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25. 05. 2012
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Mehr als nur Stolpersteine


30.01.2011 16:27 von:

Schlagwörter: Köln,artclub,Demnig,Stolpersteine,Ariadnefaden,Spielautomat,Kassel,Menschenrecht

(ehu) Wenn über Gunter Demnig berichtet wird, dann in den letzten Jahren fast ausschließlich über sein Projekt "Stolpersteine". Sein anderes bisheriges künstlerischen Schaffens spielt dagegen in der Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle. Dabei sind die kleinen Messingtafeln, mit denen der Kölner europaweit an die Opfer der Nazi-Diktatur erinnert, ohne diese vorhergehende Auseinandersetzung – immer mit einem politischen Anspruch – mit Grenzen, Grenzüberschreitungen und Erinnerungsarbeitnicht denkbar. Eine Ausstellung im artclub zeigt jetzt eine kleine Auswahl von Demnigs älteren Arbeiten.

Da sind zum einen die Arbeiten, in denen er der Beziehung zwischen Mensch und Maschine nachgeht. 1976 schuf er mit viel Witz seine "Künstlichen Menschen". Lebensgroßen Figurinen baut er Spielautomaten ein, dabei porträtierte er sich einmal auch selber als jugendlicher Pirat mit Augenbinde. Anfang der 1990er Jahre entstanden phantasievoll gestaltete Maschinen, die – gegen Geldeinwurf – verborgene Gelüste befriedigen. Im artclub, zu dessen frühesten Mitgliedern Demnig gehört, ist der "Schulterklopfer" zu sehen, der eben genau das tut. Einige Jahre zuvor baute Demnig riesige Klangskulpturen.

Frühe Duftmarken in Köln

In einem anderen Themenkomplex zeichnet er in der Landschaft Verbindungen nach, die sonst nur gedanklich existieren. 1980 setzte er zwischen Kassel, wo er Kunst studierte, und Paris seine "Duftmarken", dabei passierte er auch Köln. 1982 spann er quer über die Alpen seinen roten Ariadnefaden zwischen Kassel und Venedig. Drei Jahre später zog er einen Kreidekreis um Düsseldorf.

Hieraus entwickelte sich 1990 die Farbspur vom Westen Kölns zum Bahnhof Deutz, mit der er an die Deportation von 1.000 Sinti und Roma erinnert: Im Mai 1940 wurden sie aus ihrer Heimatstadt ins KZ Auschwitz deportiert. Die Farbspur wurde inzwischen an markanten Stellen durch Messingtafeln ersetzt. Von hier bis zu den Stolpersteinen war es dann nur noch ein kleiner, folgerichtiger Schritt. Als Beispiel für dieses aktuelle Engagement zeigt der 63-Jährige seine "Werkbank", an der er die Messingschilder für seine Stolpersteine bearbeitet.

Gesetze in Blei geschrieben

Schließlich sind auch Beispiele für seine Auseinandersetzung mit den Menschenrechten zu sehen. Etwa die tönernen Gesetzestafeln mit dem 1. Artikel der UN-Menschenrechtscharta. Sie sind in den bedrohten Sprachen kleiner Völker und Volksgruppen geschrieben, die so wenigstens in der Kunst ihren Platz erhalten. Und damit die Gesetze auch in Zukunft erhalten bleiben, hält er sie im binären Code auf Blei fest, einem Material für die Ewigkeit.

Gunter Demnig: "Durch die Jahre" – bis 6.2., artclub, Melchiorstr. 14, 50670 Köln-Agnesviertel, täglich 15-20 Uhr, Eintritt frei







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