25. 05. 2012
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Kunst mit Respekt, Kraft und Anspruch
(js) "In alter Frische" nennt Anja Götz ihren Zyklus. Darin "ergänzt" sie alte Drucke oder Originale. Da präsentiert sich vor einer Ideallandschaft von Jan Breughel d.Ä. eine feingekleidetes junges Mädchen mit Kopfhörern und Augenbrauen-Piercing. Eine selbstbewusste junge Frau in elegantem Grün hat sich in ein Moor verirrt. Statt des "passenden" niedlichen Rehkitzleins wird ein Ferkel durch die Gebirgslandschaft getragen, wie man sie früher in Glas- und Rahmenhandlungen oder den Kunstabteilungen der Kaufhäuser fand. Solche "Übermalungen" sind sicherlich nichts Neues. Hier aber machen die Originalität und die handwerkliche Perfektion Spaß, mit denen Götz ihre dicken ironischen Tupfer setzt. Dazu der Respekt, mit dem sie alten Meistern neue Frische verleiht. So erwähnt sie grundsätzlich deren Namen und passt ihre Malweise so weit möglich den "Vorbildern" an. Bleibt zu hoffen, dass die Flohmärkte noch lange Nachschub liefern.
Zwei Porträts, zwei Landschaften, ein Mercedes-Schlitten – Maximilian Steinecker beschränkt sich für seine Einzelausstellung auf fünf großformatige Bilder. Und das ist gut so, denn schon diese wenigen stecken so voller Kraft, dass sie das enge Kabinett zu sprengen scheinen. Mit breitem, neo-expressionistischem Pinselstrich fängt der Maler Stimmungen ein – egal ob das Lachen eines fröhlichen Mädchens, die kindliche Skepsis bei einem Spaziergang oder das satte grün-blau der Bäume.
Zentrales Exponat der Multi-Media-Installation von Fritz Ros sind sechs Stahlrohrsessel. Auf ihnen liegen Bibel, Koran, Talmud, Marx' "Kapital", Milton Friedmans "Kapitalismus und Freiheit" sowie Richard Dawkins "Der Gotteswahn": die Grundlagen der großen monotheistischen Religionen bzw. Ideologien und der aktuellen Auseinandersetzungen darüber. Inwieweit dieser interreligiöse Dialog funktionieren kann, darf angesichts der Ketten, mit denen die Sessel aneinander gefesselt sind, bezweifelt werden. Zumal angesichts der Aufkleber für das erfundene "UN-Sekretariat für Weltglücksentwicklung". Ros engagiert sich hier mit Witz, Engagement und Intellekt für eine bessere Welt unter dem Motto "Mit dem alten Ich kein neues Wir". Doch bleibt dabei – wie oft bei Künstlern, die sich als politische Pädagogen verstehen – die Kunst auf der Strecke.
bis 12.12., artclub, Melchiorstr. 14, 50670 Köln-Agnesviertel, täglich 15-20 Uhr

























