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25. 05. 2012
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Mit drei Beinen der Zeit voraus


18.01.2010 15:08 von:

Schlagwörter: Köln,Design,Papst,Museum für Angewandte Kunst,Strandkorb,Kindermöbel,Kunststoff

(js) Als andere noch fürs Stillsitzen plädierten, wollte Walter Papst den Kindern in der Schule zur Bewegung verhelfen. So entwarf der Designer schon in den späten 50er Jahren einen dreibeinigen Stuhl, der auf verschiedene Arten "besessen" werden konnte. Auch die Phantasie wollte er anregen und sie nicht durch vorgegebene Formen in bestimmte Bahnen lenken: So entwickelte er für die Kleinen eine abstrakte "Schaukelplastik". Seiner Zeit war er damit weit voraus. Eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst erinnert jetzt an den Designer, der 2008 im Alter von 84 Jahren in Köln starb.

Papsts Markenzeichen sind leuchtende Farben, sanfte Kurven, harmonische Rundungen. Damit passte er gut in die optimistische "Nierentisch"-Zeit, die lebensbejahende Zeit des Wirtschaftswunders. Doch der breiten Öffentlichkeit ist Papst eher unbekannt. Dabei kann er durchaus als Avantgardist gelten. Das gilt – siehe seine Kindermöbel – für seine vorausschauende Ausweitung der Anwendungen ebenso wie für den Einsatz von glasfaserverstärkten Kunststoffen. Eine Bank aus diesem leichten Material – ein Exemplar stand lange in einem Kölner Park – ließ er 1961 werbewirksam von Bären im Ulmer Zoo auf ihre Unzerstörbarkeit testen.

Ein anderes Ausrufezeichen setzte er sieben Jahre später mit einer "verstellbaren Sitz- und Liegeeinrichtung mit einer Wetterschutzhaube", eine Kampfansage an den klassischen Strandkorb, die sich auf dem Markt allerdings nicht durchsetzen konnte. Erfolgreich waren dagegen stapelbare Kinderstühle für Kindergärten mit einem schalenförmig Sitz aus Kunststoff und einem gebogenen Stahlgerüst als Bein. Die Sitze konnten auch zu Schaukeln oder Schaukelstühlen umfunktioniert waren. In der Kölner Ausstellung lässt sich die Entwicklung eines Möbelstücks vom Entwurf über die Gipsform bis zum fertigen Produkt nachvollziehen.

Der wilden Kölner Karnevalsszene dürfte Papst ein Begriff sein: Jeden Rosenmontag lud er zu wilden Partys in seine Wohnung – sie gaben der Ausstellung den Namen. Sie war schon in Kiel zu sehen, der Geburtsstadt des Designers, wo er auch eine Tischlerlehre abschloss und danach die Muthesius-Werkkunstschule besuchte. Dort hatte er sich im übrigen mit einem Prototyp seines Dreibein-Stuhles beworben. 1957 zog er nach Köln. Er entwarf u.a. einen Sessel für Ikea. Vor allem aber arbeitete für den Möbelhersteller Wilkhahn (Bad Münder/Weserbergland), der zum 100. Firmenjubiläum vor zwei Jahren den Dreibein-Stuhl un die Schaukelplastik neu auflegte. Die jetzt ohne Kunststoffschwanz – der TÜV hatte etwas dagegen. Wilkhahn betreut Papsts Tod dessen künstlerischen Nachlass, aus dem auch diese Ausstellung zusammengestellt wurde.

In den letzten Jahrzehnten hatte sich Papst aus dem Design-Geschäft zurückgezogen. Ähnlich wie Erich von Däniken glaubte er, dass die Erde einst von Außerirdischen besucht worden sei, die den Menschen die Grundformen der Kunst übereignet hatten. Doch anders als der Schweizer Prä-Astronautiker kam der Kölner damit nicht in die Schlagzeilen. In der Ausstellung wird auch dieses Lebenskapitel mit zahlreichen Dokumenten und EXponaten gezeigt.

"Montags beim Papst – Der Designer Walter papst" - bis 21. März, Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tl. 0221 / 22 12 38 60, www.museenkoeln.de.

, Di-So 11-17 Uhr, vom 19.- 22. Januar täglich 11-20 Uhr (Eintritt frei!), Eintritt ab 23. Januar: 3/1,50 Euro, Kombi-Ticket mit der Dauerausstellung: 6,50/3,50 Euro







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