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25. 05. 2012
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Neues aus der Schatztruhe von August Sander


21.04.2011 17:35 von:

Schlagwörter: Köln,August Sander,Sardinien,Cagliari,Stadtsparkasse KölnBonn,Hallensleben,Itali

(ehu) August Sander? Kennt man doch. Fotograf der Reihe "Menschen des 20. Jahrhunderts", grandiose Landschaftsfotos vom Rhein, Motive aus dem Köln der 1920er und 30er Jahre. Doch in seinem Nachlass, den die Stiftung Kultur der Stadtsparkasse KölnBonn verwaltet, finden sich immer noch bislang ungehobene Schätze. So seine Fotos von einer Sardinien-Reise im Jahr 1927. Jetzt wurden sie erstmals umfassend inventarisiert, von den rund 300 Bildern werden 150 ausgestellt – so viele wie nie zuvor.

Eine Arbeit, die auch in Sardinien ihre Wirkung hatte. Denn um Sanders Motive zu identifizieren, reiste Gabriele Conrath-Scholl, Leiterin der Photographischen Sammlung der Stiftung, auf die italienische Insel. Dort half ihr Giorgio Pellegrini, Kulturdezernent von Cagliari. Als Ergebnis entstand die Ausstellung, die jetzt in Köln zu sehen ist. In Cagliari wurde sie im vorigen Jahr gezeigt – 50.000 Besucher wurden in zwei Monaten gezählt.

Manche von Sanders Fotos könnten auch heute entstanden sein

Für die Sarden war dies ein wichtiger, neuer Blick in ihre Geschichte – und vieles, so erzählt Pellegrini – hat sich in den vergangenen 80 Jahren nicht geändert. Auch damals war – vor allem im Inselinneren – Reisen ein kleines Abenteuer, Hotels sind immer noch rar. Sander reiste mit dem Schriftsteller Martin Mathar, der die Idee dazu hatte und ein Buch darüber veröffentlichen wollte, das aber nie erschien. Für Sander war es die einzige mehrwöchige Auslandsreise seines Lebens. Zwei einheimische Führer begleiteten die beiden Männer, sorgten auf dem Land für eine "fotografenfreundliche" Atmosphäre.

Auf Sardinien zog gerade die moderne Zeit ein, die Elektrifizierung hatte gerade erst begonnen. Doch Sander interessierte vor allem das "Uralte", neue Eisenbrücken oder Stromleitungen sind auf seinen Fotos die Ausnahme. Zwei Hauptstrategien prägten seine Arbeit beim Fotografieren von Architektur: Entweder suchte er sich einen festen Standort, von dem aus er sich im Kreis drehend seine Motive suchte.

Oder er umkreiste ein Objekt – mit Vorliebe Kirchen – und hielt es aus verschiedenen Perspektiven mit seiner Kamera fest. Schließlich war er verliebt in Details, fotografierte Türklopfer ebenso wie Kruzifixe oder Inschriften. Was ihn störte, wurde beim Entwickeln weggeblendet, so ein Mussolini-Bild über einem römischen Mosaik. Auf dem negativ sei es noch zu sehen, weiß Pellegrini.

Auf der Suche nach dem "Uralten" wurde er auch in Gesichtern fündig

Das Uralte suchte er auch bei seinen Porträts: Menschen in ihren Trachten, vor allem Bauern, die Gesichter von harter Arbeit in frischer Luft gezeichnet, stolz zu Pferde, mit überladenen Eselskarren Heu transportierend, der Wagen noch mit archaischen Scheinrädern. Frauen am Herd, am Webstuhl, Wäscherinnen – arrangierte Alltagsszenen. Das alles Schwarzweiß, nur bei den Trachten entstanden 20 Farbaufnahmen, von denen sechs in der Ausstellung zu sehen sind.

Als Ergänzung werden Fotos aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: Arbeiten verschiedener Fotografen mit Motiven aus Italien, Ägypten, Palästina und dem Libanon. Touristen sind darauf nicht zu sehen, und viele ägyptische Monumente stecken noch halb im Wüstensand. Diese Fotografen begründeten die Tradition der Reisefotografie, in der sich auch Sander sah. Den Bogen in unsere Zeit schlagen Arbeiten der Deutschen Ruth Hallensleben, Teil einer Schenkung mit mehreren tausend Fotos, die zur Zeit inventarisiert werden. Ihre Italienfotos erschienen 1952 in Illustrierten und sollten Lust auf eine Reise ins Land, wo die Zitronen blüh‘n, machen. Mit Erfolg, der moderne Tourismus begann.

"August Sander. Sardinien 1927" – bis 21.8., Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, täglich 14-19 Uhr, Mittwoch geschlossen, Eintritt: 4,50/2 Euro, montags freier Eintritt. Zur Ausstellung erschien bei Schirmer/Mosel ein opulenter Katalog zum Preis 49,80 Euro.







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