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25. 05. 2012
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"Made in Cologne": Von Firmenpleiten und erfolgreichen Unternehmern


10.06.2011 18:02 von:

Schlagwörter: Köln,Stadtmuseum,Wirtschaft,Ford,Kölsch,Rimowa,Palliativ,Zucker,Gummi,afri cola,

(ehu) Wenn im Mittelalter eine Ware Köln verließ, bekam sie einen Brandstempel. Bei Produkten von außerhalb bedeutete es, sie hatte das Stapelrecht durchlaufen. Waren sie in Köln hergestellt worden, war es so etwas wie ein frühes Qualitätszeichen. Und selbstverständlich gehört es heute zum guten Kölner Ton, alles was aus dieser Stadt kommt, als gut zu befinden. "Made in Cologne" heißt die Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum, die gut zwei Jahrhunderte Kölner Wirtschaftsgeschichte präsentiert.

Rund 350 Exponate sind es. Kein kompletter Überblick, aber gut ein halbes Hundert Unternehmen wird mit seinen Produkten, mit Werbegeschenken, Plakaten und Verpackungen präsentiert. Dabei sind heute vergessene Unternehmen: Orivit etwa, Tefifon oder Heinr. Pallenberg – zu ihrer Zeit weit bekannt. An Overstolz-Zigaretten, die Agrippina-Versicherung, die Rheinischen Glashütten oder Kölner Zucker mag man sich noch mehr oder weniger dunkel noch dunkel erinnern.

An viele alte Firmen erinnern bestenfalls noch ihre ehemaligen Fabrikgebäude

4711, Farina, Ford, Rimowa, Klosterfrau, BP Berufskleidung oder das kölsche Bier tragen den Namen Kölns bis heute in alle Welt. Diese Produkte dürfen natürlich in dieser Ausstellung nicht fehlen. Erfolgsgeschichten sind dabei, und natürlich auch Pleiten, Übernahmen und Schließungen. Wichtige Steuerzahler, die zum Reichtum Kölns beitrugen und vielen Menschen Arbeit gaben.

Sidol-Reinigungsmittel, Opekta-Geliermittel, Hagen-Batterien, Stollwerck-Schokolade, Farben von Reinhold + Strick, Gummiwaren von Clouth: An diese Markennamen erinnern heute noch bestenfalls noch einige alte Fabriken, sofern der Denkmalschutz überhaupt an ihnen interessiert war. Hier werden sie noch einmal mit ihren Produkten ins Gedächtnis gerufen. Dabei kommt manche Kuriosität ans Tageslicht. bei Clouth etwa versuchte man vergeblich, die Firma mit der Entwicklung von gummigesicherten Polizeischilden zu retten.

In Sachen Elektro-Autos war eine Kölner Firma ihrer Zeit weit voraus

Der Zeit um viele Jahrzehnte voraus waren die Elektrofahrzeuge von Scheele. Bis in die 1930er Jahre existierte die Firma, schon um 1880 warb sie für ihre "geräuschlosen und behenden" Müllfahrzeuge. Auch ein Feuerwehrauto produzierte sie – zumindest als Modell. Der Motorisierung verschrieben hatte sich auch Cito in Klettenberg, 1910 mit dem damals weltschnellsten Motorrad auf dem Markt. 80 km/h fuhr die "Allright", bis 1914 wurden 10.000 Stück gebaut. In der Wirtschaftskrise von den Köln Lindenthaler Metallwerken KLM aufgekauft, blieb der Markenname Cito bis in die 1970er Jahre für Fahrräder erhalten. Von den großen Zeiten Kölns als Motoren und Fahrzeughersteller sind heute Deutz und Ford übrig geblieben.

Ein auf und Ab erlebte Afri Cola. An ein Kapitel der Firmengeschichte wird man sich heute wohl nicht mehr so gern erinnern. Die deutsche Konkurrenz für den Weltmarktführer Coca Cola verteilte – wohl zwischen 1938 und 1940 – ein kleines Werbeblatt mit den "Rangabzeichen unserer Wehrmacht". Auf der Rückseite prangte eine Karte von Afrika mit den ehemaligen deutschen Kolonien. Nach 1945 geriet der braune Wachmacher in ein Tief. Der Düsseldorfer Fotograf Charles Wilp verhalf ihr in den Hippie-Sechzigern mit seiner Werbekampagne für die "sexy-mini-super-flower-pop-op-cola" zu einem vorübergehenden Hoch. Erst in den letzten Jahren erlebt Afri Cola nach einer Rezeptänderung wieder eine Renaissance.

Gutes kommt aus Köln – und wird gerne von unlauterer Konkurrenz gefälscht

In drei Abteilung ist die überaus muntere Ausstellung gegliedert. Im Erdgeschoss werden in fast heiliger Atmosphäre "Reliquien" Kölner Wirtschaftsgeschichte mit ihren kuriosen Geschichten gezeigt. Da erinnert ein leerer Geldsack an das pleitegegangene Bankhaus Herstatt, eine Sidol-Dose an Heinrich Böll, der dort 1941 arbeitete, um sich den strengen Ausgangsgesetzen der Wehrmacht zu entziehen. Gefälschte Parfümfläschchen stehen für das internationale Geschäft mit Plagiaten.

Im Treppenhaus hängen Porträts Kölner Unternehmer und ein kurzer Abriss über die WIrtschaftsgeschichte – selbstverständlich mit den Römern beginnend. Im Obergeschoss öffnet sich dann die bunte Produktwelt und lädt zu Entdeckungsreisen ein. zurückgezahlt werden konnten.

"Made in Cologne – Kölner Marken für die Welt" bis 11.9.2011, Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3, 50667 Köln, Di 10-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr, am ersten Donnerstag eines Monats 10-22 Uhr, Eintritt 3,50/1,50 Euro. Katalog: 9,95 Euro

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln und des Kölnischen Stadtmuseums. Dazu ist ein Begleitband erschienen: Mario Kramp/Ulrich S. Soénius (Hg.): Made in Cologne, Kölner Marken für die Welt, Köln: Bachem 2011, 9,95 Euro ISBN 978-3-7616-2544-6.







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