25. 05. 2012
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Keine Gnade mit Neureichen und blasiertem Adel
(ehu) Wenige Striche reichten ihm, dann hatte sie Karl Arnold aufs Papier gebannt: die Spekulanten, Neureichen und Kriegsgewinnler der Weimarer Republik, fett, aufgeblasen, arrogant. Die blasierten Adligen, die mit Demokratie nichts anfangen konnten. Die arroganten Militärs, die die Niederlage von 1918 nicht verwanden. Die Frauen, die ihre neue Geschlechterrolle suchten. Die eingebildeten Künstler, die gelangweilten Reichen. In keiner Ausgabe des Satiremagazins "Simplicissimus" fehlten seine Karikaturen. Im Käthe-Kollwitz-Museum sind jetzt rund 90 seiner "Berliner Bilder" zu sehen.
Berlin steht nicht umsonst als Symbol für die "wilden 20er Jahre" des vorigen Jahrhunderts. Hier war das politische und wirtschaftliche Zentrum, hier steppte der Bär in 49 Theatern, 3 Opernhäusern, 3 Varietés und 75 Kabarett- und Kleinkunstbühnen. Immer wieder zog es Arnold (1883-1953) von München dorthin, um "das Absonderliche dieser verrückten Stadt einzufangen". Er besuchte die Unterhaltungsstätten, war Gast in Kaschemmen und Cafés, beobachtete das Straßenleben. Den Skizzenblock immer dabei.
Arnold war ein Meister des Weglassens, ein paar Linien reichten aus
Er zeichnete mit langem, festen Strich. Umrisslinien und ein paar Details reichten. Nur selten musste er mit Deckweiß korrigieren. Nur selten arbeitete er in den 1920er Jahren mit Schraffuren oder Schatten, selten auch mit Farbe. Es entstanden Wimmelbilder, angefüllt mit Typ-Studien. Er durfte auch – damit gehörte er beim Simplicissimus zu den wenigen Ausnahmen – die Texte zu seinen Karikaturen schreiben: bissig, treffend, der schnoddrigen Berliner Schnauze genau zugehört.
Schon mit 24 Jahren kam er bei dem Münchener Blatt unter, wurde nach 1918 fester Redakteur, später sogar Teilhaber. Zielgruppe war das liberale Bildungsbürgertum, dass es mit aufmüpfigen, antiklerikalen und obrigkeitskritischen Beiträgen gewann. Es war sozial, aber nie sozialistisch. Gleiches gilt für Arnold, er war ein "Vernunftrepublikaner, tendenziell eher konservativ, konnte er mit moderner Kunst wenig anfangen. Auch die Reformbewegungen seiner Zeit kommentierte er eher spöttisch. Aus den Bilderklärungen erfährt der Ausstellungsbesucher ausreichend von den historischen Hintergründen.
Er ließ sich von den Nazis nie zu Propagandazwecken missbrauchen
Doch war er für die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Presse. Und schon früh warnte er vor den Nazis. Ihre Anhänger zeichnete er schon 1923 als bierselige Dumpfbacken, aus deren Augen die Hakenkreuze strahlten. Und 1932 ließ er Friedrich den Großen, in dessen Staat jeder nach seiner Facon selig werden konnte, angstvoll auf seinen Nachfolger Hitler blicken. Unter der Nazidiktatur arbeitete Arnold zunächst weiter beim Simplicissimus, zeichnete aber nur noch eher Humorvoll-Unverbindliches, ließ sich aber nie in die Propaganda einspannen.
Arnolds Aufmerksamkeit galt der Oberschicht, die, die im sozialen Elend lebten, kamen als Motiv selten vor. Doch verschloss er vor Hunger oder Kokainsucht nicht die Augen. Die soziale Not war das Thema von Käthe Kollwitz, im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts Arnolds freie Kollegin beim Simplicissimus. Die Bestände des Kölner Museums ermöglichen hier einen interessanten Vergleich, Arnolds Werke kommen aus dem Bestand der Berliner Galerie.
"Karl Arnold. Hoppla, wir leben! – Berliner Bilder aus den 1920er Jahren" – bis 22.5. Käthe-Kollwitz-Museum Köln, Neumarkt 18-24, 50667 Köln, Tel. 0221 / 227-28 99 / 26 02, Telefax: (0221) 227-3762, Im Internet unter: www.kollwitz.de, Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr, Eintritt: 3/1,50 Euro, Katalog: 19,80 Euro, umfangreiches Rahmenprogramm

























