25. 05. 2012
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Poesie aus der alten Donaumonarchie
(js) Menschen aus 140 Nationen sollen in Köln leben. Darunter sicher auch ein paar Albaner. Doch zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung in der editionale-Galerie kam eine Albanerin aus Bonn angereist: Lindita Arapi las ihre Gedichte. In ihrer Heimat eine große Poetin, kennt sie hier kaum jemand. Wie viele Bücher wurden überhaupt aus dem Albanischen, dieser Sprache, die auf das Illyrische zurückgeht, ins Deutsche übersetzt? Zumindest eins, eben Arapis Gedichtband "Am Meer, nachts". Und der liegt gleich zweisprachig vor. Zu verdanken ist dies dem österreichischen Verleger und Künstler Christian Thanhäuser. Gewiss kein ökonomisches Zusatzgeschäft.
Thanhäuser, in der Nähe der Grenze zur Tschechoslowakei aufgewachsen, lässt die beste Tradition des kakanischen Vielvölkerstaates aufleben. "Aus Neugier", so seine Begründung, lässt er die Werke von Schriftstellern aus den Nachbarstaaten des heutigen Österreichs übersetzen, illustriert sie mit eigenen Arbeiten und veröffentlicht sie dann, oft eben auch zweisprachig. In Tschechien, Albanien, Slowenien, Sorbien, Polen oder Bulgarien findet er die Autoren für seine "edition Thanhäuser". Aber auch in Guatemala, nicht zu vergessen Texte seines Freundes H.C. Artmann, vieles nur in kleiner Auflage, handgedruckt. Bisweilen greift ihm der Staat finanziell unter die Arme, der finanziert auch alljährlich ein einmonatiges Stipendium für die ausländischen Dichter in Ottensheim an der Donau – Zeit, in denen dann oft die Übersetzungen entstehen. Der Donau, einst der verbindende Lebensnerv der Habsburger Monarchie, ist auch Thanhäusers neue Illustrationsarbeit gewidmet: Karl-Markus Gauß erzählt in "Die Donau hinab" (Haymon Verlag) den politischen Mäandern, die dieser Fluss bis in unsere Gegenwart durchlaufen hat. Thanhäuser liefert dazu die atmosphärischen Zeichnungen.
Denn von Hause aus ist der 57-Jährige Zeichner und Holzschneider (und ein international gefragter Gastdozent). Ein Mann, der meisterlich die Spannbreite seiner Kunst und seines Handwerks beherrscht – von äußerst sensiblen, zarten Strichen wie bei seinen Illustrationen zu Jean Henri Fabres "Erinnerungen des Insektenforschers" bis hin zu den ausdrucksstarken expressiven Holzschnitt-Porträts oder Gesellschaftsszenen. Schließlich seine Landschaften, in denen er mit wenigen Strichen und sparsamen Farbakzenten Einsamkeit und Weite festhalten kann. Bleibt letztendlich zu vermerken, dass das alles wohltuend wohlfeil angeboten wird.
"Arbeiten der edition Thanhäuser" – bis 24.3., Galerie der editionale, Blücherstr. 3, 50733 Köln-Nippes, Mi 16-18.30 Uhr, Sa 11-15.30 Uhr, und nach Vereinbarung (Tel. 0221 / 16 90 16 51 oder 0221 / 73 21 20)

























