25. 05. 2012
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Käthe Kollwitz mal farbig
(js) Bilder in schwarzweiß, sozialkritisch, politisch engagiert – das ist das Image von Käthe Kollwitz. Dass die Künstlerin auch eine ganz andere Seite hat, zeigt jetzt eine Ausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum der Kreissparkasse Köln. "Paris bezauberte mich..." heißt sie und greift die beiden Aufenthalte der Berlinerin in der damaligen Weltkunst-Hauptstadt auf und das, was Kollwitz dort entdeckte: den Postimpressionismus und damit die Farbe. Und die Zeichnerin und Bildhauerin erscheint moderner in der Kunstgeschichte verortet, als man es bisher zubilligte. Dazu stellt man ihr die französischen Künstler zur Seite, die ihr zum Vorbild und Anregung wurden. Mit dieser Ausstellung macht sich das Museum zu seinem 25. Geburtstag selber ein wunderschönes Geschenk.
Mit insgesamt rund 160 Arbeiten werden Kollwitz‘ Aufenthalte von 1901 und 1904 beleuchtet, viele davon wurden von anderen Museen oder von privaten Sammler ausgeliehen. Ein Drittel machen Zeitgenossen wie Rodin (den sie in seinem Atelier besuchte), Bonnard, Vuillart, Munch, Steinlen oder die Mitglieder der Nabis-Gruppe aus. Und eine Sensation: Auch ein Picasso ist dabei, aller Wahrscheinlichkeit nach der, den sich Kollwitz bei der ersten Ausstellung des wilden Spaniers in Paris gekauft hat. Der Weg des Bildes – jetzt erstmals in einer Ausstellung zu sehen – von Kollwitz zum jetzigen Besitzer ist allerdings noch unbekannt. "Brutale Umarmung" zeigt ein tanzendes, eng umschlungenes Paar, bei dem der Mann recht deftig zur Sache geht – eine Szene, die Kollwitz später aufgreift. Nicht nur hier sind die Ähnlichkeiten zu anderen Künstlern oft verblüffend.
Paris – das war damals ein Ort des freien Lebens. Die Mittdreißigerin Käthe Kollwitz genoss es. Auch die Befreiung der Kunst von alten Korsettstangen. So waren in der Aktmalerei "realistische" Posen angesagt, nicht mehr akademische, die antike Mythen als Vorwand für Nacktes nahmen. Von verblüffender Weichheit und Zärtlichkeit sind die großformatigen weiblichen Rückenakte, die Kollwitz schuf. Zu sehen sind auch ihre "Secreta", die sie eigentlich nie öffentlich zeigen wollte: sinnliche Liebesszenen voller emotionaler Expressivität.
Und schließlich die Farbe. Nach Paris musste kommen, wer farbige Druckgrafik lernen wollte. In Berlin durfte sie nur schwarz-weiß sein. Anhand mehrere Blätter, von denen verschiedene Zustandsdrucke vorliegen, ist zu sehen, wie sie mit Farbe und Papiersorten experimentierte. Kollwitz "farbige Phase" war intensiv, aber kurz. Auf dem Kunstmarkt sind Arbeiten aus dieser Zeit selten – und wenn sie einmal angeboten werden, sehr teuer geworden. "Besonders wenn wir als Kaufinteressenten auftreten, steigen die Preise", sagt Klaus Tiedeken, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, die mit ihrer Förderung aus einer kleinen "Firmen-Sammlung" eines der weltweit bedeutendsten Käthe-Kollwitz-Museen gemacht hat.
"Paris bezauberte mich... Käthe Kollwitz und die französische Moderne" – bis 16.1.2011, Käthe-Kollwitz-Museum Köln, Neumarkt 18-24, 50667 Köln, Tel. 0221 / 227-28 99 / 26 02, Telefax: (0221) 227-3762, www.kollwitz.de, Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr, Eintritt: 5/2,50 Euro, Katalog: 29 Euro, umfangreiches Rahmenprogramm

























