25. 05. 2012
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Kölns Stadtgründerin als Glücksgöttin
(ehu) Wenn ein römischer Kaiser sein Amt antrat, wurden im ganzen Imperium Münzen mit seinem Porträt geprägt. Und er schickte Vorlagen an die Bildhauer des Reiches, damit nach ihnen überall gleiche und ihm ähnliche Büsten entstanden. Kaiserin Agrippina war die erste und einzige Frau, die sich diesen Brauch aneignete. Wie sich vor allem an den Münzen die politische Karriere der Kölner Stadtgründerin ablesen lässt, zeigt jetzt eine Kammerausstellung im Römisch-Germanischen Museum.
Sie war wohl eine sehr selbstbewusste Frau, im Unterschied zu ihrer gleichnamigen Mutter Agrippina die Jüngere genannt. Im Jahr 48 heiratete sie ihren Onkel Claudius, der praktischerweise auch römischer Kaiser war. Da wollte sie nicht in einem bis dahin namenlosen ubischen Dorf am Rhein geboren sein (was 32 oder 33 Jahre vorher geschehen war). Und wie Claudius seinen Geburtsort, das gallisch-keltische Lugdunum, heute Lyon, zur römischen Kolonie erhob, machte sie es mit dem ihren.
Als frischgebackene römische Bürger mussten die Kölner keine Steuern mehr zahlen
Sie verlieh ihm den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Das machte die Bewohner zu römischen Bürgern, die fortan weder Kopf- noch Grundsteuern zahlen mussten. Das Geld blieb in der Stadt und der Grundstock zu Kölns späterem Reichtum war gelegt.
Als Kaiserin verschickte dann auch Agrippina ihre "Musterporträts". Ein kostbares Marmorexemplar konnte für diese Ausstellung aus Stuttgart ausgeliehen werden. Aus Kopenhagen kommt ein Gipsausdruck. Und beide zeigen eine durchaus schöne Frau. Geschmückt wird sie von ihrer charakteristischen Frisur: vorne in drei oder vier Reihen gelockt, hinten als Zopf gebunden, an der Seite einige wenige Korkenzieherlocken.
Die Lockenpracht der vermeintlichen Fortuna führten die Experten zu Agrippina
Diese Haarpracht führte dann auch dazu, dass eine kleine Bronzestatuette – gerade einmal 15 Zentimeter groß â€“Â als Abbild der Agrippina erkannt werden konnte. Vor der Untersuchung durch Experten galt die Figur, die sich in Privatbesitz befindet, mit ihrem Füllhorn als Glücksgöttin Fortuna. Dass sich Kaiserinnen als Göttinnen darstellen ließen, war nichts Ungewöhnliches. Und als Geburtshelferin und Taufpatin Kölns macht sie Agrippina als Fortuna ja nicht schlecht. Kuratorin Friederike Naumann-Steckner ist übrigens überzeugt, dass dies nicht die einzige Agrippina-Fortuna ist, aber bisher hat wohl noch niemand genauer hingesehen.
Es könnte natürlich auch sein, dass nach ihrem gewaltsamen Tod alle ihre Abbildungen vernichtet wurden. Die Spuren eines Schwerthiebs auf einer Münze mit ihrem Porträt lässt sich da noch als eher harmlose späte Abrechnung deuten. Dabei ließ sich die numismatische Geschichte Agrippinas sehr positiv an. Die Kaiserin erhielt nicht nur als erste Frau den Beinamen Augusta – das heißt die "Erhabene" und war als Augustus für die Kaiser ein ganz selbstverständliches schmückendes Beiwerk.
Um den politischen Mord zu rechtfertigen, machte Nero seine Mutter schlecht
Zunächst wurde sie zusammen mit ihrem Ehemann auf einer Münze abgebildet. Den ließ sie vergiften oder vergiftete ihn gar selber, um ihren Sohn Nero aus erster Ehe zum Kaiser zu machen statt den Sohn des Claudius. In einer ersten Runde hatte sie wohl so viel Macht, dass sie sich gleichrangig mit Nero abbilden ließ. Dann rückte sie gegenüber Nero in die zweite Reihe, um schließlich auf keiner Münze mehr aufzutauchen: Der Sohn ließ seine Mutter als Staatsfeindin umbringen, auf seiner Rechtfertigungsrede vor dem Senat beruht im Wesentlichen ihr schlechter Ruf.
Erhalten aber blieb der Name Agrippina für Köln – erst im 6. Jahrhundert setzte sich der Name Colonia durch, aus dem dann später Köln wurde.
"Agrippina als Göttin des Glücks" – bis 31.12., Römisch-Germanisches Museum, Roncalliplatz 4, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 44 38. Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Kombikarte 7/4, 50 Euro, Katalog vier Euro

























