25. 05. 2012
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JOSEPH BEUYS. PARALLELPROZESSE in der Kunstsammlung NRW
(TB)
JOSEPH BEUYS.
PARALLELPROZESSE in der Kunstsammlung NRW vom 11. September 2010 –
16. Januar 2011 unbedingt anschauen:
Da isser wieder mal da wo er doch ziemlich maßgeblich herkommt, nämlich aus Düsseldorf und im erweiterten Sinne aus dem Rheinland. Eigentlich ist den Arbeiten von Joseph Beuys dieses, ja doch, grundkatholische Rebellentum(->Niederrheinisch) mit all seinen Verzweigungen in zahlreiche parallele Prozesse anzumerken. Ob es nun die Wahl des Materials oder dieses gepflegte "Gutmenschentum" (Was es ja seinerzeit noch nicht war, da war das tatsächlich rebellisch!) ist, man merkt es. Seine eher aktionsorientierten Arbeiten spielten immer mit rituellen Versatzstücken, die weniger auf „schamanistisches“ als auf die, den meisten verborgene, verschüttete Christliche Mystik zurückgingen. Nun das zu Anfang, und nur am Rande, bemerkt.
Meistens wird in einem Atemzug die mittlerweile schon bis zur Trivialität verballhornte „Erweiterung des Kunstbegriffs“ angesprochen, die dann in der Aussage mündete „Jeder ist ein Künstler“, oder so ähnlich. Hier spitzen sich die Missverständnisse dann auch zu, denn dieses hier sinngemäß wiedergegebene Zitat meint eigentlich, ungefähr: Jeder ist dann ein Künstler wenn sich die gesellschaftlichen Umstände so weit geändert haben, dass dies möglich ist, bis dahin ist eben nicht jeder ein Künstler. Also viel Folklore, viel Esoterik, was man bei aller Liebe zu seinem Werk auch Beuys gelegentlich nachsagen kann und muss.
Wenden wir den Blick
doch einfach mal von den längst als utopisch entlarvten Begriffen
der künstlerischen Politik ab, dann bleibt ein formal und inhaltlich
immer noch beeindruckender Künstler einer besonderen Spielart der
deutschen Pop Art. Die Avantgarde von einst ist lange im Salon,
lange, das ist der Lauf der Dinge, und manches "von Beuys" hat Eingang
in die Kunsttherapie gefunden, anderes strahlt nach wie vor als absolut geniales Meisterwerk - vor sich hin, aber Politik - die Grünen jedenfalls, eines seiner Steckenpferde, koalieren längst mit der CDU, wer mag sich da bewegt haben, und wohin? Fragen über Fragen.
Meine
Empfehlung ist es also, die nun anstehende Ausstellung JOSEPH BEUYS.
PARALLELPROZESSE in der Kunstsammlung NRW vom 11. September 2010 –
16. Januar 2011 unbedingt anzuschauen, dabei den Blick aber einfach
mal ganz unvoreingenommen, wie ein kleines Kind, auf die Werke, und
nur auf die Werke zu richten. Man wird einen großartigen Bildhauer
und "Installateur", bisweilen Zeichner, entdecken. Natürlich gibt es
auch bei dieser Ausstellung wieder das "große Ganze", die soziale
Plastik, das Gesamtkunstwerk, die schillernde Erscheinung, das ganze
"Eurasische Rauschen" mit Fell und Kojote und Hase und allem drum und
dran, indes – die Werke alleine sind überzeugend genug. Übrigens
muss man ehrlicherweise im Nachgang dieses ganzen Einbruchs von „68“
doch auch einmal feststellen, dass die Symbiose Politik und Kunst,
jedenfalls wenn man diese beiden Pole nicht auch von Zeit zu Zeit
trennen kann, nicht sonderlich weit geführt hat. Auch wenn Beuys
sich so manches mal sehr engagierte, war er es doch selbst, der den Humor,
der das Paradoxe in der Symbiose Kunst/Politik entlarvte, “The
pack (das Rudel)”
(1969), ist eine jener Arbeiten die dieses bombastisch
lächelnd-sanfte und doch groteske in den Arbeiten Joseph Beuys
exemplarisch deutlich machen.
Es ist ein Trend in der
Kunst, dass aus allem ein gigantomanisches Event wird, nun – wir
leben in Zeiten der vollkommenen, um nicht zu sagen totalen,
„Eventisierung“, man mag es mögen oder nicht, eine Frage muss
aber erlaubt sein: Wie würde der Meister selbst dieses kommentieren?
Vielleicht so: "Ja Ja Ja Ja - Ne Ne Ne Ne Jaha jaaa Ne".
Nun – alles kein Grund unheilig zu sein, also auf, und bitte
möglichst unverbaut auf die Werke achten, denn es lohnt sich, auch
ganz ohne Brimborium, so in aller Stille, für sich, selbst denkend,
gewiss gibt es viel zu entdecken.

























