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25. 05. 2012
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Kunstgenuss auf eigene Gefahr


24.03.2011 15:07 von:

Schlagwörter: Köln,artothek,Pirgelis,Audi,Tsunami,Installation,Freiheit,Fliegen,2011

(ehu) Ein schräg abgeschnittenes Dach mit Giebeln ragt aus dem Boden der artothek. Angesichts der aktuellen Katastrophenbilder aus Japan liegen die Assoziationen nahe: Allzu frappant erinnert die Skulptur von Michail Pirgelis an Häuser, die von einem Tsunamis überrollt wurden. Doch nichts liegt dem Künstler ferner, als Untergangs-Vorstellungen zu bedienen. Allein schon deshalb, weil diese Installation weit vor den Ereignissen in Fernost entstand.

Ein zentrales Thema im Werk Pirgelis‘ ist die Faszination des Fliegens. So kann man sich bei dieser Arbeit, blickt von der Balustrade der artothek in die Tiefe, tatsächlich wie ein Pilot fühlen, der sich gerade in die Kurve legt und ein Haus überfliegt. Da wird der enge Ausstellungsraum plötzlich weit und die Freiheit fast grenzenlos (nur die Wolken fehlen).

Wer sich nicht zu klettern traut, kann auch durch ein Astloch gucken

Ein anderer Aspekt dieser Arbeit ist das Spiel mit Erinnerungen. Wer will, kann nämlich – nicht ganz einfach, auf jeden Fall aber auf eigene Gefahr – in das Dach klettern. Wer die Zement-Eternit-Platten bewältigt und sich durch die enge Luke gezwängt hat, taucht ein in eine andere Welt. Licht dringt durch die Ritzen zwischen den Wandbrettern, man kann über das Dachgebälk klettern, eine gewisse Gelenkigkeit vorausgesetzt. Die Außenwelt scheint plötzlich ganz weit weg, es herrscht Dämmerlicht, Geräusche sind nur noch gedämpft zu hören. Erinnerungen an Versteckspiele und Entdeckungsabenteuer in der Kindheit werden wach. Wem die Kletterei zu gefährlich erscheint, kann zumindest durch ein kleines Astloch nach innen spinxen.

Besonders aus der Innensicht ist die handwerkliche Perfektion des Künstlers zu erkennen, der bei der ArtCologne 2010 den "Audi Art Award for New Positions" und damit diese Ausstellung gewann. "Aeromaritime", der Titel dieser eigens in die artothek eingepassten Arbeit, verweist auf die Tatsache, dass dieses Dach auch schwimmen kann. Der Traum vom Fliegen wird so zum Reisen auf das Wasser gelenkt. Hoffentlich immer zum Reisen mit Vorsatz und Absicht und nicht erzwungen durch eine Überschwemmung.

"Michael Pirgelis: Aeromaritime" – bis 21.4., artothek – Raum für junge Kunst, Am Hof 50, 50667 Köln-Altstadt, Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 13-16 Uhr







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