25. 05. 2012
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Künstler führen durch Afrikas Millionenstädte
(js) Mit einem dicken Brocken eröffnet das Rautenstrauch-Joest-Museum den Saal des neuen Kulturzentrums am Neumarkt: "Afropolis" heißt die erste Ausstellung. Auf über 1300 Quadratmetern werden die Probleme der afrikanische Megacities Kairo, Lagos, Nairobi, Kinshasa und Johannesburg beleuchtet. Nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern mit der Unterstützung von Künstlern, die dort arbeiten. "Sie können aktuelle Probleme freier und kritischer reflektieren als Wissenschaftler. Außerdem haben sie andere Ausdrucksmöglichkeiten", erklärt Museumschef Norbert Schneider das Konzept.
Sie lenken den Blick weg vom Elend, dass hierzulande vor allem mit Millionenstädten verbunden wird, wobei vor allem Lateinamerika und Asien, Rio de Janeiro, Kalkutta oder Bombay wahrgenommen werden. Gerade die Künstler zeigen, welche Kraft und Energien in den Menschen stecken, die sich ihre eigenen Strukturen gegen das Chaos schaffen. Da sind etwa die kunstvoll bemalte Autoteile aus Nairobi oder aus derselben Stadt Videos von "Slum TV", das in einem Viertel von Nairobi den Alltag dokumentiert.
Künstler beobachten, wie aus einem "weißen Ärztehaus" in Johannesburg ein Warenhaus für äthiopische Einwanderer wurde. Ein Künstler aus Lagos sammelte während einer Busfahrt die Geräusche seiner Stadt. Es gibt das Modell einer Stadtvision und das eines Stadtviertzel aus Kairor, das von Gentrifizierung bedroht ist. Umfassend ist auch die Fotodokumentationen über architektonische Zustände und Entwicklungen. Einige Kunstwerke entstanden eigens für diese Ausstellung.
Geschickt verschränkt und verschachtelt die Ausstellungsarchitektur die Kommentare der Künstler mit den eher nüchternen Text- und Bilddokumenten der Wissenschaft. Diese erzählen von der jeweiligen Geschichte und den Besonderheiten. Da sind mit vorkolonialer Geschichte Kairo, Hauptstadt Ägyptens, mit geschätzten 17 Millionen Einwohnern die größte und mit 2000 Jahren die wohl älteste Metropole Afrikas, und Lagos, einst Hauptstadt des Yoruba-Reiches und heute zweitgrößte Stadt des Kontinents. Nairobi, Hauptstadt Kenias, ist ebenso eine koloniale Gründung wie Kinshasa, von den Belgiern als Modellstadt geplant, aber so nie vollendet. Schließlich Johannesburg, entstanden aus einer Arbeitersiedlung für eine Goldmine. Hier erfährt der Betrachter etwa von den Folgen der Apartheid in Südafrika, vom misslungenen Versuch der nigerianischen Regierung, durch Kultur die Nation zusammenzuschweißen, von Kinshasa als Zentrum der afrikanischen Popmusik oder von der "Erfindung" des islamischen Kairo im 19. Jahrhundert.
Die Ausstellung wurde mit 260.000 Euro von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Das Geld hat sich mehr als gelohnt. Denn das Ergebnis ist spannend, abwechslungsreich und informativ. Der Besuch erfordert allerdings Zeit. Bisweilen sind Englisch- und Französischkenntnisse für ein tieferes Verständnis nötig. Das ist dann aber auch das einzige Negative.
"Afropolis – Stadt, Medien, Kunst" – bis 13. März 2011, Rautenstrauch-Joest-Museum, Kulturzentrum am Neumarkt, Cäcilienstr. 29-33, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Eintritt 5/3 Euro, Katalog 38 Euro, umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmen, Performances, Workshops und Vorträgen: www.afropolis.de

























