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25. 05. 2012
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Halbierter Wolkenkratzer in der artothek


18.07.2010 09:25 von:

Schlagwörter: Köln,artothek,Horstmann,Audi,Glasbaustein,Scherenschnitt,Künstlerin

(js) Julia Horstmanns zentrales Thema ist die Auseinandersetzung mit dem Raum, den geschichtlichen, psychologischen und sozialen Hintergründen von Architektur. Sie spielt mit Gegensätzen und Materialien. Für ihre Arbeit bei der letzten ArtCologne erhielt sie den "Audi Art Award for New Positions". Jetzt zeigt sie ihre aktuelle Arbeit "In the long run we are all dead" in der artothek.

Der gut sechs Meter hohe, schiefwinklige Ausstellungsraum mit seinen hochgelegenen Fenstern und der geschwungenen Empore ist eine Herausforderung für jeden, der hier seine Installation umsetzen will. Horstmann knallt eine eckige Konstruktion aus Glasbausteinen hinein. Sie greift dabei den halben, Y-förmigen Grundriss des "Burj Khalifa" in Dubai auf, mit 828 Metern das derzeit höchste Gebäude der Welt. Dem Bauherrn ging kurz vor dem Bauende das Geld aus, der Nachbar-Scheich aus Abu Dhabi musste aushelfen. So erinnert Horstmanns Arbeit – die Bezeichnung Skulptur lehnt sie wegen der Raumbezogenheit und des nur zeitweiligen Bestandes ab – sicher nicht von ungefähr auch an die Ruinen des 2001 bei einem Attentat zerstörten World-Trade-Centers in New York. Einige der Glasbausteine sind geschwärzt, also undurchsichtig, und verstärken so den Eindruck einer Barrikade im Raum.

Glasbausteine – hier erinnern sie an mittelalterliche Butzenscheiben – beherrschen auch eine Grafik, in der sie sich mit der Geschichte eines Hauses beschäftigt, bei dem schon 1928 dieses damals neuartige Baumaterial eingesetzt wurde. Die Spannung zwischen runden und eckigen Formen fesselt bei dieser Arbeit. Schließlich erforscht die 36-jährige Hamburgerin antike Säulen- und Kapitellformen. Den ionischen schreibt sie weibliche, den dorischen männliche Aspekte zu. Auch diese Grafiken leben von Gegensätzen: Schwarze, leicht gewellte Scherenschnitte mit weichen Formen – etwa eine Frauensilhouette – überlagern bunte, streng geometrische Formen.

Gerade mit der Präsentation von schwer verkäuflicher Installationskunst füllt die artothek eine Lücke im Kunstgeschäft und hat sich damit überregional einen Namen gemacht. Überlegungen, sie zu schließen, zeugen von wenig Wissen und Verständnis von Kunst. Sie sollten schleunigst im Mülleimer verschwinden.

"Julia Horstmann: Variable Geometries" – bis 21.8., artothek, Am Hof 50, Köln-Innenstadt, Tel. 02 21 / 22 12-23 32, www.museenkoeln.de/artothek, Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 13-16 Uhr

 





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