Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Neuer alter Blick rekonstruiert


26.01.2011 07:38 von:

Schlagwörter: Köln,SK Stiftung Kultur,Foto,Landschaft,Nixon,Becher,Texas,Motel,Melancholie

(ehu) Im Nachhinein war "New Topographics – Photographs of the Man-Altered Landscape" in der US-Stadt Rochester eine der wichtigsten Ausstellungen der jüngeren Fotokunst-Geschichte. Doch 1975 hat keiner gemerkt, dass dies gleichsam die Geburtsstunde der modernen Landschaftsfotografie war. Die damaligen Rebellen sind heute anerkannte Stars der Fotoszene. Um so besser, dass es jetzt eine beeindruckende Rekonstruktion dieses damals neuen Blicks auf Städte und Landschaften gibt. Nach ihrer Premiere in den USA hat die Ausstellung jetzt in Köln ihre erste europäische und einzige deutsche Station. Gastgeber ist die Kulturstiftung der Sparkasse KölnBonn.

Es sind – von wenigen Ausnahmen abgesehen – Schwarzweiß-Aufnahmen. Unspektakuläre Motive, unpathetisch, oft genug umweht von einem Hauch Melancholie und Tristesse, wie sie für die Weiten des Mittleren Westens und die staubigen Kleinstädte charakteristisch ist, Menschen kommen darin bestenfalls als Mini-Staffage vor. Dabei sind sie es, die diese Landschaften geformt, darin ihre Spuren hinterlassen haben.

Nüchterner Blick mit Sinn fürs Grandiose

"Die Welt ist unendlich viel interessanter als irgendeine meiner Ansichten darüber", wird für die Fotophilosophie dieser Zeit stellvertretend gerne der US-Fotograf Nicholas Nixon zitiert. Als ob die Persönlichkeit des Fotografen und dessen Einstellung zum Motiv ausgeklammert werden könnte. So sind diese Aufnahmen letztlich alles andere als "objektiv", doch ein nüchterner Blick eint sie – durchaus mit einem Sinn für grandiose und verblüffende Szenerien.

Mit Übertreibung gegen Romantisierung

Wie bei John Schott, der entlang der Route 66 Motels sammelt, die von Fernweh träumen. Oder Lewis Baltz: Er fotografiert Banales wie Hausecken, Betonfundamente, Treppenaufgänge, die durch seinen Blick Bedeutung erhalten. Die Eingriffe des Menschen in die Natur beschäftigen Robert Adams, wobei sein Spiel mit dem Licht Häßliches in Mysterien verwandelt – und die Natur der ästhetische Sieger bleibt. Frank Gohlke wehrt sich mit Übertreibung gegen eine Romantisierung seiner Motive, setzt dabei oft auf Zentralperspektive und klare Gliederungen.

Henry Wessel mit seinem Blick für "Details": die einsamen Häuser, die skurril gepflegten Vorgärten, alles durch Schatten gekonnt in Szene gesetzt. Joe Deal fotografiert – stets von Hügeln aus – freistehende Landhäuser, Bauklötzchen, durch Wege verbunden, die vergeblich versuchen, das Land zu strukturieren. Stephen scheint ganz verliebt in das staubige Texas, dessen Kleinstädte sich am Rand in der Wüste verlieren.

Fasiniert von Gegensätzen

Oder eben Nixon, der in seinen Bildern die vielfältigen Gegensätze der Großstadt Boston aus erhöhter Perspektive festhält: moderne glatte Fassaden und verspielt verzierte, die geometrische Ordnung von Straßenzügen, die sich in der Ferne im Dachgewirr verliert, freie Flächen und dichte Besiedlung, Hochhäuser hinter zwei-, dreigeschossigen Gebäuden.

In diesem Reigen nicht zu vergessen die unvermeidlichen Bechers. 1973 fotografierten Bernd und Hilla Becher in Kanada und den USA Fördertürme und Kohleverarbeitungsanlagen. Erstere als filigrane Gebilde aus Holz oder Stahl, die jeden Moment zusammenzubrechen scheinen. Mit ihrer seriellen Typografie wurden sie zum Vorbild ganzer Fotografengenerationen.

Drei kleine Ausstellungen als Zugabe

Parallel zu "New Topographics" sind noch drei kleine Ausstellungen zu sehen, die das Thema "Topograhics" auf ihre Weise fortsetzen. Von den Bechers etwa sind aus der hauseigenen eigenen Sammlung sind Aufnahmen der Grube Anna bei Aachen zu sehen. Gus Kayafas schenkte der SK Stiftung seine Mappe "Miami": Die 18 Fotos zeigen Momente jenseits der Glitzerwelt, arbeiten mit Bildstörungen und Widersprüchen.

Chris Durham war 2009 in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Seine großformatigen, menschenleeren Farbfotos zeigen "Murals", Wandbilder, mit denen sich die politischen Gruppen selbstverherrlichen. Oft martialische Bilder von vermummten Männern mit Maschinenpistolen, heroische Wappen, Werbung für die "Ulster Volunteer Force" oder die "South belfast Freedom Fighters". Durham kommentiert dies nicht, er dokumentiert nur. Manche Botschaften sind nur Eingeweihten verständlich, doch alle zeigen, wie zerrissen das Land ist, dass Frieden wohl noch lange nicht in Sicht ist.

"New Topographics" – bis 27.3., Photographische Sammlung der SK Kultur, Im Mediapark 7, Tel. 0221 / 888 95-311, täglich außer Mittwoch 14-19 Uhr, Eintritt 4,50/2 Euro, montags frei

   





Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse