24,90 Euro, Begleitheft für Schüler: zwei Euro. Weitere Informationen zum Rahmenprogramm finden Sie unter: www.fundgeschichten.nrw.de.

























