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25. 05. 2012
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Goldene Paravents und zarte Erotik


29.10.2011 07:47 von:

Schlagwörter: Köln,Museum für Ostasiatische Kunst,Japan,Paravent,Araki,Tsujimura,Rollbilder,Wa

(ehu) Monatelang war das Museum für Ostasiatische Kunst wegen Renovierung und Sanierung gesperrt. Jetzt meldet es sich mit einer Ausstellung zurück, die selbst Hausherrin Adele Schlombs entzückt. „Ich entdecke Werke völlig neu“, strahlt sie und zeigt auf die sechsteiligen Wandschirme: Waren die bislang im Depot zusammengeklappt, können sie hier in ihrer vollen Länge bestaunt werden. Da blendet nicht nur die meisterliche Malerei, sondern auch der Goldgrund. Er gibt der Ausstellung den Namen: „Goldene Impressionen – Japanische Malerei 1400-1900“ heißt sie.

Sie gibt am Beispiel von 95 Exponaten – alle aus den eigenen Beständen – einen Überblick über die Vielfalt der japanischen Malerei, für die die Gleichzeitigkeit verschiedener Stile charakteristisch ist. Landschaften, Genreszenen, Götterlegenden, Porträts, auch kalligraphische Texte sind die Motive. Da finden sich äußerst detailreiche Schilderungen ebenso wie Bilder, bei denen wenige Striche reichen, um tiefe Emotionen darzustellen. Regelmäßig fließen chinesische EInflüsse ein, am Ende auch westliche. So ist die Ausstellung auch nicht chronologisch, sondern zu sieben Themen geordnet. Leicht verständliche Texttafeln erklären die Zusammenhänge.

Ein zentrales Thema japanischer Kunst: die Schönheit der vergänglichen Welt

Empfangen wird der Besucher von den Paravents, die wie gerahmte Bilder an den Wänden ausgeklappt sind. Bemalt sind sie mit Landschaften, mit Kriegsszenen, Blumen und Tieren. Von den farbigen Beispielen heben sich zwei schwarzweiße ab: Drachen und Tiger kommen da wie aus einem Nebel ans Tageslicht. Die Wandschirme umringen Beispiele für ein zentrales Thema der japanischen Kunst: die Schönheit der vergänglichen Welt. So zu sehen sind hier schöne Menschen, Männer wie Frauen, oft in angedeuteten Liebesspielen verbunden.

Diese Bilder sind Rollbilder, die in der Regel aufgehängt werden. Es gibt aber auch solche, die auf eine ebene Fläche gelegt und dann durch Abwickeln gelesen werden. Fast acht Meter lang und nicht einmal zwei Spannen breit ist eines dieser Bilder, es zeigt, wie sich adlige Frauen und Männer beschäftigen: sie studieren philosophische Schriften, trainieren für den Krieg, reiten zur Falkenjagd, musizieren und spielen Theater, vergnügen sich mit Gesellschaftsspielen, wozu auch eine Art Fußball gehörte. Ein gut 300 Jahre altes „Wimmelbild“.

Japanische Fachleute restaurierten die Kunstwerke – und das war dringend nötig

Neben der Wiedereröffnung war der 150. Jahrestag des Deutsch-Japanischen Freundschaftsvertrags, der am 24. Januar 1861 in Tokio besiegelt wurde, Anlass für diese Ausstellung. Ein politisch wichtiger Anlass, der – so verrät es Schlombs – auch so manche Sponsorengelder für die notwendige Restaurierung der Exponate locker gemacht hat. Denn die war in vielen Fällen dringend nötig. Geleistet wurde sie vom japanischen „National Research Institute for Cultural Properties“, das sich auch japanischen Kulturgütern im Ausland verpflichtet fühlt. Es spendete am Schluss sogar die Restaurierung von vier Arbeiten.

Zwei zeitgenössische japanische Künstler stellen den Bezug zur Gegenwart her

Parallel zu dieser Schau hauseigener Schätze werden zwei zeitgenössische Künstler vorgestellt, jeder auf seinem Gebiet ein Einzelgänger, aber doch japanische Traditionen fortsetzend. Da ist zum einen der Shiro Tsujimura: Der ehemalige Mönch zeigt eigenwillige Kugelvasen, deren Glasuren an Landschaften oder Bäume erinnern und die er am liebsten im Freien zeigt.

Von Nobuyoshi Araki sind die beiden Fotozyklen „Winter Journey“ und „Sentimental Journey“ zu sehen, zusammen 150 Schwarzweiß-Aufnahmen. Der erste melancholische Aufnahmen von Schnee und dessen Vergehen. Der zweite die Lebensgeschichte seiner Frau, beginnend mit dem Hochzeitstag, endend mit deren letzten Lebensjahr – sie starb 1990 an Krebs.

„Goldene Impressionen – Japanische Malerei 1400-1900“ – bis 4. März 2012, Museum für Ostasiatische Kunst, Universitätsstr. 100, 50674 Köln, Tel. 0221 / 221-286 08, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11 - 22 Uhr (KölnTag), Eintritt: 7,80/4 Euro, Kurzführer: 16 Euro. Außerdem ist ein umfassender wissenschaftlicher Katalog in englischer Sprache erschienen, in der Ausstellung kostet er 78 Euro.







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