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25. 05. 2012
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Jugendstil und Zinngeschirr - eine Kölner Erfolgsgeschichte:


02.09.2011 14:24 von:

Schlagwörter: Köln,Museum für Angewandte Kunst,Jugendstil,Zinn,Kayserzinn,Krefeld,Torpedo,Hist

(ehu) Engelbert Kayser wusste, wie man weltweit gute Geschäfte macht: Die "Cigarrenlampe Torpedo" in Form eines Torpedoboots bot er 1900 gleich mit mehreren Nationalflaggen an. Der Kunde konnte nicht nur die deutsche Reichskriegsflagge wählen, auch die spanische, die britische, die US-amerikanische oder die türkische gab es. Kayser hatte aber auch ein Gefühl für Kunst: Unter der seit 1895 geschützten Marke "Kayserzinn" verkaufte der Kölner Unternehmer Gebrauchsgegenstände aus Zinn im besten Jugendstildesign. Um dafür internationale Käufer zu finden, bedurfte es keiner Nationalflagge. Eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst erinnert jetzt an den einfallsreichen Unternehmer.

Entwerfen ließ er sich die Objekte für "Tischkultur" von zahlreichen Künstlern vor allem aus Köln. Deren Namen sind allerdings weitgehend unbekannt, auch weil er ihnen mit dem Entwurf gleich sämtliche Rechte abkaufte. Produziert wurden die Produkte dann in der Krefelder Metallgießerei, die Bruder Jean vom Vater der insgesamt fünf Brüder übernommen hatte. Und weil der auch für die Verkaufslogistik verantwortlich war (er führte vertragsgemäß 10 Prozent der Verkaufspreises an Bruder Engelbert ab), gilt "Kayserzinn" bis heute bei vielen Sammlern als dessen Erfindung.

Einzelne Kayserzinn-Stücke sind heute einen vierstelligen Euro-Betrag wert

Sie zahlen heute für einzelne Stücke gerne einen vierstelligen Eurobetrag. Schon um 1900 waren die Tafelleuchter, Tabletts, Kaffeeservice, Bowlen, Butterdosen, Likörgläser, Tafelaufsätze, Körbe, Vasen, Krüge, Schüsseln, Schalen und Kerzenleuchter aus dem grausilber glänzendem Zinn nicht billig. Wie viele Exemplare jeweils in Handarbeit gegossen wurde, ist unbekannt, die Krefelder Firmenunterlagen wurden im Zweiten Weltkrieg vernichtet.

Es dürften aber keine geringen Auflagen gewesen sein. Allein während der Pariser Weltausstellung gingen 5.000 Bestellungen für Kayserzinn-Produkte ein. Sie beschertem dem Metall Zinn eine Renaissance. Jahrhundertelang waren Zinnteller oder Zinnkrüge fester Bestandteil auf den Tischen der Reichen. Im 19. Jahrhundert aber war es in Verruf geraten, galt als bleihaltig und gesundheitsgefährdend.

Auch Polarforscher Fritjof Nansen besaß einen Eiskühler aus Kayserzinn

Rund 1.000 verschiedene Produkte der Marke "Kayserzinn" entstanden in den Jahren ab 1897. Noch 1928 wurden unter diesem Namen Kannen und Weihwasserbecken hergestellt. Der Katalog zu dieser Ausstellung beinhaltet das erste Werksverzeichnis. Darin aufgeführt wird auch ein Eiskühler zu Ehren des Polarforschers Fritjof Nansen und dessen Fahrt mit der "Fram" durch das Nordpolarmeer. Davon existiert nur noch eine Zeichnung - und ein Dankschreiben des Norwegers.

Etwa 200 Objekte aus Privatbesitz werden in Köln ausgestellt, das Museum selber besitzt lediglich vier. Dazu gehören auch Briefe, Musterbücher, Bilder aus Kaysers Kunstsammlung und historische Fotos.

Zuerst verkaufte Engelbert Kayser Nippes im Stil des Historismus

Material und Kunststil bedeuteten eine wichtige Erweiterung im Geschäft von Engelbert Kayser. Schon 1864 hatte der 1840 in Kaiserswerth geborene Engelbert Kayser an der Hohe Straße in Köln ein "Kunstgewerbliches Magazin für Gebrauchsgeschirr und Luxuswaaren". Dort verkaufte er auch Metall-Nippes im Stil des Historismus aus der Fabrik seines Bruders. Bald erhielt er auch den Titel eines königichen Hoflieferanten. Dank "Kayserzinn" konnte er bald Filialen in Berlin, Frankfurt am Main und sogar Paris eröffnen.

In Köln war der leidenschaftliche Jäger fest im Gesellschaftsleben verankert. Auch war er maßgeblich am Aufbau des damaligen Kunstgewerbemuseums beteiligt. Dort wurden seine Produkte regelmäßig ausgestellt. Mit der aktuellen Ausstellung - pünktlich zu seinem 100. Todestag am 3. September eröffnet - kehrt der Vergessene wieder an eine alte Wirkungsstätte zurück.

"Kayserzinn - Jugendstil-Zinn aus Köln" - bis 20.11., Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr, Kombiticket mit Dauerausstellung: 7,50/4,50 Euro. Katalog: 39,90 Euro. Rahmenprogramm: www.museenkoeln.de







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