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25. 05. 2012
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Nur bei Rembrandt darf Jesus weinen


02.11.2010 15:41 von:

Schlagwörter: Köln,Wallraf,Beschneidung,Ritual,Jesus,Christus,Maria,Dürer,Rosenkranz

(js) Mit der neuen Reihe "Der (un)gewisse Blick" will das Wallraf-Richartz-Museum seine Graphische Sammlung bekannter machen. Die erste von insgesamt sechs geplanten Ausstellungen trägt den Titel "Das Gedächtnis, die Stadt und die Kunst: Die Beschneidung". 60 Druckgrafiken aus den eigenen Beständen zeigen, wie dieses jüdische Ritual für den christlichen Glauben uminterpretiert wurde. Sie sind eine nur Auswahl, insgesamt besitzt das Museum rund 75.000 druckgrafische Blätter zu diesem und anderen Themen.

Das Thema wurde nicht beliebig gewählt, es hat einen direkten lokalen Bezug. Vom Museum aus kann man in die Ausgrabungen vor dem Rathaus blicken – und auf die Fundamente der alten Synagoge. Diese wurde im 15. Jahrhundert in die Kirche St. Maria in Jerusalem umgewandelt. Da, wo ursprünglich der Thora-Schrein stand, stellte man nun – durchaus in Siegerpose – einen Altar von Stefan-Lochner auf.

Bei den Juden galt die Beschneidung als Beweis des Bundes zwischen Gott und dem Stamm Abrahams. Als unauslöschbares körperliches Merkmal wird sie als Symbol für die Ausgewähltheit des jüdischen Volkes seit biblischen Zeiten weitergegeben. Wie nun erklären, dass auch Jesus, der Gründer des Christentums, beschnitten war? In der katholischen Theologie wurde dieser Akt zum Symbol für die Kreuzigung, sozusagen das erste Blutopfer Christi und damit das Zeichen für den Neuen Bund, den Gott mit den Christen schließt. Auch für Maria war dies der erste von Sieben Schmerzen und wurde zum Teil des Rosenkranzes. Nach Luther musste Abraham sich dem Beschneidungsritual unterwerfen, weil er ein Sünder war und so seinen Gehorsam beweisen konnte. Die Christen aber seien vom "Fluch des Gesetzes frei und ledig durch Jesus", weil Jesus den Fluch des Gesetzes getragen und sich ihm unterworfen habe.

An Beispielen von Dürer, Altdorfer, Goltzius, der Cranach-Schule und Rembrandt wird gezeigt, wie mit Bildern das christliche Verständnis verbreitet wurde. Wenn etwa die Beschneidung in einen Tempel verlegt wird, so widerspricht allein schon die Anwesenheit Marias den jüdischen Regeln. Danach fand das Ritual am 8. Tag nach der Geburt statt, Frauen war aber erst nach 40 Tagen wieder der Besuch des Tempels erlaubt. In einem Dürer-Bild ist hinter der Beschneidungsszene ein geöffneter Vorhang zum Allerheiligsten zu sehen – eine Anspielung auf den Vorhang, der nach der Kreuzigung Christi zerreißt. Und während der kleine Jesus auf allen Bildern ein ernstes Gesicht macht, darf er allein bei Rembrandt seinen Schmerz zeigen.

"Das Gedächtnis, die Stadt und die Kunst: Die Beschneidung" – bis 30.1.2011, Wallraf-Richartz-Museum, Obermarspforte, Di-Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr (außer an Feiertagen), Sa und So 11 bis 18 Uhr, Eintritt 9,50/7,50 Euro, Begleitheft 6 Euro

   





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