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25. 05. 2012
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Mittelalterliche Schätze aus Gold und Elfenbein


02.11.2011 17:01 von:

Schlagwörter: Köln, Schnütgen, Mittelalter, Gold, Elfenbein, Goldschmied, Getty, Linz, Reliqui

(ehu) Charakteristisch für Kölns Heiligenporträts ist – zumindest wenn sie hier im Mittelalter aus Holz geschnitzt und dann bemalt wurden – ihr verschmitztes, allem Irdischen enthobenes Lächeln. Was sie so vergnügt macht, weiß keiner so recht genau. Doch wenn der Kopf, der einst die Reliquie eines Heiligen Sebastian barg und jetzt in der Ausstellungshalle des Kulturzentrums am Neumarkt zu sehen ist, liegt eine Vermutung nahe: Er freut sich über das Wiedersehen mit vielen Kostbarkeiten, die einst in Köln entstanden und dann in alle Welt verstreut wurden.

„Glanz und Größe des Mittelalters“ heißt die Ausstellung, mit der das Museum Schnütgen ab Freitag mit einem Jahr Verspätung an seine Wiedereröffnung im Kulturzentrum Neumarkt feiert. Sie erinnert an die große Zeit, als Köln die größte Stadt nördlich der Alpen war, Ziel für Pilger und Heimat von Kunsthandwerkern mit internationalem Ruf. Als Köln wichtige Hanse- und Handelsstadt – auch für Reliquien und was dazu gehört – war und auch schon vor Gründung der Universität im Jahr 1388 ein Zentrum der Gelehrsamkeit. Eine Stadt mit selbstbewussten Bürgern, die ihren Erzbischof 1288 verjagt hatten.

Acht der 72 Leihgeber kommen aus den USA, viele auch aus dem Kölner Umland

Die Ausstellung gibt einen reichen Überblick über 500 Jahre Kunsthandwerk von der Romanik bis zum Beginn der Renaissance: Sakralgefäße, Reliquienbehälter, Heiligenbilder und -plastiken, Porträts, biblische Szenen, Altäre, Buchillustrationen. 65 Exponate kommen aus den Beständen des Museums, 160 von 72 Leihgebern – deren Liste reicht vom J. Paul Getty Museum in Los Angeles und der Domschatzkammer in Aachen über den Pariser Louvre und dem Gulbenkian-Museum in Lissabon bis zum Gothaer Schlossmuseum und der Thyssen-Bornemisza-Stiftung in Madrid.

Auch die Pfarrgemeinde St. Marien im Rheinstädtchen Linz ist dabei. Sie entlieh ihren Altar, der im Jahr 1463 entstand und dem Meister der Lyversberg-Passion zugeschrieben wird. Als „Ersatz“ erhält sie für die Dauer der Ausstellung eine Madonnenfigur aus den Beständen des Museums. Leer bleiben dagegen für diese Zeit die Stirnwand des Hansesaals im Kölner Rathaus: Die acht Propheten, die dort seit 1410 für gute Regierungsführung werben, wohnen vorübergehend im Schnütgen-Museum.

Reiche Patrizier traten als Auftrageber für Kunst an die Stelle der Kirche

Sie sind zugleich Sinnbild für den Machtwechsel in der Stadt: War zunächst vor allem die Kirche der Auftraggeber, sind es nach 1288 der reiche Stadtadel und die Kaufleute. Sie „verweltlichten“ gleichsam die biblischen Propheten fü ihre Zwecke. Auch für diesen weltlichen Alltag hat die Ausstellung einige Beispiele: Spielfiguren aus Elfenbein, das damals mit Gold aufgewogen wurde, ein rundes Kartenspiel, einen Geldbeutel, verziert mit dem Bild eines Hundes, auch der Brustharnisch für Philipp den Schönen, später König von Kastilien, damals aber erst 12 Jahre alt.

Glasmalerei, Elfenbeinschnitzereien, Gold- und Silberschmiedekunst, Holzschnitzerei, Tafelmalerei, Buchillustrationen, Handschriften, Textilien Wissenschaft und Verlagswesen sind weitere Themen der Ausstellung. Weil sich die Produzenten der Kostbarkeiten mehr als Handwerker denn als Künstler verstanden, die ihre Werke signierten, sind ihre Namen meistens unbekannt. Meist begnügen sich die Kunsthistoriker mit Zuschreibungen wie „Meister von St. Severin“.

Die Ausstellung ist eine einmalige Gelegenheit zum direkten Vergleich

Und wenn ein Name bekannt ist, sind sich die Experten nicht immer ganz sicher. Wie im Fall des Tilman Heysacker, genannt Krayndunck, der im späten 15. Jahrhundert in Köln malte und holzschnitzte. Hier kommen erstmals einige seiner Werke zusammen – die Gelegenheit für die Wissenschaft, ihre Theorien über diesen Künstler zu überprüfen, dessen Holzskulpturen sich durch markante Gesichter und auffallend gewinkelte Augenbrauen auszeichnen.

Weil hier viele Kunstwerke erstmals wieder an ihre Ursprungsstätte zurückkehren – wenn auch nur auf Zeit – die einmalige Gelegenheit, auch andere Theorien zu überprüfen. Sich etwa auf die Suche nach dem „typischen“ Kölner Stil zu machen, wie er sich etwa – siehe oben – bei den Holzfiguren mit Lächeln, gedrehten Locken, langen Nasen und großen offene Augen präsentiert. Nicht zuletzt der Goldgrund – wer stattdessen mit Safran malte, musste mit strengen Strafen seiner Zunft rechnen.

Für solche kunsthistorischen Fragen sind zahlreiche wissenschaftliche Kolloquien vorgesehen. Für den Laien bietet das Museum Konzerte mittelalterlicher Musik, Führungen, Exkursionen und ein Kinderprogramm.

Sponsoren tragen ein Drittel zu den gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro bei

Dagmar Täube, kommissarische Direktorin des Museums Schnütgen, hofft mit dieser einmaligen und einzigartigen Ausstellung auf eine weitere Steigerung der Besucherzahlen. Die konnten im ersten Jahr des Kulturzentrums gegenüber dem letzten Jahr im alten Haus schon auf 110.000 verzehnfacht werden. Und Kulturdezernent Quander erhofft sich einen Image- und damit auch einen wirtschaftlichen Gewinn für Köln. Für werbewirksame Ausstellungen wie diese hat er im Haushalt 2012 der Stadt einen Extraposten vorgesehen. „Glanz und Größe des Mittelalters“ kostet 1,5 Millionen Euro, ein Drittel davon kommt von Sponsoren.

„Glanz und Größe des Mittelalters – Kölner Meisterwerke aus den großen Sammlungen der Welt“ – bis 26.2. 2012, Museum Schnütgen, Kulturzentrum am Neumarkt, Cäcilienstr. 29-33, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Eintritt 6,80/4 Euro, Katalog zur Ausstellung: 39 Euro, umfangreiches Rahmenprogramm mit Konzerten, Führungen und Vorträgen: www.museenkoeln.de/museum-schnütgen/

 





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